Die Bundeskurie angestellte Ärzte setzt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „Arbeiten im Spital“ auseinander und wie es gelingen kann, dies auch für die jetzige, aber auch künftige Generationen attraktiv zu gestalten. Aktuell fordert die BKAÄ eine Vollzeitprämie und steuerfreie Überstunden und bereitet eine Enquete zum Thema „Teilzeit im Spital“ vor.
Thorsten Medwedeff
In der Arbeitswelt geht der Trend – insbesondere auch aufgrund der hohen Arbeitsbelastung – immer mehr hin zu Teilzeitmodellen. Die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) forciert einerseits die Flexibilisierung der Arbeitszeiten in den heimischen Spitälern und die Möglichkeit, den jeweiligen Lebensumständen im 21. Jahrhundert entsprechende Arbeitszeitmodelle ergreifen zu können, um auch die Balance zwischen Beruf und Privatleben zu optimieren. Andererseits fordert die BKAÄ aber auch Prämien für jene, die sich Vollzeit im Spital um die Gesundheitsversorgung der Österreicher kümmern.
„Dazu gehört mehr Geld ins System. Geld, das auch bei den Ärzten, der wichtigsten Ressource in unserem Gesundheitssystem ankommen muss“, betont ÖÄK-Vizepräsident und BKAÄ-Obmann Harald Mayer. Daher fordert Mayer Prämien für jene, die in Vollzeitanstellung in unseren Spitälern arbeiten.
Spitalsärzte wertschätzen, nicht nur finanziell
„Wir fordern die Politik auf, basierend auf einem Beschluss der Bundeskurie angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer, eine Vollzeitprämie für Spitalsärztinnen und -ärzte einzuführen und Überstunden steuerlich massiv zu begünstigen. Das wäre ein starker, motivierender Anreiz, würde jene belohnen, die in unseren Spitälern angesichts der herausfordernden Rahmen- und Arbeitsbedingungen überhaupt noch Vollzeit arbeiten wollen und nicht fluchtartig das System verlassen“, betont Mayer. Nur so könne weiterhin eine 24/7-Gesundheitsversorgung in Österreich nachhaltig angeboten und abgesichert werden. „Wir müssen danach trachten, diese starken Säulen unserer Gesundheitsversorgung bei Laune und im solidarischen Gesundheitssystem zu halten.“
Mehr Arbeit in den heimischen Krankenhäusern müsse ausgeglichen werden. Auch, weil dieses Mehr an Arbeit sehr viel mit fehlendem Fachpersonal und unbesetzten Dienststellen zu tun hat: „Es müssen jene endlich belohnt werden, die durch ihren zusätzlichen Einsatz die Versäumnisse unserer Gesundheitspolitiker und der Verantwortlichen bei den Spitalsträgern ausgleichen, die es jahrelang zugelassen haben, dass es in unseren Krankenhäusern viel zu viele unbesetzte Stellen gibt bzw. dass die Ärzte mit Bürokratie statt mit Patientenversorgung beschäftigt sind. Wenn wir verhindern wollen, dass unser solidarisches Gesundheitssystem kippt oder gar zusammenbricht, müssen wir schauen, dass wir jene im Lande halten und sehr gut behandeln, die derzeit noch mit größter Überzeugung im Spital arbeiten. Das möchte ich auch gerne unseren derzeit wahlwerbenden Politikern als Gedankenanstoß mitgeben. Die wichtige Leistung der Spitalsärzte muss sich auch finanziell lohnen.“ Denkbar sei auch ein Modell mit einem gleichen Steuertarif für jede „Stufe“, quasi mit einem durchgängigen Steuersatz, um die Attraktivität der Vollzeittätigkeit im Vergleich zur Teilzeitarbeit aufrecht zu erhalten.
Selbstverständlich müssten auch jene bedacht werden, die aufgrund eines gesetzlichen Anspruchs – etwa im Fall von Elternteilzeit – nicht Vollzeit arbeiten können. Mayer: „Diese Ärztinnen und Ärzte dürfen nicht schlechter gestellt werden, die Prämie müssten sie daher anteilsmäßig genauso bekommen. Jedenfalls muss rasch eine steuerliche Entlastung für alle her, die noch Vollzeit arbeiten wollen. Das ist eine Frage der Wertschätzung und der Patientenversorgung.“
Trilogie „Arbeitsplatz Spital“
Die BKAÄ hat seit einiger Zeit den Fokus auf das wichtige Thema „Arbeitsplatz Spital“ gelegt – zuletzt mit zwei sehr gut besuchten Enqueten zum Thema „Wie die Jungen künftig arbeiten wollen“ in Linz und ebendort mit einer weiteren mit dem Titel „Arbeitsplatz Spital: Generation 50plus – wie halten wir den Motor unserer Gesundheitsversorgung am Laufen?“. Am 12. November 2024 wird die Enquete-Serie zur Trilogie ausgeweitet: Dann geht es in der Seifenfabrik in Graz (ab 16:30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unter pressestelle@aerztekammer.at) um die Frage „Teilzeit im Spital – ein notwendiger Trend?“.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 17 / 10.9.2024