Ärzt­li­che Aus­bil­dung: ÖÄK über­gibt Ausbildungsagenden

15.12.2022 | Aktuelles aus der ÖÄK

Ab 2023 ent­schei­det die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer nicht mehr über die An- und Aberken­nung der Aus­bil­dungs­stät­ten und Fest­set­zung von Aus­bil­dungs­stel­len. Mit Jah­res­be­ginn sind die Lan­des­haupt­leute dafür zuständig.

Mehr­fach hat die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer davor gewarnt, ein bewähr­tes, kom­pe­ten­tes und objek­ti­ves Sys­tem zu zer­stö­ren, Ärzte demons­trier­ten auf der Straße, Reso­lu­tio­nen wur­den beschlos­sen, Ver­hand­lun­gen mit der Poli­tik gesucht. Den­noch fin­det ab 2023 ein Umbruch in der Arzt­aus­bil­dung statt: in Zukunft ent­schei­det die Lan­des­po­li­tik der neun Bun­des­län­der auto­nom dar­über, wel­che Aus­bil­dungs­stät­ten an- und aberkannt und wel­che und wie viele Aus­bil­dungs­stel­len fest­ge­setzt wer­den. Damit ent­schei­den die Län­der selbst dar­über, wel­che Aus­bil­dungs­plätze ver­ge­ben wer­den, immer­hin wird der Groß­teil der Spi­tä­ler – abseits der Ordens- und Pri­vat­häu­ser – von den Län­dern betrie­ben. Aus­gangs­punkt die­ser neuen Situa­tion war ein For­mal­feh­ler im Gesetz­ge­bungs­pro­zess, der ein­fach beho­ben hätte wer­den kön­nen. Dafür hätte es die Zustim­mung aller Bun­des­län­der gebraucht. Da meh­rere Lan­des­po­li­ti­ker ein­hel­lig der Mei­nung waren, die Agen­den über die Arzt­aus­bil­dung selbst zu über­neh­men, ist das jedoch nicht geschehen.

Ein Blick zurück
Wie viele Ärzte in Aus­bil­dung kann eine Abtei­lung gleich­zei­tig auf­neh­men? Ist das not­wen­dige Per­so­nal vor­han­den, das sich den aus­zu­bil­den­den Ärz­ten wid­men kann? Liegt das not­wen­dige Leis­tungs­spek­trum vor, um die Aus­bil­dung ver­mit­teln zu kön­nen? Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen vor, um eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Arzt­aus­bil­dung zu garan­tie­ren und dem Ärz­te­nach­wuchs die Mög­lich­keit zu geben, Kennt­nisse, Erfah­run­gen und Fer­tig­kei­ten zu sam­meln und Wis­sen anzu­rei­chern? Ist das Aus­bil­dungs­kon­zept in der Pra­xis umsetz­bar? Diese Fra­gen hat die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer im Vor­feld geklärt, bevor eine Aus­bil­dungs­stelle von ihr bewil­ligt wurde. Vor­aus­set­zung für die Ein­ord­nung und der Antrags­be­ar­bei­tung ist eine jah­re­lange fach­li­che Erfah­rung, basie­rend auf medi­zi­ni­schem Ver­ständ­nis. Dazu gehört auch das Wis­sen, wel­che Son­der­fä­cher wel­che medi­zi­ni­schen Schwer­punkte beson­ders stark benö­ti­gen, damit der Ärz­te­nach­wuchs die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für eine adäquate Aus­bil­dung erhält. Jah­re­lang hat sich die ÖÄK in Zusam­men­ar­beit mit zahl­rei­chen Exper­ten um die Rah­men­be­din­gun­gen geküm­mert, unter denen die ärzt­li­che Aus­bil­dung statt­fin­den soll, mit dem Ziel, die Qua­li­tät der Pati­en­ten­ver­sor­gung auf dem hohen Niveau zu hal­ten. Ärzte haben ihr eige­nes Wis­sen und ihre eige­nen Erfah­run­gen ein­ge­bracht, um die Qua­li­tät in der Arzt­aus­bil­dung sicher­zu­stel­len und die Pati­en­ten­ver­sor­gung in Öster­reich auf hohem Niveau zu halten.

Zukunfts­aus­sich­ten
Wäh­rend bis­lang Ärzte die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ärz­teaus­bil­dung selbst fest­ge­legt haben, wer­den das in Zukunft Lan­des­be­hör­den über­neh­men. In Hin­kunft wird der Lan­des­haupt­mann dar­über ent­schei­den, an wel­chem Stand­ort wie viele Ärzte in wel­chen Fächern gleich­zei­tig in einer Abtei­lung aus­ge­bil­det wer­den. Woher die Behörde ihr medi­zi­ni­sches Fach­wis­sen bezie­hen wird, ist der­zeit unklar. „Die ÖÄK wird ab 2023 keine Ver­fah­ren füh­ren oder sich inhalt­lich ein­brin­gen, weil sie nicht mehr zustän­dig ist“, sagt Renate Wag­ner-Krei­mer, Lei­te­rin des Teams für Aus- und Fort­bil­dung der ÖÄK. Ein Spi­tal, das eine Aus­bil­dungs­stelle geneh­migt haben möchte, wird sich in Zukunft an die Lan­de­ver­wal­tung wen­den müs­sen. Damit besteht auch die Gefahr, dass sich hin­sicht­lich der Aus­bil­dungs­agen­den in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern unter­schied­li­che Spruch­pra­xen ent­wi­ckeln. (sni)

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 23–24 /​15.12.2022