In der Gesundheitspolitik wird viel über Kosten gesprochen. Wir als Ärztevertreter betonen fast mantraartig, dass die Vorsorgemedizin gestärkt werden muss – dazu brauchen wir aber natürlich auch Investitionen, die sich aber langfristig rechnen. Warum? Weil wir damit die gesunden Lebensjahre, bei denen es in Österreich Luft nach oben gibt, erhöhen können. Weil wir damit langfristig Kosten für medizinische Behandlungen, die man vermeiden könnte, reduzieren. Weil wir damit die Wirtschaft durch weniger krankheitsbedingte Ausfälle stärken. Die SVS geht konsequent diesen Weg: Im aktuellen Honorarabschluss mit der Bundeskurie stärkt sie die Vorsorge auch weiterhin, unter anderem mit der Überarbeitung und Neubewertung des Gesundheits-Checks Junior.
Die Kostenfrage stand auch im Mittelpunkt eines dreiteiligen Symposiums des Gemeindebundes. Hier standen diese in Verbindung mit der Pflege im Vordergrund. Wie lässt sich Pflege effizienter und leistbarer gestalten? Die Diskussion darüber ist zweifellos richtig und wichtig – aber der Kern der Problematik ist eigentlich: Wie verhindere ich als Staat mit einem Sozialsystem, um das uns viele beneiden, dass die Bevölkerung pflegebedürftig ist? Indem wir die Kassenmedizin stärken, indem wir in Primärversorgung investieren – womit übrigens nicht automatisch Primärversorgungseinheiten gemeint sind: Auch in Einzelordinationen sollte die Anstellung von diplomiertem Personal gefördert werden. Zudem muss die Allgemeinmedizin als Anlaufstelle für jeden Patienten in ihrer Lotsenfunktion gestärkt werden. Die Vorsorgeuntersuchungen müssen für alle Versicherten ausgebaut werden. Wenn wir unsere Patientinnen und Patienten frühzeitig und intensiv betreuen, um chronische Erkrankungen vorzubeugen, dann können wir auch die Zahl der Pflegefälle reduzieren oder zumindest den Zeitpunkt nach hinten verlagern, ab dem eine Pflege notwendig wird. Die Diskussion um die Kosten in der Pflege ist wichtig – aber sie sollte das letzte Mittel sein.
Dr. Edgar Wutscher
3.Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.3.2026