Ausbildungsevaluierung 2026: Jede Stimme hat Gewicht

10.03.2026 | Aktuelles aus der ÖÄK

Autor: Thorsten Medwedeff

Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung können wieder zur jährlichen Qualitätskontrolle der ärztlichen Ausbildung in Österreich beitragen. Jede ausgefüllte Evaluierung stärkt nicht nur die persönliche Position in der Ausbildung, sondern auch die der kommenden Generationen. Zugleich wird ein deutliches Zeichen geschickt: Wir nehmen unsere Ausbildung ernst!

Thorsten Medwedeff

Lange Dienste. Lernen unter Zeitdruck, Verantwortung für Patientinnen und Patienten vom ersten Tag an. Und gleichzeitig der Anspruch, eine gute Ärztin, ein guter Arzt zu werden. Das ist die Realität der ärztlichen Ausbildung in Österreichs Spitälern. Einmal im Jahr wird die Qualität flächendeckend überprüft. Diese Evaluierung wurde vor vier Jahren neu aufgestellt und in eine Erfolgsgeschichte verwandelt: 2023 ging die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) für die Ausbildungsevaluierung eine Kooperation mit der ETH Zürich und danach mit deren Spin-Off HF Partners ein, die seither für die wissenschaftliche Auswertung zuständig sind – anonym, gesichert und methodisch fundiert. Zugleich wurde, begleitet von kritischen Tönen, auf einen analogen Fragebogen umgestellt. Der Mut zu Neuem hat sich bezahlt gemacht: Schon 2023 erreichte der Fragebogen-Rücklauf mit 44,3 Prozent mehr als dreimal so viel wie bei davor abgehaltenen Online-Befragungen. 59 Prozent Rücklauf waren es im Vorjahr – mit bundesländerspezifischen Spitzenwerten bis zu über 80 Prozent. „Die Ausbildungsevaluierung ist eine Erfolgsgeschichte, die immer wichtiger geworden ist. Sie zeigt auch, dass die ärztliche Ausbildung immer besser bewertet wird und dass die Evaluierung in dieser Form als Tool für die Qualitätskontrolle Wirkung zeigt. Und sie wird auch immer besser angenommen – teilweise werden wir schon vor Weihnachten gefragt, ob die Evaluierung heuer eh wieder durchgeführt wird“, bilanziert Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte.

Hohe Beteiligung, große Sensibilität

22 Prozent aller Abteilungen wurden 2025 mit „sehr gut“ bewertet – das soll 2026 übertroffen werden. Dafür ist eine noch höhere Rücklaufquote notwendig. Mayer betont: „Jede Stimme zählt!“ Eine hohe Beteiligung verleihe den Ergebnissen nicht nur intern bei der Verbesserung von Abläufen, bei den Ausbildungsplänen oder bei der Transparenz von Ausbildungszielen und deren Supervision mehr Gewicht, sondern sorge auch extern für große Sensibilisierung beim Thema Ausbildung: „Jede Antwort hilft uns, mit mehr Nachdruck in die Gespräche mit den Spitalsträgern oder Vertretern des Bundesministeriums gehen zu können“, sagt er. Und: „Ehrliches Feedback ist uns sehr wichtig“. Niemand brauche Angst vor negativen Konsequenzen zu haben: „Die Antworten und Fragebögen bleiben unter Verschluss und werden absolut anonym ausgewertet“, führt Mayer aus. Die Konsequenzen der Ausbildungsevaluierung sind ausschließlich positiv, wie der BKAÄ-Obmann unterstreicht: „Auf Basis der Resultate in den einzelnen Abteilungen gibt es vielerorts Gespräche der Ausbildungsverantwortlichen mit den Turnusärzten. Dort, wo das konsequent gehandhabt wird, sieht man auch sofort deutliche Verbesserungen, das zeigt sich zum Beispiel ganz deutlich in Vorarlberg. Das sind Best-Practice-Beispiele. Ich lade alle ein, diesen zu folgen und das nachzumachen.“

Mitmachen und mitgestalten

„Wenn wir wollen, dass junge Kolleginnen und Kollegen unter guten Bedingungen lernen, Verantwortung übernehmen und langfristig im System bleiben, dann müssen wir ihnen zuhören – und zwar systematisch. Die Ausbildungsevaluierung ist das optimale Zuhörinstrument“, betont auch die Turnusärztevertreterin in der Bundeskurie, Kim Haas. Die Rückmeldungen der vergangenen Jahre waren eindeutig, so Haas: „Zuwenig Zeit für Ausbildung, zu wenig Zeit zum Lehren und Lernen, zu hohe Arbeitsbelastung. Diese Probleme werden nur dann verbessert, wenn sie dokumentiert, ausgewertet und mit Zahlen belegt sind. Genau das leistet die Ausbildungsevaluierung. Das Argument, ‚es ändert sich nichts – egal ob ich mitmache oder nicht‘, zählt hier nicht. Je größer die Beteiligung, desto höher die Wirkung.“

Die Ausbildungsevaluierung ist keine formale Befragung. Sie ist das wichtigste Instrument, um sichtbar zu machen, was im Alltag funktioniert – und was nicht. Sie liefert belastbare Daten. Und sie hat in den vergangenen drei Jahren nachweislich konkrete Verbesserungen bewirkt. „Daher appellieren wir auch in diesem Jahr an jede einzelne Ärztin und jeden einzelnen Arzt in Ausbildung: Machen Sie mit – für Ihre Ausbildung, für Ihre Kolleginnen und Kollegen und für die Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich. Gleichzeitig ersuchen wir die Primarärzte und Ärztlichen Direktoren, die Umfrage organisatorisch zu unterstützen, um ein ehrliches Feedback zu erhalten“, so Mayer und Haas unisono. „Die Teilnahme an der Ausbildungsevaluierung ist daher mehr als ein Fragebogen. Sie ist ein Akt der Mitgestaltung und einer wichtigen Ausbildungskultur.“


Gute Ausbildung entscheidet darüber,

  • ob junge Kolleginnen und Kollegen im System – und in Österreich – bleiben,
  • ob sie motiviert Verantwortung übernehmen,
  • und ob die medizinische Versorgung in Österreich auch in Zukunft auf höchstem Niveau gesichert ist.

Zehn Minuten Aufwand, große Wirkung

Um einen adäquaten Vergleich mit den anderen Jahren zu gewährleisten, werden in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und HF Partners, die für die technische Abwicklung und die Auswertung zuständig sind, Print-Fragebögen mit dem Schwerpunkt auf die acht auch in den drei vorangegangenen Jahren abgefragten Themenfelder verschickt. Dies sind: „Globalbeurteilung“, „Fachkompetenzen“, „Lernkultur“, „Führungskultur“, „Fehlerkultur“, „Entscheidungskultur“, „Betriebskultur“ und „evidenzbasierte Medizin“. Die Fragebögen werden von den Ausbildungsverantwortlichen bzw. ärztlichen Direktionen an alle Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung verteilt. Das Ausfüllen der Fragebögen nimmt zirka zehn bis 15 Minuten in Anspruch. Die Auswertung ist anonym. Eine Rückverfolgung der Daten ist nicht möglich und eine Teilnahme daher sicher. Die konkreten Ergebnisse werden, gegliedert nach Ausbildungsstätte, Fach und Bundesland, auf der Website der ÖÄK transparent veröffentlicht. Dort sind auch alle Ergebnisse der Jahre 2023 bis 2025 abrufbar. Die ÖÄK hat sich für 2026 vorgenommen, den jeweiligen Rücklauf zukünftig noch deutlicher darzustellen.

Die bisherigen Ergebnisse der Jahre 2023 bis 2025 finden Sie hier: www.aerztekammer.at/ausbildungsevaluierung

Timeline: Von 2. März bis 17. April 2026
Seit 2. März 2026 werden die Fragebögen versendet und anschließend verteilt. Am 17. April endet die Frist für das Retournieren der Bögen in einem vorfrankierten, anonymisierten Rücksendekuvert. Zusätzlich zu den acht Basisfragen werden jährlich zwei Modulfragen zu aktuellen Themenbereichen gestellt. 2026 sind dies „Onboarding“ und „Wahl des Arbeitsplatzes“. Die Ergebnisse werden im September 2026 bei einer Pressekonferenz präsentiert. Am selben Tag sind die Resultate bis auf Spitals- und Abteilungsebene auch auf der Website der ÖÄK transparent abrufbar.

Achtung: Die Einreichfrist für das Retournieren der Fragebögen wurde bis 15. Mai 2026 verlängert.


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 / 10.3.2026