Eine Veranstaltung zur weiblichen Genitalverstümmelung greift den aktuellen Status und die Entwicklung in Europa, besonders der DACH-Region, auf. Verschiedene Akteure geben Einblicke in nationale Maßnahmen und Erfahrungen.
Aufgrund der Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre und kulturellen Einflüsse sind Ärztinnen und Ärzte mit einer schweren Körperverletzung wie der weiblichen Genitalverstümmelung konfrontiert: Laut Schätzungen gibt es in Österreich in etwa 11.000 betroffene Frauen. Die Dunkelziffer liegt aber vermutlich deutlich höher. FGM/C steht für Female Genital Mutilation/Cutting, also laut WHO „die teilweise oder totale Entfernung oder sonstige Verletzung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane aus nicht medizinischen Gründen.“ Bei der weiblichen Beschneidung (FGM/C) werden die äußeren Geschlechtsorgane eines Mädchens, Vorhaut, die Klitorisspitze sowie die inneren und äußeren Vulvalippen, zum Teil oder ganz weggeschnitten. Durchgeführt wird der Eingriff meist bei Mädchen zwischen vier und acht Jahren, jedoch zunehmend auch bei Säuglingen, die erst einige Wochen oder Monate alt sind. Weltweit sind laut WHO 200 Millionen Frauen betroffen und drei Millionen Mädchen gefährdet.
Zu den lebenslangen Gesundheitsfolgen für die Mädchen zählen:
- Chronische Entzündungen und Schmerzen im Unterleib
- Schmerzen beim Wasserlassen und Harnwegsinfektionen
- Schmerzen bei der Menstruation
- Schmerzen bei Intimität
- Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt
- Depressionen, Panikattacken und Traumatisierung
Obwohl in Österreich FGM/C als schwere Körperverletzung mit bis zu zehn Jahren Haft strafbar ist, sind laut Schätzungen circa 100 Mädchen jährlich betroffen. Die Veranstaltung „Ending FGM/C – What Works?“, unter anderem mit Vertretern der WHO, widmet sich der aktuellen Situation. „Die weibliche Genitalverstümmelung ist ein sehr ernstes Thema, das betroffen macht und uns Ärztinnen und Ärzte auf vielen verschiedenen Ebenen beschäftigt“, sagt Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, der die Veranstaltung unterstützt. Die Tagung habe sich zum Ziel gesetzt, Ärztinnen und Ärzte, unter aus den Bereichen der Kinder- und Jugendheilkunde sowie der Frauenheilkunde und Geburtshilfe, für das Thema zu sensibilisieren und mögliche systemspezifische Präventionsmaßnahmen zu diskutieren.
Die Kenntnis um die medizinischen Langzeitfolgen derartiger Eingriffe sei eminent wichtig, um Patientinnen bestmöglich zu behandeln: „Bei diesem hoch sensiblen Thema spielt das Vertrauensverhältnis zu den Patientinnen, aber auch die Zeit für ein persönliches und ausführliches Gespräch eine große Rolle“, sagt er und betont: „Wir Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, Anzeige zu erstatten, wenn wir im Rahmen unserer beruflichen Tätigkeit von der schweren Körperverletzung erfahren.“
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 9 / 10.5.2026