Ernäh­rung: Kli­ma­freund­lich ist gesund

25.02.2022 | Politik

Es gibt einen Zusam­men­hang zwi­schen gesun­den Lebens­mit­teln und der gesun­den Bewirt­schaf­tung des Bodens. Das Öster­rei­chi­sche Aka­de­mi­sche Insti­tut für Ernäh­rungs­me­di­zin trägt die­sem Aspekt im Rah­men sei­nes Jah­res­schwer­punk­tes „Healthy Food. Healthy Pla­net“ Rechnung.

Manuela‑C. War­scher

Zwi­schen gesun­dem Essen und einer gesun­den Bewirt­schaf­tung der Erde gibt es erstaun­lich viele Über­ein­stim­mun­gen“, betont Univ. Prof. Kurt Wid­halm, Prä­si­dent des Öster­rei­chi­schen Insti­tuts für Ernäh­rungs­me­di­zin (ÖAIE) im Rah­men eines Pres­se­ge­sprä­ches Ende Jän­ner 2021 anläss­lich der Prä­sen­ta­tion des ÖAIE-Jah­res­schwer­punk­tes „Healthy Food. Healthy Pla­net“. Tat­säch­lich ist die glo­bale Ernäh­rung für ein Vier­tel der Treib­haus­gase und ein Drit­tel der glo­ba­len Über­säue­rung ver­ant­wort­lich. Außer­dem stellt sie die Mehr­heit aller glo­ba­len Nähr­stoff­ein­tra­gun­gen und belegt 40 Pro­zent der eis- und wüs­ten­freien Land­schaft. Die EAT-Lan­cet Kom­mis­sion hat daher die Ernäh­rungs­emp­feh­lun­gen kor­ri­giert und for­dert eine deut­li­che Erhö­hung des Anteils von Pflan­zen-basier­ten Lebens­mit­teln. „Mit einem ver­rin­ger­ten Kon­sum tie­ri­scher Lebens­mit­tel und einer Ver­mei­dung von Lebens­mit­tel­ab­fall kann der Ein­zelne einen Bei­trag zur kli­ma­freund­li­che­ren und gesün­de­ren Ernäh­rungs­weise bei­tra­gen“, unter­streicht Univ. Prof. Henry Jäger vom Insti­tut für Lebens­mit­tel­tech­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät für Bodenkultur.

Eine gesunde Ernäh­rung mit einem hohen Anteil von Obst, Gemüse, Hül­sen­früch­ten, Nüs­sen und ein­fach und mehr­fach unge­sät­tig­ten Fet­ten bedeu­tet dar­über hin­aus 20 Pro­zent weni­ger vor­zei­tige Todes­fälle. Denn: „Welt­weit gras­siert seit Jah­ren zuneh­mend eine Pan­de­mie einer nicht anste­cken­den Erkran­kung – die Pan­de­mie des Über­ge­wich­tes und der Fett­lei­big­keit“, gibt Univ. Prof. Chris­tian Zau­ner von der Inter­nis­ti­schen Inten­siv­sta­tion der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien zu beden­ken. Über­ge­wicht-bedingte Erkran­kun­gen wer­den in den nächs­ten 30 Jah­ren 90 Mil­lio­nen Todes­fälle ver­ur­sa­chen und die Lebens­er­war­tung um drei Jahre ver­kür­zen. Damit sind auch anstei­gende Zah­len der Kom­pli­ka­tio­nen der Fett­lei­big­keit wie Dia­be­tes mel­li­tus, Hyper­to­nie oder Fett­le­ber asso­zi­iert. Per­so­nen mit Risi­ko­fak­to­ren soll­ten regel­mä­ßig auf das Vor­lie­gen einer Fett­le­ber unter­sucht wer­den, so der Experte.

Ernäh­rung und unter­schied­li­che Nähr­stoffe kön­nen die Ent­wick­lung und das Fort­schrei­ten einer Fett­le­ber begüns­ti­gen. Gesät­tigte Fett­säu­ren, Trans­fette, ein­fa­cher Zucker, freier Zucker oder tie­ri­sches Eiweiß schä­di­gen dem­nach die Leber. „Mit gesun­den Nah­rungs­mit­teln wie Oli­venöl, Obst und Gemüse wer­den ver­mehrt ein­fach oder mehr­fach unge­sät­tigte Fett­säu­ren, pflanz­li­ches Eiweiß und Bal­last­stoffe auf­ge­nom­men, die die Leber schüt­zen“, sagt Zau­ner. Außer­dem senkt die Modi­fi­zie­rung der Lebens­ge­wohn­hei­ten mit ver­mehr­ter kör­per­li­cher Bewe­gung und einer nach­hal­ti­gen Gewichts­re­duk­tion den Fett­ge­halt der Leber und ver­hin­dert 11,1 Mil­lio­nen Todes­fälle bereits bis 2030.

Im Vor­feld des Jubi­lä­ums­kon­gres­ses „Nut­ri­tion for a Healthy Pla­net“ hat das ÖAIE daher den Wett­be­werb ‚Der Gesunde Waren­korb‘ aus­ge­schrie­ben. Dabei sol­len Kon­su­men­ten einen gesun­den und nach­hal­ti­gen Waren­korb für eine drei­köp­fige Fami­lie für drei Tage zusam­men­stel­len. „Letzt­lich sind es Lebens­mit­tel­grup­pen, die einen Waren­korb auf­wer­ten: fri­sches Gemüse, Kräu­ter und Obst, mög­lichst wenig ver­ar­bei­tete und pro­zes­sierte Pro­dukte, gerin­ger Anteil an Fleisch­erzeug­nis­sen, Knab­be­reien und Süßig­kei­ten“, sagt Diä­to­lo­gin Mad­da­lena Stru­kul. Ziel ist es, Aspekte einer gesun­den Ernäh­rung, die auch Ziele des Umwelt­schut­zes erfüllt, einer brei­ten Bevöl­ke­rung bekannt zu machen. Das Gewinn­spiel läuft vom 1. bis 31. März. Auch die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer (ÖÄK) unter­stützt die Gewinn­spiel­ak­tion: „Wich­tig ist es, auf den öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck des Waren­kor­bes zu schauen, dass man mehr pflanz­li­che und weni­ger tie­ri­sche Pro­dukte kauft und isst“, unter­streicht der Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer Stei­er­mark, Her­wig Lindner.

Fach­sym­po­sium „Nut­ri­tion for a healthy pla­net“ 30. April 2022 Pro­gramm und Anmel­dung unter www.oeaie.org/Veranstaltungen

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 04 /​25.02.2022