Enquete: Spitäler in der Tourismus-Falle?

25.03.2026 | Aktuelles aus der ÖÄK

Autor: Thorsten Medwedeff

Vor allem im Winter, aber auch zunehmend im Sommer, ist der Alpintourismus maßgeblich an der saisonalen Belastung der Spitalsambulanzen beteiligt – vor allem im Westen Österreichs. Welche Konsequenzen das für Ärztinnen und Ärzte, sowie für Patientinnen und Patienten hat, möchte die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) bei einer Enquete beleuchten.

Thorsten Medwedeff

Jährlich werden mehr als 8.000 Alpinunfälle von der Alpinpolizei (ein Teil der Bundespolizei) in Österreich aufgenommen und anonymisiert erfasst. Die dabei erhobenen Daten umfassen klassische Bergsportdisziplinen wie Ski- und Snowboardfahren, Langlaufen und Rodeln, (Eis-)Klettern, Bergsteigen oder Mountainbiking, aber auch Liftunfälle oder Unfälle im gesicherten wie ungesicherten Gelände beim Skifahren – also auf und neben der Piste. Die meisten der Unfälle werden jedoch gar nicht der Alpinpolizei gemeldet und führen allein beim Skisport zu insgesamt rund 25.000 Krankenhausbehandlungen pro Saison. Statistisch gesehen hat jeder tausendste Sportler auf den heimischen Skipisten einen Unfall. Diese markante Belastung für Spitäler trifft insbesondere die Abteilungen für Orthopädie und Traumatologie, Neurochirurgie sowie Anästhesisten und Notärzte. Das erfordert eine 24/7-Notfallversorgung, die das gesamte medizinische Personal an seine Grenzen bringt.

Die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer möchte mit Expertinnen und Experten aus der Ärzteschaft und von Rettungsorganisationen sowie mit Betroffenen und interessiertem Publikum (die Teilnahme ist kostenlos) deshalb die Auswirkungen des Tourismus auf die regionalen Spitäler bei dieser Enquete (Mittwoch, 20. Mai 2026, 17:30 Uhr, Ärztekammer für Tirol) diskutieren: Welche Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung haben diese saisonalen Spitzen? Wie können Sonderschichten verhindert und Ressourcen besser genutzt werden? Verursacht das längere Wartezeiten für andere Patienten? Ist diese Belastung gerecht verteilt? Was können Sportler präventiv dazu beitragen – und was bedeutet das alles für die Zukunft der regionalen Krankenhäuser?

Unrühmliche Rekorde

Die Diskussionsveranstaltung hat auch einen unrühmlichen Hintergrund: Der Österreichische Bergrettungsdienst hatte im Jahr 2025 insgesamt 10.912 Einsätze und damit so viele wie nie zuvor. Das ist ein weiterer deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. 2024 waren es 10.097 Einsätze gewesen, 2023 waren es 9.658. Über 11.000 Menschen benötigten 2025 einen Bergrettungseinsatz – und sehr viele davon endeten in einem Krankenhaus.

Sonne treibt Zahlen in die Höhe

Auch die Bergrettung Tirol verzeichnete leider einen neuen Rekord: Erstmals mussten die Retter mehr als 4.000-mal zu einem Einsatz ausrücken. 4.019 Einsätze verzeichnete sie im vergangenen Jahr, um rund 500 mehr als noch 2024.  Wie bereits in den Jahren davor gab es auch 2025 bei Schönwetter besonders viele Einsätze, 31 Prozent davon auf Skipisten. Im freien Gelände waren zwölf Prozent der Einsätze nötig, gefolgt von Einsätzen auf Wanderwegen (11 Prozent). Die Belastung der Spitalsambulanzen ist also kein „Winter-Phänomen“, das im weiteren Jahresverlauf verschwindet. Die massiven Belastungen der regionalen Spitäler ziehen sich bei wachsendem Alpintourismus über das gesamte Jahr.


Enquete am 20. Mai in Innsbruck
BKAÄ-Enquete: Auswirkungen des Tourismus auf die Spitäler

Zwischen Gästerekorden und Versorgungsnotstand – warum Ski- und Bergtourismus den Druck auf die regionalen Krankenhäuser erhöhen und welche Konsequenzen das zur Folge hat.
Mittwoch, 20. Mai 2026 (17:30 Uhr), Ärztekammer für Tirol, Anichstraße 7, 6020 Innsbruck
Die Enquete wird am 20. Mai ab 17:30 Uhr auch online live übertragen: https://youtube.com/live/x0CFrul5ywo
Im Rahmen der Podiumsdiskussion kann auch das Publikum aktiv mitdiskutieren. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen zur Enquete bitte unter pressestelle@aerztekammer.at.
Von 17:00 bis 20:00 Uhr wird auch eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten. Bei Bedarf bitte um Anmeldung bis 10. Mai 2026 unter bkaae@aerztekammer.at.


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 6 / 25.3.2026