Standpunkt Präsident Johannes Steinhart: An der Wurzel packen

26.01.2026 | Aktuelles aus der ÖÄK

Das vergangene Jahr war geprägt von Ideen, die von verschiedenen Akteuren zur Gesundheitspolitik gewälzt wurden. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Vorschlag, Kompetenzen von den Ländern in den Bund zu verschieben. Und damit beginnt auch das neue Jahr. Denn erst jüngst schlug der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle, der am 1. Jänner den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz übernommen hat, eine gemeinsame Struktur- und Kapazitätsplanung und die Verschränkung der niedergelassenen, ambulanten und stationären Bereiche vor. So sollen die Bundesländer im Bereich der Spitäler Kompetenzen an den Bund abgeben, aber ihre Mitsprache bei Spitalsstandorten beibehalten.

Im föderalistischen Österreich ist es schwierig, das bunte Knäuel von verschiedenen Finanzierungsströmen und regionalen Entscheidungen zu entwirren und einen roten Faden durchzusetzen. Eines ist aber jedenfalls klar: Ein Konzept für die optimale und ressourcenschonende Patientenversorgung muss bundesweit einheitlich umgesetzt werden. Der geplante Ausbau von 1450 kann ein Rädchen sein, an dem gedreht werden kann. Aber der Schlüssel zu einer besseren Versorgung ist, den niedergelassenen, wohnortnahen Bereich zu stärken und die Spitäler zu entlasten. Der reine Ausbau von Kassenstellen wird nämlich das Problem, dass viele Ärztinnen und Ärzte nicht in der öffentlichen Gesundheitsversorgung arbeiten wollen, weil dort die Strukturen zu starr sind, nicht lösen. Ohne einen der modernen Medizin angepassten Leistungskatalog sowie der – auch monetären – Anerkennung der Zuwendungsmedizin und Präventionsmedizin als wesentliche Pfeiler der Gesundheitsversorgung, wird es nicht gehen.

Und nicht zu unterschätzen ist die Gesundheitskompetenz jedes einzelnen: Hier – beginnend mit dem Kindergarten und der Schule – Projekte umzusetzen, damit jeder einzelne Bürger seine Gesundheit besser im Blick hat, kann das gesamte Gesundheitssystem entlasten.

Nun heißt es, diese Ideen gemeinsam zu koordinieren und das Problem an der Wurzel zu packen.

Dr. Johannes Steinhart
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 1-2 / 25.1.2026