Österreichischer Impftag 2026 – Verdrängt, aber nun zurück

15.12.2025 | Aktuelles aus der ÖÄK

Autorin: Sophie Niedenzu

Infektionskrankheiten, die durch Impfprogramme bereits stark zurückgedrängt waren, kehren wieder zurück. Wie Aufklärung und Information gegen schlechte Durchimpfungsquoten helfen können, damit befasst sich der Österreichische Impftag am 17. Jänner 2026.

Sophie Niedenzu

Krankheiten, die durch hohe Durchimpfungsraten nahezu eliminiert worden seien, treten wieder vermehrt auf. Das berichtet Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien, die auch den medizinisch-wissenschaftlichen Vorsitz beim Impftag innehat: „Da die Impfakzeptanz in der Bevölkerung stark gesunken ist, müssen wir bei Aufklärung und Kommunikation bessere oder neue Wege gehen“, sagt sie. Reine Fakten würden nicht immer ausreichen: „Wir müssen stärker an der persönlichen Identifikation mit dem Thema Impfen ansetzen und das Vertrauensverhältnis zwischen Ärztinnen, Ärzten und Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellen“, betont Wiedermann-Schmidt. Impfungen würden nicht nur vor der spezifischen Erkrankung schützen, sondern auch einen Mehrwert gegenüber anderen Erkrankungen haben können. So kann etwa eine Influenza-Impfung oder eine RSV-Impfung das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. „Der Nutzen von Impfungen geht also weit über den unmittelbaren Schutz hinaus. Das ist den meisten nicht bewusst und wird in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich unterschätzt“, sagt Wiedermann-Schmidt.

Vielschichtige Impf-Möglichkeiten in Ordinationen

Die Folgen sinkender Impfbereitschaft sind bereits sichtbar. Masern breiten sich weltweit wieder aus, teils mit starken Fallzunahmen innerhalb weniger Jahre. Österreich liegt bei den Neuinfektionen im europäischen Spitzenfeld. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie das Pneumokokken-Kinderimpfprogramm, das gut angenommene Impfstrategien nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene indirekt schützen. Umgekehrt veranschaulicht der Anstieg der Keuchhustenfälle, wie wichtig regelmäßige Auffrischungsimpfungen in allen Altersgruppen sind. Auch bei Hepatitis A gibt es 2025 eine Verdreifachung der Erkrankungen und Ausbrüche aufgrund deutlicher Impflücken. Diese gilt es daher zu vermeiden, ergänzt Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. Es müssten unter anderem Vorsorgeuntersuchungen dazu dienen, den Impfpass zu checken, um die Auffrischungsimpfungen im Blick zu haben. Zudem verweist er darauf, dass alle Ärztinnen und Ärzte impfen können: „Begleitpersonen können sich beispielsweise, wenn sie bereits für eine Eltern-Kind-Pass-Untersuchung oder Impfung dort sind, gleich beim Kinderarzt mit impfen lassen“, betont er die vielschichtigen Impf-Möglichkeiten im niedergelassenen Bereich.

Kostenfreie HPV-Imfpung für Ältere läuft aus

Schmitzberger begrüßt zudem den Ausbau des öffentlichen Impfprogramms, das nun mit der kostenfreien Impfung gegen Herpes Zoster und Pneumokokken erweitert wurde. „Sinnvoll wäre es auch, die Impfung gegen Diphtherie-Tetanus-Pertussis, die im Erwachsenenalter alle fünf Jahre aufgefrischt werden muss, ins Öffentliche Impfprogramm aufzunehmen“, sagt er. Die Umsetzung des Öffentlichen Impf-programms gelinge aber nicht ganz reibungslos: „Der e-Shop für die Bestellungen ist sehr instabil, die Bestellung ist fast wie bei einer Lotterie“, sagt er. Man brauche Glück, um in den entsprechenden Bestellshop hineinzukommen, und wenn das dann geschafft sei, bestehe immer noch eine erhebliche Chance, dass kein Impfstoff vorhanden ist: „Die Technik- und Ressourcenprobleme sorgen für viel Frust in der Ärzteschaft“, resümiert Schmitzberger. Hier gebe es noch Verbesserungsbedarf. Eine kostenfreie Impfaktion laufe mit 30. Juni 2026 aus, nämlich die HPV-Impfung für die 22- bis 29-Jährigen: „Wer aber auch die zweite HPV-Impfung kostenfrei bekommen möchte, muss die erste HPV-Impfung bis spätestens 31. Dezember erhalten“, erinnert Schmitzberger.

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2025