Kurz und infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

27.09.2021 | Poli­tik

Corona behin­dert Kampf gegen AIDS

Die COVID­-19-­Pan­­de­­mie hatte im Jahr 2020 ver­hee­rende Aus­wir­kun­gen auf den Kampf gegen AIDS, Tuber­ku­lose und Mala­ria, wie der Glo­bale Fonds zur Bekämp­fung die­ser Krank­hei­ten kürz­lich berich­tete. Die im Jahr 2002 gegrün­dete Orga­ni­sa­tion inves­tiert eige­nen Anga­ben zufolge jähr­lich mehr als vier Mil­li­ar­den US­-Dol­lar in Pro­gramme, mit denen lokale Exper­ten in mehr als 100 Län­dern unter­stützt wer­den. Laut den Anga­ben des Glo­ba­len Fonds ging im Jahr 2020 die Zahl der HIV­-Tests um 22 Pro­zent zurück, was in den meis­ten Län­dern den Behand­lungs­be­ginn ver­zö­gert habe. Ebenso gab es einen Rück­gang bei der Zahl der Men­schen, die mit AIDS­-Prä­­ven­­ti­on­s­­pro­­gram­­­men erreicht wer­den, im Ver­gleich zu 2019 um elf Pro­zent. Bei Tuber­ku­lose ist die 2020 die Zahl der Men­schen mit Tuber­ku­lose, die gegen Arz­nei­mit­tel resis­tent sind, um 19 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Nicht so stark betrof­fen war Mala­ria; doch auch hier wurde ein Rück­ gang bei der Zahl der getes­te­ten Ver­dachts­fälle um 4,3 Pro­zent zu ver­zeich­nen. In den Län­dern, in die der Glo­bale Fonds inves­tiert, ging eige­nen Anga­ben zufolge die Rate der durch AIDS, Tuber­ku­lose und Mala­ria ver­ur­sach­ten Todes­fälle um 46 Pro­zent zurück.

Corona: Rei­­se­-asso­­zi­ierte Fälle halbiert

In der Zeit zwi­schen 30. August und 5. Sep­tem­ber (Kalender­woche 35), dem Ende der Som­mer­fe­rien, hat sich die Zahl der Rei­­se­-asso­­zi­ier­­ten Coro­­na­-Fälle im Ver­gleich zur Vor­wo­che von 31 Pro­zent auf 15,7 Pro­zent nahezu hal­biert. Einen Anstieg von 46,9 auf 56,7 Pro­zent gab es jedoch bei den Neu­in­fek­tio­nen in Haus­hal­ten, wie die Agen­tur für Gesund­heit und Ernährungs­sicherheit (AGES) bekannt gab. Von den 11.348 Fäl­len sind 2.688 dem Haus­halt zuzu­ord­nen; 13,7 Pro­zent auf Anste­ckungen beim Sport; 3,1 Pro­zent auf Hotel und Gastro­nomie sowie 0,4 Pro­zent auf den Han­del. Der Anteil der ge­klärten Infek­ti­ons­quel­len liegt bei 68,1 Pro­zent; der Anteil an asympto­matischen Ver­läu­fen bei 28,8 Prozent.

2 öster­rei­chi­sche Universitäten

schei­nen erst­mals im jähr­li­chen „Times Hig­her Edu­ca­tion Ran­king“ unter den Top 200 auf: Die Uni­ver­si­tät Wien ver­bes­serte sich um 27 Plätze auf Rang 137. Mit Platz 196 schaffte es die Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät Graz erst­mals unter die ers­ten 200.

Polen: Pro­test der Gesundheitsbediensteten

In War­schau haben Ärzte, Kran­ken­schwes­tern und andere Mit­ar­bei­ter des Gesund­heits­we­sens Mitte Sep­tem­ber gegen nied­rige Gehäl­ter und schlechte Arbeits­be­din­gun­gen pro­tes­tiert. Sie warn­ten vor einem finan­zi­el­len Kol­laps des Gesund­heitssystems und for­der­ten rasche Ret­tungs­maß­nah­men. In Polen kom­men 24 Ärzte auf 10.000 Ein­woh­ner. Gesund­heitsminister Adam Nied­zielski kün­digte Gesprä­che mit Ver­tre­tern des Protest­ und Streik komi­tees an.

Demenz: WHO pro­gnos­ti­ziert dra­ma­ti­schen Anstieg

Bis zum Jahr 2030 wird es welt­weit rund 40 Pro­zent mehr Men­schen mit Demenz geben als heute. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Stu­die der WHO (Weltgesundheitsorga­nisation). Im Jahr 2019 waren Schät­zun­gen zufolge rund 55 Mil­lio­nen Men­schen betrof­fen. Das Inter­esse, an Medi­kamenten gegen Demenz zu for­schen, ist den Anga­ben der WHO zufolge nach vie­len ent­täu­schen­den kli­ni­schen Stu­dien gesun­ken. Aller­dings haben bei­spiels­weise die USA die jähr­li­chen Inves­ti­tio­nen in die Alz­hei­­mer­-For­­schung von 631 Mil­lio­nen US-­Dol­lar im Jahr 2015 auf 2,8 Milli­arden US­-Dol­lar (rund 2,4 Mil­li­ar­den Euro) im Vor­jahr erhöht.

Bre­xit behin­dert Influenza-Impfkampagne

Wegen des schon seit Wochen bestehen­den Man­gels an Fern­fah­rern sieht sich Groß­bri­tan­nien mit Eng­päs­sen beim Influ­enza-­Imp­f­­stoff kon­fron­tiert. Seqi­rus, der wich­tigste Lie­fe­rant, begrün­dete dies mit „unvor­her­ge­se­he­nen Schwie­rig­kei­ten im Zusam­men­hang mit Ver­zö­ge­run­gen im Stra­ßen­gü­ter­ver­kehr“. In Eng­land und Wales muss­ten des­halb Impf­ter­mine um bis zu zwei Wochen ver­scho­ben wer­den. Wegen des Bre­xit haben viele aus­län­di­sche Arbeits­kräfte – beson­ders aus öst­li­chen EU­-Staa­­ten – das Land ver­las­sen. Dar­über hin­aus feh­len im Gesundheits­sektor auch Mate­ria­lien wie zum Bei­spiel Reagenz­glä­ser, was Absa­gen von Blut­un­ter­su­chun­gen zur Folge hatte. Erst kürz­lich wurde eine Kam­pa­gne zur Imp­fung gegen Influ­enza beschlos­sen: Mehr als 35 Mil­lio­nen Men­schen sol­len geimpft werden.

Kunst­stoff ver­ur­sacht 1,8 Mil­li­ar­den Ton­nen CO2

Kunst­stoffe ver­ur­sa­chen jähr­lich 1,8 Mil­li­ar­den Ton­nen an Treib­haus­ga­sen und in der Folge im Jahr 2019 etwa Kos­ten von 3.100 Mil­li­ar­den Euro, wie der WWF (World Wide Fund For Nature) mit­teilte. Jeder Euro, das für Plas­tik aus­ge­ge­ben wird, ver­ur­sacht über sei­nen Lebens­zy­klus hin­weg zehn Euro an wei­te­ren Kos­ten. Ver­ant­wort­lich dafür sind jähr­lich rund 200 Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik­müll, von denen rund 5,5 Pro­zent im Meer lan­den; 41 Pro­zent wer­den ins­ge­samt nicht recycelt.

Frank­reich: hor­mo­nelle Kon­tra­zep­tion gratis

Für Fran­zö­sin­nen bis zum 25. Lebens­jahr ist die hor­mo­nelle Kon­tra­zep­tion künf­tig gra­tis; die Kos­ten dafür über­nimmt die Kran­ken­kasse. Gesund­heits­mi­nis­ter Oli­vier Véran begrün­dete die­sen Schritt damit, dass immer mehr junge Frauen aus finan­zi­el­len Grün­den dar­auf ver­zich­te­ten, zu ver­hü­ten. Schon bis­her konnte sich min­der­jäh­rige Mäd­chen die Pille kos­ten­los ver­schrei­ben las­sen, was zwi­schen 2012 und 2018 zu einem Rück­gang der Schwan­ger­schafts­ab­brü­che von 9,5 auf pro 1.000 führte. In Frank­reich erhal­ten seit dem Vor­jahr auch unter 15-Jäh­­rige die Pille kos­ten­los. Bis dahin wur­den nach Regie­rungs­an­ga­ben durch­schnitt­lich 1.000 Mäd­chen zwi­schen zwölf und 14 Jah­ren schwan­ger; rund drei Vier­tel lie­ßen einen Abbruch vornehmen.

Bur­gen­land: Zuschuss für Psychotherapie

Im Rah­men eines für zwei Jahre geplan­ten Pilot­pro­jekts erhal­ten bur­gen­län­di­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten bei der Erbrin­gung von Kas­sen­leis­tun­gen einen Zuschuss von zehn Euro pro Stunde. Bei der neuen För­de­rung des Lan­des Bur­gen­land han­delt es sich um einen Kos­ten­zu­schuss für nie­der­ge­las­sene Psy­cho­the­ra­peu­ten über den Sach­leis­tungs­ver­ein IPR (Insti­tut Psy­cho­the­ra­pie im länd­li­chen Raum Gemein­nüt­zige GmbH). Vor­aus­set­zung dafür ist der Nach­weis über die erbrachte Sach­leis­tung des The­ra­peu­ten über den IPR in der Höhe von min­des­tens 400 Stun­den pro Jahr; für das zweite Halb­jahr 2021 von min­des­tens 200 Stun­den. Nach Abschluss des Pilot­pro­jekts soll eine Eva­lu­ie­rung fol­gen, um wei­tere Schritte pla­nen zu können.

Groß­bri­tan­nien erhöht Sozialbeiträge

Der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son hat ange­kün­digt, dass die Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­träge in die „Natio­nal Insurance“ mit April 2022 um 1,25 Pro­zent ange­ho­ben wer­den. Damit bricht die Regie­rung eines ihrer Wahl­ver­spre­chen. Die zusätz­li­chen Ein­nah­men wer­den mit knapp 36 Mil­lio­nen Pfund (rund 42 Mil­lio­nen Euro) bezif­fert. Diese sol­len dem bri­ti­schen Gesund­heits­sys­tem zugu­te­kom­men, das nicht zuletzt durch die Corona-Pan­­de­­mie mit einem mas­si­ven Rück­stau an auf­ge­scho­be­nen Behand­lun­gen zu kämp­fen hat. Ebenso soll damit die Decke­lung der Pfle­ge­kos­ten im größ­ten bri­ti­schen Lan­des­teil Eng­land finan­ziert wer­den. Bis­her muss­ten Pfle­ge­be­dürfte in Eng­land einen Anteil an den Kos­ten in unbe­grenz­ter Höhe selbst tra­gen. Das soll sich künf­tig ändern.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /25.09.2021