Stand­punkt Harald Schlö­gel: Gemein­sam wei­ter gehen

15.12.2022 | Aktuelles aus der ÖÄK

In weni­gen Tagen endet ein wei­te­res Jahr vol­ler gro­ßer Ver­än­de­run­gen. Eini­ges hat sich in die­sen zwölf Mona­ten zum Posi­ti­ven geän­dert, wie etwa unser Aus­blick auf den wei­te­ren Ver­lauf der Corona-Pan­de­mie: Dank Imp­fung und Medi­ka­men­ten sowie einer bereits bestehen­den Immu­ni­tät in der Bevöl­ke­rung soll­ten den aktu­el­len Pro­gno­sen zufolge keine Über­las­tungs­si­tua­tio­nen auf unsere Spi­tä­ler war­ten. Einige Ent­wick­lun­gen haben sich dage­gen 2022 dra­ma­tisch und auf erschüt­ternde Weise zuge­spitzt, wenn ich etwa an das Thema „Hass im Netz“ und die damit ver­bun­dene Gewalt gegen Ärz­tin­nen und Ärzte denke. In die­sem Zusam­men­hang möchte ich noch­mals die im Novem­ber abge­hal­tene ÖÄK-Enquete zu die­ser The­ma­tik erwäh­nen, aus der sich ganz klare For­de­run­gen abge­lei­tet haben: volle Aus­schöp­fung der recht­li­chen Mög­lich­kei­ten, mehr Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen durch die öffent­li­che Hand, mehr Sen­si­bi­li­sie­rung der Behör­den für das Thema und die Tat­be­stände, bezie­hungs­weise auch eigene Behör­den mit Spe­zia­li­sie­rung auf Delikte rund um Hass im Netz. Die grenz­über­schrei­tende Amts­hilfe soll recht­lich durch­griffs­stär­ker sein, und auch die Ein­füh­rung einer Klar­na­men­pflicht würde viele Exzesse verhindern.

Für Ver­än­de­run­gen und einen gro­ßen Umbruch haben auch die Ärz­te­kam­mer­wah­len in die­sem Jahr gesorgt, viele neue Köpfe fin­den sich nun in den Gre­mien. Das neue Per­so­nal hat es auch gleich mit einer Menge bri­san­ter The­men zu tun bekom­men: Die Ent­wick­lun­gen rund um den Mut­ter-Kind-Pass, der immer dra­ma­ti­schere Per­so­nal­man­gel und die dar­aus fol­gen­den Ent­wick­lun­gen in den Spi­tä­lern, immer grö­ßere Lücken in der kas­sen­ärzt­li­chen Ver­sor­gung. Man braucht kein Pro­phet sein, um zu sagen: Auch das kom­mende Jahr wird vol­ler Bewäh­rungs­pro­ben stecken.

Wich­tig dabei ist, als Ärz­te­schaft hier gemein­sam auf­zu­tre­ten und vor­zu­ge­hen. Die Wei­chen­stel­lung für die wich­ti­gen gesund­heits­po­li­ti­schen Fra­gen der Zukunft darf nicht ohne uns von­stat­ten­ge­hen. Unsere Exper­tise ist unbe­streit­bar und ein­zig­ar­tig und bei einem ernst­ge­mein­ten Vor­schlag oder Gesprächs­an­ge­bot sind wir immer gesprächs­be­reit, das ist mein Zugang. Denn das und unsere Hand­schlag­qua­li­tät zeich­nen uns aus und unter­schei­det uns – lei­der – auch von ande­ren Sys­tem­part­nern. Mit die­ser Hal­tung, auf die wir stolz sein kön­nen, kön­nen wir auch zuver­sicht­lich das neue Jahr ange­hen. Es möge gelingen!

Dr. Harald Schlögel
1. Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 23–24 /​15.12.2022