E-Health & Digitale Medizin: Umfrage – Der Arzt und seine Software

25.02.2026 | E-Health und Digitale Medizin, Politik

Autorin: Sophie Niedenzu

Dokumentation, Abrechnung und Patientenmanagement gehören zu den wichtigsten Funktionen einer Ordinationssoftware, die Zufriedenheit ist groß und ein Anbieterwechsel selten: Das ergab eine aktuelle Umfrage der Bundeskurie niedergelassene Ärzte zur Ordinationssoftware.

Sophie Niedenzu

Keine Zettelwirtschaft mehr, messbarer Nutzen, mehr Zeit für Patientinnen und Patienten – die Digitalisierung soll Prozesse vereinfachen und einen Mehrwert für alle bieten. Ob Rezepte, Zuweisungen, Verordnungen oder Kuranträge: Was nicht schon digital ist, soll es zukünftig werden. Dazu haben sich auch die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte und der Dachverband der Sozialversicherungsträger in der kürzlich präsentierten „Zukunftsvereinbarung“ geeinigt. Diese zeigt den digitalen Fahrplan für die nächsten Jahre vor.

Der Ausbau von digitalen Lösungen im Gesundheitswesen erfordert begleitend angepasste oder zusätzliche Module und Überarbeitungen bei der jeweiligen Ordinationssoftware. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Bereich e­Health und Digitalisierung hat die Bundeskurie im vergangenen Herbst anonym die Meinung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte eingeholt, insbesondere in Bezug auf die Nutzung der Ordinationssoftware, der e­Card und ELGA.

Positiver Tenor

An der Umfrage beteiligten sich 3.307 Ärztinnen und Ärzte, das entspricht einer Rücklaufquote von 20 Prozent. 91 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, mit einer Arztsoftware zu arbeiten. Von den knapp neun Prozent der Ärztinnen und Ärzte ohne Arztsoftware waren fast alle Wahlärzte. Was sind die Gründe, warum manche niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte keine Arztsoftware verwenden? 31 Prozent sehen keinen Bedarf, für 26 Prozent ist die Software zu teuer, weitere 15 Prozent gaben an, dass die technische Infrastruktur fehle. Jene, die mit Software arbeiten, bleiben dabei dem Anbieter treu: Die aktuelle Ordinationssoftware nutzen 48 Prozent seit über zehn Jahren, weitere 25 Prozent seit ein bis fünf Jahren. Die Zufriedenheit ist groß, 70 Prozent bewerten die Software mit „Sehr gut“ oder „Gut“, ebenso verhält es sich mit der Benutzerfreundlichkeit. 59 Prozent würden die Ordinationssoftware auch an Kollegen weiterempfehlen. Die Weiterempfehlung ist auch ausschlaggebend für die Wahl der Ordinationssoftware: 47 Prozent gaben an, sich aufgrund dessen für einen Anbieter entschieden zu haben. Die laufenden Kosten, beispielsweise für Lizenzgebühren und Wartung, liegen zwischen 2.500 und 5.000 Euro (41 Prozent) bzw. weniger als 2.500 Euro (21 Prozent) – 16 Prozent gaben an, jährlich zwischen 5.000 und 7.500 zu zahlen. Mit dem Preis-Leistungs­Verhältnis scheint die Mehrheit zufrieden (43 Prozent „Sehr gut“ bis „Gut“), viele beurteilen dieses auch als „durchschnittlich“ (34 Prozent). Die grundsätzliche Zufriedenheit mit der gewählten Ordinationssoftware spiegelt sich auch bei der Frage wider, ob die Befragten einen Wechsel in den nächsten ein bis zwei Jahren planen: Drei Viertel beantworteten das mit einem klaren „Nein“, 15 Prozent mit „Vielleicht“ und sechs Prozent mit „Ja“.

Gerichteter Befund- und Dokumentationsversand

Ziel der verwendeten Software ist es, die Verwaltung der täglichen Abläufe in den Arztpraxen zu unterstützen. Zu den wichtigsten Funktionen gehören laut der Umfrage die Dokumentation (89 Prozent), die Abrechnung (85 Prozent) und das Patientenmanagement (80 Prozent). Mehr als die Hälfte gab an, dass alle notwendigen Funktionen in der Ordinationssoftware enthalten sind. Zu den zusätzlichen digitalen Tools, die in den Ordinationen verwendet werden, zählt vor allem der gerichtete Befund­ und Dokumentenversand (73 Prozent), außerdem auch der Erstattungskodex (EKO) (32 Prozent) sowie die Online­Terminplanung für Patientinnen und Patienten (26 Prozent). Diese ausgewählten digitalen Tools sind bei der Hälfte der Befragten auch in ihrer Ordinationssoftware integriert. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt die Ordinationssoftware nicht auf mobilen Geräten wie Tablets oder Smartphones, 21 Prozent gaben an, dies regelmäßig zu tun.

ELGA-Anwendungen

Die Frage, ob eine ELGA­Anwendung, wie e­Befund, e­Medikation oder e­Impfpass, genutzt wird, bejahten 66 Prozent. Der Ansicht der ELGA­Anwendungen in der Ordinationssoftware stehen die Befragten positiv (56 Prozent „Sehr zufrieden“ und „Zufrieden“) bis neutral (26 Prozent) gegenüber. Zu beachten ist dabei, dass die Umfrage noch vor der verpflichtenden Anbindung der Wahlärzte mit mehr als 300 unterschiedlichen Patientinnen und Patienten an das e­Card­System und der verpflichtenden Nutzung von ELGA­Anwendungen durchgeführt wurde.

Kritische Stimmen ernst nehmen

Das alles seien „erfreuliche Ergebnisse“, resümiert Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte: „Der zahlreichen Teilnahme der Ärzteschaft an der Umfrage verdanken wir, dass wir Einblick bekommen und dieses Feedback für unsere Arbeit mitnehmen können“, sagt er. Zwar überwiegen die positiven Rückmeldungen, aber auch jene Stimmen, die Kritik geäußert haben, müssten erhört werden: „Wir stehen hier mit der Vertretung der Arztsoftwarehersteller in Kontakt, um weitere Verbesserungen, etwa bei der Benutzerfreundlichkeit, zu erzielen“, ergänzt er. Man sei durch die beschlossene Zukunftsvereinbarung in engem Kontakt mit der Sozialversicherung, aber: „Ausgeklügelte Ideen für papierlose Verwaltung bringen nichts, wenn sie nicht in der Ordinationssoftware abgebildet werden, um einen tatsächlichen Mehrwert in der Patientenbetreuung zu bieten.“

                                                              Funktionen in der Ordination

                                          Welche zusätzliche Funktionen verwenden Sie in der Ordination?

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 4 / 25.2.2026