TCM bei COVID-19: Kom­bi­nierte Therapie

Mai 2021 | Coro­na­vi­rus, Medi­zin

In China wur­den mehr als 90 Pro­zent der Pati­en­ten mit einer bestä­tig­ten COVID-19-Erkran­­kung mit Tra­di­tio­nel­ler Chi­ne­si­scher Medi­zin (TCM) behan­delt. Chi­ne­si­schen Stu­dien zufolge kommt es durch eine Kom­bi­na­tion von kon­ven­tio­nel­ler Medi­zin mit TCM zu einem abge­schwäch­ten Ver­lauf der Erkrankung.
Manuela‑C. War­scher

Seit sei­nem ers­ten Auf­tre­ten in Wuhan vor rund ein­ein­halb Jah­ren hat das Corona-Virus mehr als 200 Län­der und Regio­nen welt­weit erfasst. In die­ser Zeit hat die west­li­che medi­zi­ni­sche For­schung Impf­stoffe und Arz­nei­mit­tel zum kura­ti­ven und prä­ven­ti­ven Ein­satz bei COVID-19 auf den Markt gebracht bezie­hungs­weise ihre Wirk­sam­keit und Sicher­heit in kli­ni­schen Stu­dien getes­tet. In der TCM rei­chen die Stra­te­gien zur Prä­ven­tion und Behand­lung von COVID-19 von der Aku­punk­tur über Ernäh­rungs­kon­zepte bis hin zu diver­sen Heil­kräu­ter­re­zep­tu­ren. „TCM hat eine über 2.000-jährige Tra­di­tion und umfang­rei­ches Wis­sen hin­sicht­lich der Dia­gnose und The­ra­pie von epi­de­mi­schen Krank­hei­ten. Sie kann sowohl prä­ven­tiv als auch in der Akut­phase einer Corona-Erkran­­kung oder in der Rekon­va­les­zenz ange­wen­det wer­den“, sagt der All­ge­mein­me­di­zi­ner Richard Seng Tung Schmer­ker, der im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Perch­tolds­dorf auch TCM-Behan­d­­lun­­­gen anbie­tet. „In China hat man bei­spiels­weise ganze Städte prä­ven­tiv mit TCM behan­delt und Rezep­tu­ren in ver­schie­de­nen Krank­heits­sta­dien ein­ge­setzt. Dabei hat sich gezeigt, dass der frühe Ein­satz von TCM oft ein Fort­schrei­ten der Krank­heit ver­hin­dern kann.“

COVID-19: patho­gene Feuchtigkeit

In der TCM spielt der patho­gene Fak­tor „Feuch­tig­keit“ hin­sicht­lich COVID-19 eine ent­schei­dende Rolle. Die Behand­lungs­kon­zepte fokus­sie­ren daher auch auf die Auf­lö­sung der Feuch­tig­keit im frü­hen Krank­heits­sta­dium. Offi­zi­el­len Anga­ben zufolge erhiel­ten in China mehr als 90 Pro­zent der Per­so­nen mit einer bestä­tig­ten COVID-19-Erkran­­kung eine indi­vi­du­elle, auf die Sym­ptome des Pati­en­ten aus­ge­rich­tete und auf Stan­dard­re­zep­tu­ren basie­rende TCM-Behan­d­­lung. „Im Unter­schied zur kon­ven­tio­nel­len west­li­chen Medi­zin geht TCM von der Infek­tion aus und behan­delt das Fort­schrei­ten der Erkran­kung in die Tiefe und damit die unter­schied­li­chen Erkran­kun­gen wie Hus­ten, Fie­ber oder Haut­re­ak­tio­nen“, sagt Schmer­ker. Mehr als 200 COVID-Pati­en­­ten wur­den bis­lang auch in Öster­reich über die Ärzte-Plat­t­­form „TCM Con­nect“ behan­delt. In der wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur wird auf­grund der TCM-Behan­d­­lun­­­gen ein Rück­gang der kli­ni­schen Sym­ptome bei COVID-Pati­en­­ten bei 88,5 Pro­zent dis­ku­tiert. „Stu­dien der Wuhan Shen­gyang Cli­nic mit mehr als 1.200 Pati­en­ten bele­gen sogar eine Ver­bes­se­rung der Sym­ptome bei 97 Pro­zent. Her­vor­zu­he­ben sind Stu­di­en­da­ten, die eine Abschwä­chung der Ver­läufe bei kom­bi­nier­ter The­ra­pie aus kon­ven­tio­nel­ler Medi­zin und TCM bestä­ti­gen“, sagt Schmer­ker. Auf­grund sol­cher Daten sei in China auch die Kom­bi­na­tion der bei­den Medi­zin­rich­tun­gen emp­foh­len wor­den. „Dadurch gab es seit Jän­ner 2021 kaum COVID-Fälle und die Mor­ta­li­tät in China ist gering“, führt Schmer­ker wei­ter aus.

Inte­gra­tion von bei­den Richtungen

Das Natio­nal Health Com­mit­tee in China emp­fiehlt Dia­gnose und Behand­lung nach TCM und der kon­ven­tio­nel­len west­li­chen Medi­zin in inte­grier­ter Form durch­zu­füh­ren. Bei die­sen Emp­feh­lun­gen stüt­zen sich die Exper­ten auf Stu­dien und prak­ti­sche Erfah­run­gen unter ande­rem aus Wuhan. Stu­di­en­da­ten bele­gen, dass leichte Sym­ptome durch eine kom­bi­nierte Behand­lung gelin­dert wur­den und es „nur bei vier Pro­zent der Pati­en­ten zu einem Über­gang von leicht-mit­­­tel­­schwer zu schwer-kri­­tisch kam im Ver­gleich zu der kon­ven­tio­nel­len Behand­lung mit zehn Pro­zent“, so Schmer­ker. Und wei­ter: „Durch den ergän­zen­den holis­ti­schen Zugang von TCM zu Dia­gnose und Behand­lung wurde bei vie­len Pati­en­ten eine posi­tive kli­ni­sche Wirk­sam­keit, eine Bes­se­rung des Blut­bil­des und eine beschleu­nigte Gene­sung unter der Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pie ver­zeich­net“, so Schmer­ker. Chi­ne­si­sche Wis­sen­schaf­ter berich­ten außer­dem von einem Rück­gang der Mor­ta­li­tät bei einer inte­grier­ten Ver­sor­gung. Je nach kli­ni­schen Sym­pto­men und Ver­läu­fen kommt diese Kom­bi­na­tion auch in der Rekon­va­les­zenz der Pati­en­ten zum Ein­satz. „Vor allem Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men nach TCM ver­bes­sern Kör­­per- und Atem­funk­tio­nen der Pati­en­ten“, so Schmerker.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2021