Ausbildungsevaluierung 2025: Ausbildung wird immer besser

25.09.2025 | Aktuelles aus der ÖÄK

Autor: Thorsten Medwedeff

Seit drei Jahren führt die Bundeskurie angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer gemeinsam mit der ETH Zürich eine umfassende, große Ausbildungsevaluierung durch. Die Entwicklung in diesen drei Jahren ist erfreulich: Die Beurteilung der Ausbildungsqualität hat sich weiter verbessert, die Qualitätskontrolle der ÖÄK zeigt Wirkung.

Thorsten Medwedeff

„Die Betrachtung der vergangenen drei Jahre zeigt deutlich, dass die ärztliche Ausbildung immer besser wird und dass die Ausbildungsevaluierung in dieser Form als Tool für die Qualitätskontrolle Wirkung zeigt“, fasst Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte (BKAÄ) die überaus positiven Ergebnisse zusammen, die nun auf der Website der ÖÄK transparent abrufbar sind (https://www.aerztekammer.at/ausbildungsevaluierung): Die Rücklaufquote der anonym ausgewerteten Fragebögen konnte gegenüber dem Jahr 2024 von 53 Prozent auf 59 Prozent gesteigert werden, damit nahmen erstmals mehr als 5.800 Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung teil. Keines der Bundesländer liegt mehr unter 50 Prozent Rücklauf, herausragend war wieder die Teilnahme in Vorarlberg mit 81 Prozent (ein Plus von 5 Prozentpunkten gegenüber 2024), gefolgt von Tirol (67 %, +4) und Oberösterreich (63%, +3).

„Aber noch viel erfreulicher ist, dass die Befragten die Ausbildungsqualität noch besser beurteilen als im Vorjahr“, unterstreicht Mayer. Die Fragebögen umfassen acht Seiten und 52 Fragen, anhand derer die wichtigsten Faktoren der ärztlichen Ausbildung beurteilt werden können. „Im Gesamtschnitt quer durch alle abgefragten Kategorien konnten wir uns bei einer Skala von 1 bis 6, wobei 6 die beste Bewertung ist, von 4,63 nochmal auf 4,69 steigern“, beziffert Mayer die positive Tendenz. Die besten Bewertungen gab es in den Bereichen Entscheidungs­ und Betriebskultur (je 4,89) und bei der Fehlerkultur (4,87) sowie bei den Fachkompetenzen (4,77). „Wir konnten in allen Bereichen zulegen. Außerdem ist der Anteil jener Abteilungen, die mit einem Wert unter 4,0 bewertet wurden, also im Schulnotensystem mit einem 5er oder 4er (unter 3,5 ist ein Nicht genügend), wieder deutlich gesunken. Es sind jetzt nur noch zwölf Prozent – gegenüber 15 Prozent 2024 und 18 Prozent im Jahr 2023“, so Mayer. Der Schweiz und deren Ergebnissen – Österreichs Nachbarland macht mit der ETH Zürich gemeinsam schon einige Jahre eine ähnliche Evaluierung – ist man wieder ein Stück näher gerückt, in einigen Bereichen hat Österreich die Schweizer sogar erstmals überholt, etwa bei der Beurteilung der Kinder­ und Jugendheilkunde (Österreich: 4,79 / Schweiz: 4,71), der Anästhesiologie und Intensivmedizin (4,73 / 4,61) und bei der Allgemein­, Viszeral­ und Gefäßchirurgie (4,72 / 4,69).

Aufholbedarf bei evidenzbasierter Medizin

Aufholbedarf besteht demnach noch immer – wie auch 2023 und 2024 attestiert – bei der evidenzbasierten Medizin. „Wir sind uns dieses Problems sehr bewusst“, betont Kim Haas, BKAÄ­Obmann­Stellvertreterin und Turnusärztevertreterin der Bundeskurie. „Wir befinden uns deshalb auch in ständigem Austausch mit den Medizinischen Universitäten, um das in den Griff zu bekommen. Offensichtlich steht für dieses enorm wichtige Thema, nämlich medizinische Forschungsarbeit, noch immer zu wenig Ausbildungszeit zur Verfügung. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass das rasch geändert wird und dieser Ausbildungsbereich mehr in den Fokus gesetzt wird.“ In diesem Zusammenhang betont Haas, dass die Bundeskurie angestellte Ärzte für zwei Jahre kostenfrei online die „EBM Guidelines“ für „evidenzbasierte Medizin für Klinik und Praxis“ zur Verfügung stellt. „Dort können hunderte Artikel, laufend aktualisiert, mit fundierten Empfehlungen für Diagnostik, Therapie und Strategie im ärztlichen Alltag, abgerufen werden. Damit wollen wir die evidenzbasierte ärztliche Tätigkeit unterstützen.

Generell sei das Thema Wissenschaft und Ausbildung im Zusammenhang mit den heimischen Medizin­Unis ein Fokusthema der Bundeskurie, betont Haas: „Dass die Qualität der Ausbildung in Österreich als generell sehr gut gesehen wird, hat sich auch schon bei einer von uns veranstalteten Uni­Enquete mit dem Thema ‚Wie gut sind unsere Medizinischen Universitäten?‘ gezeigt. Der gemeinsame Tenor der Experten war, dass Ausbildung an den heimischen Unis so gut ist, dass man die Absolventen aus Österreich im benachbarten Ausland mit offenen Armen sofort aufnimmt. Das unterstreichen jetzt auch die aktuellen Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung. Womit wir uns aber immer und immer wieder beschäftigen müssen, ist, wie wir jene attraktiven Rahmenbedingungen schaffen, um die Absolventinnen und Absolventen auch bei uns im Land zu halten.“

Basisausbildung braucht Neuorientierung

Auch die noch immer schwache Beurteilung der Basisausbildung, die sich nur leicht verbessert hat (von 4,37 auf 4,43) rege zu weiterer intensiver Beschäftigung mit diesem Thema an, so Daniel von Langen, Vorsitzender des ÖÄK­Bildungsausschusses. Die Basisausbildung dauert derzeit neun Monate und wird in Österreich unmittelbar vor dem Start der eigentlichen Facharztausbildung durchlaufen. In Deutschland und in der Schweiz gibt es diesen Zwischenschritt für junge Ärztinnen und Ärzte nicht – ein klarer Wettbewerbsnachteil. „Wir haben uns im Sommer mit den Universitäten und deren Rektoren darauf geeinigt und das auch in einer Presseaussendung festgehalten, dass es im Hinblick auf das Klinisch­Praktische Jahr im letzten Studienjahr dringend eine Neuordnung der Basisausbildung geben muss. Es muss Klarheit darüber herrschen, wie es mit der Basisausbildung künftig weitergeht. Eine sinnvolle Weiterentwicklung wäre es, optional eine vertiefende Schwerpunktausbildung in fachlich nahen Bereichen der Sonderfachausbildung zu ermöglichen.“

Gut ist nicht gut genug

„Abgesehen von diesen wenigen Bereichen, in denen wir noch Aufholbedarf haben, befinden wir uns mit Hilfe der vor drei Jahren völlig neu aufgestellten Ausbildungsevaluierung auf einem guten Weg, was die Qualität der ärztlichen Ausbildung in Österreich betrifft. Dass wir bereits nach drei Jahren so deutliche Verbesserungen sehen, beweist, dass wir 2023 richtig daran getan haben, die Kooperation mit der ETH Zürich einzugehen und wieder auf eine analoge Befragung umzustellen“, befindet Bundeskurienobmann Harald Mayer. „Aber gut ist noch lange nicht gut genug. Wir wollen in allen Bereichen noch besser werden. Wir wollen sehr gut werden und werden uns sicher nicht auf diesen tollen Ergebnissen ausruhen. Dass 22 Prozent aller Abteilungen mit „Sehr Gut“ bewertet wurden, ist eine schöne Momentaufnahme, aber wir werden und müssen weiter daran arbeiten, dass wir noch besser werden und das derzeit hohe Niveau der Qualität der ärztlichen Ausbildung absichern.“

Alle Detailergebnisse bis auf Abteilungsebene sind transparent abrufbar unter https://www.aerztekammer.at/ausbildungsevaluierung.

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 18 / 25.09.2025