Standpunkt Präsident Johannes Steinhart: Worauf man sich verlassen kann

25.03.2026 | Aktuelles aus der ÖÄK

In der öffentlichen Gesundheitsversorgung wurde in den ergangenen Jahrzehnten viel gespart. Gleichzeitig ist die Bürokratie mehr statt weniger geworden und die Patientinnen und Patienten werden nicht am besten Ort in der Versorgungskette versorgt. Die aktuelle Normalität ist also: schwer besetzbare Kassenstellen, volle Ambulanzen und eine Gesundheitskasse, die ihrem Versorgungsauftrag nicht mehr nachkommen kann. Dass sich viele Ärztinnen und Ärzte in diesem System nicht mehr wohlfühlen, überrascht nicht. Und es überrascht auch nicht, dass der Wahlarztbereich viel Zulauf erhalten hat. Wer keine attraktiven Arbeitsbedingungen anbietet, der wird auch weniger Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitssystem halten können, als es eigentlich braucht.

Leider nicht mehr überraschend, aber zunehmend ärgerlich, ist die Reaktion der Politik. Wieder auf die Wahlärzte loszugehen, anstatt das kassenärztliche System zu verbessern, ist der falsche Ansatz. Die Idee einer staatlichen Preisdeckelung bei Honoraren für Wahlärzte ist nichts weiter als populistische Symbolpolitik. Einem freien Beruf vorzuschreiben, was eine Dienstleistung kosten darf, wäre ein massiver Eingriff. Solche Eingriffe und Zwangsmaßnahmen lösen kein einziges strukturelles Problem – sie verschärfen es.

Ohne Notwendigkeit hat sich die Regierung zudem dazu entschieden, das Impfen in Apotheken ab 2027 zu ermöglichen. Diese Maßnahme hat die Ärztevertretung stets mit Hinweis auf die Patientensicherheit abgelehnt. Österreich ist mit seinem dichten Netz an niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten nicht auf zusätzliche, nicht-ärztliche Impfstellen angewiesen. Auch mit den bestehenden Strukturen könnten die Impfraten gesteigert werden, wenn die öffentliche Hand ausreichend Impfstoffe und Maßnahmen zur Awareness-Steigerung finanzieren würde. Impfen bei der Ärztin, beim Arzt, ist immer der Goldstandard und bedeutet höchste Sicherheit ohne Zusatzverkäufe. Darauf kann man sich verlassen.

Dr. Johannes Steinhart
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 6 / 25.3.2026