Meine eigene Praxis: Teil 2 – Erste eigene Hausarztpraxis: Finanzplanung in der Gründungsphase

10.02.2025 | Service

Ein durchdachter Businessplan und eine solide Finanzplanung erfordern einiges an Zeit – machen sich aber bezahlt.

Ob Sie Ihre Praxis neu gründen oder eine bestehende Ordination übernehmen: Beide Varianten wollen finanziert sein, was einen tragfähigen Finanzierungsplan voraussetzt. Schließlich reicht Eigenkapital allein im Normalfall nicht aus, um alle Kosten zu decken, die mit einer solchen Unternehmensgründung verbunden sind. An einer guten Steuer- wie auch Finanzberatung wird daher kein Weg vorbeiführen. Gespräche mit einschlägigen Expertinnen und Experten verlaufen umso produktiver, je sorgfältiger Sie sich darauf vorbereiten – beginnen Sie also rechtzeitig damit, sich über Ihre Ausgangslage und Ihre Ziele klarzuwerden. Lesen Sie hier einen knappen Überblick über die wichtigsten Punkte zum Thema Finanzplanung – ein Thema, das im Buch „Meine eigene Praxis. Richtig starten als Hausärztin/Hausarzt“ nicht ohne Grund auf zwei recht umfangreiche Kapitel aufgeteilt ist.

In einem ersten Schritt geht es darum, einen Businessplan zu erstellen, der unter anderem folgende Bereiche erfassen sollte:

  • Informationen zum Gründungsvorhaben (z.B. Leistungsspektrum, angestrebte Patienten-Zielgruppen, Standort, Öffnungszeiten)
  • Kapitalbedarfsrechnung
  • Finanzierungsplan
  • Planrechnung
  • Liquiditätsrechnung

„Bauanleitungen“ für Businesspläne bis hin zu Musterplänen finden Sie beispielsweise auf den Websites der Wirtschaftskammer, aber auch von Banken oder Unternehmensberatungen.

Seien Sie realistisch bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs, für den jedenfalls folgende Punkte zu berücksichtigen sind:

  • Wahl- oder Kassenordination
  • Höhe der Ablöse
  • Miete oder Kauf
  • Kosten für eventuelle Umbauten
  • Bedarf an medizinischen Geräten
  • Kosten für EDV (Hard-/Software) und Online-Auftritt
  • Höhe des finanziellen „Sicherheitspolsters“

Ihr Kapitalbedarf ist entscheidend für die Erstellung eines Finanzierungsplans, also letztlich für das Gespräch mit Ihrer Bank, da in der Regel neben Eigenkapital auch eine Fremdfinanzierung notwendig ist. Hier gibt es unterschiedliche Varianten: von Investitionskrediten für einzelne langfristige Zwecke (z.B. die Praxis-Ablöse) über Betriebsmittelkredite, die man zur Deckung laufender Ausgaben immer wieder in Anspruch nehmen kann, bis hin zum Leasing (z.B. von Geräten oder Einrichtung). Und, nicht zu vergessen: Förderungen, die es auch für Praxisgründerinnen und -gründer gibt. So bietet etwa die Österreichische Gesundheitskasse Standortförderungen; Informationen darüber finden Sie auch auf der Website Ihrer Landesärztekammer.

Weiters „unabdingbar für das Gespräch mit der Bank ist eine Planrechnung der ersten vier Jahre nach der Gründung“, also im Prinzip eine möglichst realistische Einnahmen-Ausgaben- Rechnung. So muss, wer eine Kassenpraxis eröffnet, etwa bedenken, dass die Gesundheitskasse die in einem Quartal erbrachten Leistungen erst im Folgequartal honoriert. Ausgabenseitig sind unter anderem Personalkosten, meist 16 bis 20 Prozent, zu berücksichtigen, weiters die Beiträge zum Wohlfahrtsfonds oder Kosten für Versicherungen. Was bei der Planrechnung herauskommt, ist das Ergebnis vor Steuern, besagt aber noch nicht, wie viel Geld die Praxis am Ende abwerfen wird.

Das ergibt sich aus der Liquiditätsrechnung. Dafür werden vom Ergebnis der Planrechnung noch Einkommensteuer(voraus)zahlungen und diverse Zahlungen (Darlehenstilgungen, Kautionen, Provisionen etc.) abgezogen.

Auch dieses Ergebnis beantwortet noch nicht die entscheidende Frage: Wird die ermittelte Summe die privaten Lebenshaltungskosten abdecken und wie viel bleibt nach Abzug all dieser Kosten an frei verfügbarer Liquidität übrig? Daher „ist es ratsam, [auch] eine Budgetierung und finanzielle Planung für Ihren persönlichen Bedarf durchzuführen“. Erst wenn Sie auch Ihre laufenden privaten Ausgaben (z.B. Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Kinderbetreuung, Mitgliedsbeiträge) aufschlüsseln und in die Liquiditätsrechnung „eingepreist“ haben, haben Sie ein weitgehend vollständiges Bild der Lage. Das hört sich alles recht aufwändig an und kostet in der Tat Zeit. Allerdings gewinnen Sie dadurch eine Sicherheit, die Ihnen in den Gesprächen mit Ihrer Bank über individuell passende Möglichkeiten der Fremdfinanzierung zugutekommen wird. Sie sollten auch keine Scheu haben, Unterstützung von Expertinnen und Experten in Anspruch zu nehmen.

Quelle: „Meine eigene Praxis. Richtig starten als Hausärztin/Hausarzt“; Bettina Ehrhardt-Felkl (Hg.); Verlagshaus der Ärzte: 1. Auflage 2023; ISBN: 978-3-99052-294-3

GLEICH ONLINE BESTELLEN!
Meine eigene Praxis – Richtig starten als Hausärztin/Hausarzt

© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 10.02.2025