Die jährliche Ausbildungsevaluierung, die am 2. März wieder startet, hat sich als optimales Tool zur Qualitätskontrolle etabliert. Im Vorfeld erläutert Kim Haas, ObmannStellvertreterin der Bundeskurie angestellte Ärzte und ÖÄKTurnusärztevertreterin, die wichtigsten Faktoren für eine gute Ausbildung.
Thorsten Medwedeff
- Basisausbildung soll bleiben
Kim Haas: Wie wir bei der jüngsten Ausbildungsevaluierung gesehen haben, wird die Basisausbildung sehr wohl – und mit für mich überraschend starker Mehrheit – positiv von den Kolleginnen und Kollegen angenommen. Bis zu 80 Prozent schätzen sie und wollen sie, teils auf freiwilliger Basis, behalten (siehe Grafik). Die Basisausbildung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Facharzt und wird viel positiver wahrgenommen als erwartet. Der große Überblick über die ärztlichen Aufgaben und Tätigkeiten, den man hier vermittelt bekommt, sowie auch der Respekt für andere Abteilungen, mit denen man später eng zusammenarbeiten wird, sind von großem Wert.
- Inhalte im Klinisch-Praktischen Jahr und in der Basisausbildung abstimmen
Die im KPJ und in der Basisausbildung vermittelten Inhalte müssen besser aufeinander abgestimmt werden. 48 Prozent der Befragten haben angegeben, dass eher gleiche Inhalte vermittelt werden. Dabei ist die Basisausbildung mit dem KPJ überhaupt nicht vergleichbar – das eine ist präpromotionell und Teil des Studiums, das andere der erste Schritt im realen Arbeitsalltag als Ärztin oder Arzt. Gemeinsam mit den Universitäten arbeitet die Ärztekammer daran, die Schwerpunkte in der Basisausbildung als auch im KlinischPraktischen Jahr zu koordinieren und abzustimmen und eine didaktische Verbesserung zu erzielen.
- Ausbildung ernstnehmen
Ausbildung? Keine Zeit! Genau das muss im Arbeitsalltag eines Spitalsarztes verhindert werden. Ausbildung lässt sich nur schwer bewerkstelligen, wenn es im Krankenhaus stressig wird und die ‚eigentlichen‘ ärztlichen Aufgaben anstehen, heißt es. Genau das ist nicht akzeptabel. Ich setze mich dafür ein, dass Ausbildung genauso ernstgenommen wird, wie eine wichtige OP. Erklären braucht Zeit. Wie sollen wir in Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patientinnen und Patienten garantieren, wenn gar keine Ausbildung stattfindet oder die jungen Kolleginnen und Kollegen nur als Systemerhalter in den Abteilungen eingesetzt werden? Die Bundeskurie angestellte Ärzte fordert daher seit Jahren an jeder Abteilung, an der ausgebildet wird, mindestens einen eigenen Ausbildungsoberarzt. Flächendeckend ist das in Österreich leider noch immer nicht umgesetzt.
- Ausbildung als Faktor für die Wahl des Arbeitsplatzes
Ausbildung darf nicht als ‚Hobby‘ unserer Ärztinnen und Ärzte betrachtet werden. Wir wissen, dass die Ausbildung für die jungen Ärztinnen und Ärzte extrem wichtig ist und dass diese jederzeit bereit sind, in ein anderes Land zu gehen, wenn dort die Ausbildung und die Karrierechancen besser sind. Einer der wichtigsten Faktoren für die Auswahl des künftigen Arbeitsplatzes ist eine gute Ausbildung. Diese Zeit muss genutzt werden, um ärztliche Kompetenz zu erwerben. Dazu muss sie ernst genommen werden. Das gilt für die Lehrenden ebenso wie für die Auszubildenden.
- Ausbildung als gegenseitiges „Werben“
Die Spitalsträger sollten insbesondere das KlinischPraktische Jahr für sich als Werbung nutzen. Und die Ärztinnen und Ärzte sollten diese Zeit nutzen, um für sich zu werben. Wer viel für die Abteilung leistet, sollte auch dementsprechend viel Ausbildung erhalten. Ansonsten wird auch die motivierteste Jungärztin oder der engagierteste Jungarzt resignieren. Wer motiviert ist, zeigt dagegen, dass er oder sie diesen Arbeitsplatz auch postpromotionell haben möchte. Das müssen die Träger erkennen und danach handeln – mit einem WinWinEffekt für beide Seiten. Mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz bringt bessere Leistungen, einen besseren Start ins Arbeitsleben und eine langfristige Perspektive für ein motiviertes Arbeiten in der Solidarversorgung. Wichtig ist ebenso, dass den Absolventen rasch Plätze angeboten werden, um die Ausbildung zu beginnen.
- Bürokratie muss abgebaut werden
Raum und Zeit für Ausbildung – das ist eine der obersten Prämissen. Einer der schlimmsten Zeitfresser bei der ärztlichen Arbeit, und damit auch in der Ausbildung, ist die überbordende Bürokratie. Bei der Spitalsärztebefragung im vergangenen Jahr gaben 35 Prozent an, dass durch Verwaltungsaufgaben und Patientendokumentation eine massive Belastung besteht. Und dazu zähle ich nicht das Verfassen von Arztbriefen, da dieser abschließende Teil einer Behandlung beherrscht werden muss. Dokumentationsassistenten könnten aber bei anderen bürokratischen Aufgaben sehr wohl unterstützend wirken, um mehr Zeit zu generieren.
- Bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen schaffen
Zusammenfassend möchte ich nochmals betonen: Jungärztinnen und Jungärzte sind keine billigen Arbeitskräfte. Sie können auch Fachärzte nicht ersetzen. Sie benötigen eine optimale Ausbildung, die ernstgenommen wird, um selbst in weiterer Folge die nächste Generation zu Fachärzten ausbilden und ihr Wissen weitergeben können – und das mit Freude tun. Es ist eine Art positiver Dominoeffekt, der nicht gestoppt werden darf. Wenn die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik das nicht verstehen können oder wollen, wird die Zufriedenheit mit der ärztlichen Ausbildung weiterhin zu niedrig bleiben. Um das zu unterstreichen, noch eine erschreckende Zahl aus der Spitalsärzteumfrage: 60 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeit im Krankenhaus in den vergangenen fünf Jahren unangenehmer geworden ist. Und nur 62 Prozent würden nochmals den Arztberuf wählen. Daher müssen wir rasch handeln und jene Arbeits und Ausbildungsbedingungen schaffen, die dazu führen, dass uns die Ärztinnen und Ärzte nicht davonlaufen.
Grafik – Modul: Klinisch Praktisches Jahr und Basisausbildung

Österreichische Ärztezeitung Nr. 4 / 25.2.2026