Kommunalpolitik: Besorgt um Versorgung

11.05.2026 | Aktuelles aus der ÖÄK

Autor: Sascha Bunda

Im Rahmen des Kommunalwirtschaftsforums befassten sich Entscheidungsträger österreichischer Gemeinden intensiv mit den heißen Themen der Kommunalpolitik – neben den Finanzen und KI auch mit der ärztlichen Versorgung. Dazu bot die Österreichische Ärztekammer ein Informations­ und Dialogpaket an, das auf großes Interesse stieß.

Auf Österreichs Gemeinden kommen in der aktuellen Budgetdebatte große Aufgaben zu, das war auch beim diesjährigen Kommunalwirtschaftsforum in Krems deutlich spürbar. Über 200 kommunale Entscheidungsträger kamen für zwei Kongresstage zusammen, um gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren und Lösungsmodelle auszuloten. Ganz besonders im Fokus standen die Themenfelder „Digitalisierung & Künstliche Intelligenz“ sowie „Finanzen & Ressourcennutzung“. Die disruptive Kraft der KI war Hauptthema gleich mehrerer Keynotes, ebenso die angespannte Lage der Gemeindefinanzen mit dem heißen Aspekt der Gemeindefusionen. Gemeindebundpräsident Johannes Pressl betonte zur Eröffnung die Autonomie der Einzelgemeinden, allerdings brauche es auch Zusammenarbeit in Form von geordneten Kooperationen statt eines unübersichtlichen Nebeneinanders.

Gemeinden und Versorgung

Herzstück des ersten Tages war der Workshop „Wohnortnahe Gesundheitsversorgung – Wie kann die Gemeinde die Versorgung zukunftsfit gestalten?“ unter der Leitung von Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, und Dagmar Fedra­Machacek, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte in der niederösterreichischen Ärztekammer. Der vollbesetzte Saal unterstrich ein weiteres Mal, wie sehr den Entscheidungsträgern in den österreichischen Gemeinden das Thema am Herzen liegt. In ihrem informativen, einbindenden und kurzweiligen Vortragsteil gingen die beiden Ärztekammer-­Vertreter zuerst auf die statistischen Gegebenheiten und danach auf die Bedürfnisse junger Ärztinnen und Ärzte ein. Der demographische Wandel sorge für einen hohen Weiterentwicklungsdrang im Gesundheitssystem. „Die Bevölkerung wird älter, chronische Krankheiten nehmen zu, der Bedarf nach langfristiger Betreuung und Pflege steigt“, sagte Fedra-Machacek und sprach auch den Wandel in der Ärzteschaft an: „Wir beide stehen hier auch symbolisch für einen Generationenwechsel in der Allgemeinmedizin“, schließlich seien mit bereits rund 60 Prozent die Ärztinnen in der Allgemeinmedizin in der Mehrheit. Daraus folge ein noch größerer Druck auf das Kassensystem. „Das muss sich endlich den Bedürfnissen der Ärztinnen und Ärzte anpassen“, forderte Fedra­-Machacek. „Jungmediziner erwarten geregelte, aber auch flexible Arbeitszeiten“, führte Wutscher aus. Einen hohen Stellenwert habe auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Das bedeutet: Möglichkeit einer Teilzeit­-Praxis, Vertretungsmöglichkeiten, Arbeit im Team“, so Wutscher. Eine Strukturanalyse des Instituts für Allgemeinmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck habe zudem ergeben, dass es Unsicherheit bezüglich der finanziellen Belastung im Rahmen der Ordinationsgründung gebe, zudem sei die Suche nach Räumlichkeiten oft schwierig.

Unterstützung und Werktschätzung

Hier kämen die Gemeinden und deren Zusammenarbeit mit den Ärztekammern ins Spiel, fassten Wutscher und Fedra­-Machacek zusammen. Gemeinden könnten bei Suche bzw. Aufbau der Räumlichkeiten ebenso unterstützen wie bei der allgemeinen Integration in die Gemeinde, aber auch als Mediatoren für die Organisation von Bereitschaftsdiensten. Zentral sei aber generell auch die Wertschätzung von ärztlicher Tätigkeit und den Ärztinnen und Ärzten selbst. „Auf Gemeindeebene funktioniert die zumeist ohnehin noch recht gut, aber wenn es dann auf die Stufe von Ländern oder gar Bund geht, schwindet die Wertschätzung für die Leistung von Ärztinnen und Ärzten leider sehr stark“, konstatierte Wutscher. Für Gemeinden sei es wichtig, Verständnis für persönliche Bedürfnisse und veränderte Lebenseinstellungen zu zeigen. Die 24­-Stunden-­Erreichbarkeit, die früher an der Tagesordnung stand, sei überholt. Neben der Unterstützung bei der Praxisgründung durch Förderungen oder in der Organisation könnten Gemeinden auch die Kooperationen zwischen Praxen fördern oder Primärversorgungsnetzwerke unterstützen. Gerade diese Form sei für den ländlichen Raum deutlich besser geeignet, weil der wohnortnahe Zugang zur ärztlichen Versorgung gewahrt bleibe, erinnerte Fedra­Machacek. Primärversorgungszentren seien zwar für Ballungsräume sicher gut geeignet, aber keinesfalls das Allheilmittel für alle Probleme in der Versorgung. „Es bringt gar nichts, zum Beispiel am Talbeginn ein PVZ hinzustellen und dem restlichen Tal einen zig Kilometer langen Weg zur Ordination aufzuzwingen“, unterstrich Wutscher. Das Ziel der Kooperation zwischen Gemeinden und Ärzteschaft sollte letztendlich eine gemeinsame Organisation der Gesundheitsversorgung sein, besonders bei den digitalen Möglichkeiten sah Wutscher noch viel Potenzial. Hier könnte man, bei Beibehaltung der bestehenden Strukturen und ohne Ersatzanspruch für ärztliche Arbeit, noch vieles bewegen, etwa durch bessere Vernetzung und den Ausbau von Telemonitoring und Telekonsil.

Sehr angeregt und mit reichlich wertvollem Input für beide Seiten verlief die anschließende Diskussion, die noch lange nach dem Workshop am Stand der Österreichischen Ärztekammer mit tatkräftiger Unterstützung von Silvester Hutgrabner, Leiter des ÖÄK-­Referates für Hausapotheken, weitergeführt wurde, um ganz individuell auf die Problemstellungen in den einzelnen Gemeinden eingehen zu können. Damit wurde die Zielsetzung der Teilnahme am Kommunalwirtschaftsforum erreicht – in den Dialog mit den kommunalen Entscheidungsträgern zu treten, von dem am Ende beide Seiten profitieren.

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 9 / 10.5.2026