Trotz etablierter Impfprogramme steigen die Erkrankungszahlen bei klassischen impfpräventablen Erkrankungen wie Masern und Keuchhusten. Der Österreichische Impftag 2025 beschäftigt sicher daher unter anderem mit den Neuerungen im Österreichischen Impfplan als Reaktion auf die hohen Erkrankungszahlen, sowie mit der Prävention von Mutter und Kind.
Sophie Niedenzu
Die Zahlen sprechen Bände: Bei Pertussis ist heuer wieder die Anzahl an Erkrankungen der Vor-Impfära Anfang der 1960er Jahre erreicht worden, bei Masern gilt Österreich mit heuer über 500 Erkrankungsfällen europaweit als eines der zehn Ländern mit der höchsten Maserninzidenz. Der Großteil der Erkrankten ist ungeimpft oder hat nur die erste der beiden empfohlenen Impfungen erhalten. Altersmäßig sind sowohl Kinder als auch junge Erwachsene (≥30 Jahre) betroffen. „Masern und Keuchhusten sind wieder zu einem ernsthaften Problem geworden,“ betont Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der Med-Uni Wien. Sie hat den medizinisch-wissenschaftlichen Vorsitz beim Österreichischen Impftag am 18. Jänner 2025 inne, der diesmal unter dem Titel „Geimpft – Geschützt – Sicher!“ über die Bühne gehen wird. Wiedermann-Schmidt erinnert daran, dass die Masern, gerade seit der COVID-19-Pandemie, medial weniger thematisiert wurden, was zu einem Rückgang der Sensibilisierung beigetragen haben könnte. Sie sieht hier auch eine Zurückhaltung der Politik, das Thema Impfen aufzugreifen, da die gesellschaftlichen Diskussionen und Kontroversen auf dem Gebiet das Impfwesen in Österreich hemmen. Zentral für die Prävention ist aus ihrer Sicht das Ansetzen an verschiedenen gesellschaftlichen Schnittstellen. So bietet der Arbeitsplatz laut Wiedermann-Schmidt eine besondere Gelegenheit, Menschen im erwerbsfähigen Alter zu erreichen, die selten zum Arzt gehen, weil sie sich gesund fühlen. „Wenn wir Impfen und Informationsangebote direkt dorthin bringen, wo sich die Menschen am meisten aufhalten, können wir die Impfbereitschaft erhöhen und zur Prävention beitragen – das entspricht auch der WHO-Strategie,“ erklärt die Expertin.
Änderungen und Ausbau
Angesichts der steigenden Erkrankungszahlen gibt es im Österreichischen Impfplan zudem auch Anpassungen, ergänzt Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer: „Besonders wichtig ist die erste Auffrischung bei der Pertussisimpfung bereits ab dem sechsten Lebensjahr, vor dem Schuleintritt“, betont er. Der erste Schutz vor einer Pertussiserkrankung wird durch die empfohlene Impfung im letzten Drittel der Schwangerschaft an das Kind weitergegeben: „Neben Pertussis sind es auch die Impfungen gegen Influenza und RSV, die für Schwangere empfohlen werden“, sagt der Impfexperte. Schmitzberger wünscht sich hier eine stärkere Awareness: „Die Prävention für Mutter und Kind sollte noch stärker in den Fokus rücken.“ Das gleiche gelte für die HPV-Impfung: „In skandinavischen Ländern ist die HPV-Impfung ein must-have, bei uns aber leider nur ein nice-to-have.“ Zudem setzt sich die Österreichische Ärztekammer weiterhin dafür ein, die Lücke zwischen dem erfolgreichen kostenfreien Kinderimpfprogramm und den Impfungen für Erwachsene zu schließen – etwa bei Schutzimpfungen gegen Pneumokokken.
Paxlovid: Anklage um Millionenbetrug
Die Leiterin einer Innsbrucker Apotheke und deren Assistent sind wegen schweren Betrugs angeklagt worden. Das berichtete die Tiroler Tageszeitung unter Berufung auf Angaben der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Den beiden werde laut Anklage vorgeworfen, dass sie mindestens 2.500 Packungen des Medikaments Paxlovid aus dem Bundeskontingent und somit kostenfrei bestellt hätten – ohne dass allerdings Ärzte erkrankten Patienten Paxlovid verschrieben hätten. Das Medikament sei dann gegen geringes Entgelt an einen chinesischen Staatsbürger weitergegeben worden, der es nach China versandt haben soll. Der strafrechtliche Schaden belaufe sich auf 1,8 Millionen Euro.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 23-24 / 15.12.2024