Psy-Diplome: Lücke in der Versorgung

10.03.2026 | Aktuelles aus der ÖÄK

Autor: sb

Biologische und psychosoziale Faktoren gehören gemeinsam betrachtet. Daher sollen Ärztinnen und Ärzte mit entsprechenden Diplomen in die Kassenversorgung integriert werden, fordern die Österreichische Ärztekammer und Österreichische Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin.

Es ist ein großer Fortschritt, vor allem angesichts der steigenden psychischen Belastungen, auch durch die aktuellen multiplen Krisen: Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) ermöglicht ab 2026 erstmals die klinisch-psychologische Krankenbehandlung als Kassenleistung. Für Klinische Psychologinnen und Klinische Psychologen gibt es durch das neue Behandlungsangebot bundesweit tragfähige Finanzierungsregelungen – ebenso wie für Psychiaterinnen und Psychiater sowie für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, verweist allerdings auf eine wesentliche Versorgungslücke: „Rund 1.500 Ärztinnen und Ärzte aus Fachrichtungen außerhalb der Psychiatrie, die über anerkannte Psy-Diplome (Psy 1–3) verfügen, sind in die Finanzierung psychosozialer, psychosomatischer und psychotherapeutischer Leistungen nicht adäquat eingebunden.“ Die Abgeltung dieser Leistungen sei unzureichend oder – je nach Bundesland – gar nicht vorgesehen. „Die Psy-Diplome blicken auf eine über 35-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Mit ihrer flexiblen Gestaltung können damit Ärztinnen und Ärzte aus allen Fachbereichen das vermittelte Wissen genau an ihre persönlichen Anforderungen und Bedürfnisse anpassen. Es wäre widersinnig, diesen immensen Wissensschatz nicht der Bevölkerung umfassend zugänglich zu machen“, unterstreicht Steinhart.

Nachbesserungen nötig

Diese Ärztinnen und Ärzte erfüllen jedoch eine zentrale Schnittstellenfunktion zwischen somatischer Medizin, psychosozialer Versorgung und psychotherapeutischer Medizin, ergänzt Matthias Vavrovsky, Leiter des ÖÄK-Referates für Psychosoziale, Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin: „Sie sind für die biopsychosoziale Diagnostik und Behandlung besonders qualifiziert – ein Angebot, das von Patientinnen und Patienten ausdrücklich nachgefragt wird und für eine qualitativ hochwertige Versorgung unverzichtbar ist.“ Luise Zieser-Stelzhammer, Referentin im ÖÄK-Referat, betont: „Dass eine solche Nachbesserung dringend nötig ist, zeigt auch folgendes Faktum: Die gemeinsame Beachtung biologischer und psychosozialer Faktoren führt bei rund einem Drittel der Patientinnen und Patienten zu besseren medizinischen Ergebnissen.“

Auch der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM), Christian Fazekas, hält fest: „Ohne eine bundesweit einheitliche, faire und strukturierte Einbindung dieser ärztlichen Leistungen in die Regelversorgung bleibt die psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Versorgung in Österreich strukturell unvollständig.“

ÖÄK und ÖGPPM forderten daher die politischen Entscheidungsträger zur entsprechenden Nachbesserung auf, um den Patientinnen und Patienten eine umfassende und lückenlose Versorgung zu ermöglichen. (sb)

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.3.2026