Kurz und infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

Sep­tem­ber 2021 | Medi­zin

Acryl­pflas­ter dich­tet Darm-Lecks

For­scher um Prof. Inge Herr­mann von der Eid­ge­nös­si­schen Mate­­rial- und For­schungs­an­stalt (Empa) haben ein Pflas­ter ent­wi­ckelt, das im Labor eine bis zu zehn­mal höhere Haft­fä­hig­keit auf­weist als kon­ven­tio­nelle Mate­ria­lien. Die bis­lang im Ope­ra­ti­ons­saal ein­ge­setz­ten Eiweiß­pflas­ter sind bei Kon­takt mit Ver­dau­ungs­säf­ten nicht immer dicht und lösen sich zu schnell auf. Das neue gum­mi­ar­tige Pflas­ter besteht aus vier Acryl-Sub­­­stan­­zen, die für eine sta­bile Bin­dung an die Schleim­haut sor­gen, Netz­werke aus­bil­den sowie Sta­bi­li­tät gegen­über Ver­dau­ungs­säf­ten bie­ten und für Was­ser­dicht­heit sor­gen. Dar­über hin­aus haben Ana­ly­sen gezeigt, dass das neu ent­wi­ckelte Hydro­gel das Fünf­fa­che der maxi­ma­len Druck­be­las­tung im Darm aus­hält. APA/​Advanced Func­tio­nal Materials

Kurz­ket­tige Fett­säu­ren hem­men Salmonellen

Das Wachs­tum von Sal­mo­nel­len kann umso mehr gehemmt wer­den, je höher die Fet­t­­säure-Kon­­zen­­tra­­tion in der Darm­flora ist. Das hat ein For­scher­team um Aly­son Hocken­berry von der Schwei­zer Eawag-For­­schungs­­a­b­­tei­­lung Umwelt­bio­lo­gie in Expe­ri­men­ten und mit Hilfe von sto­chas­ti­schen Simu­la­tio­nen nach­ge­wie­sen. Kurz­ket­tige Fett­säu­ren – Stoff­wech­sel­pro­dukte der natür­li­chen Darm­flora – ver­hin­dern das Wachs­tum von Zel­len, die Ent­zün­dun­gen aus­lö­sen. Je höher die Kon­zen­tra­tion der Fett­säu­ren war, desto stär­ker wurde das Wachs­tum gehemmt. Hocken­berry dazu: „Unsere Ergeb­nisse deu­ten dar­auf hin, dass die Stoff­wech­sel­pro­dukte das koope­ra­tive Zusam­men­spiel der Zell­ty­pen beein­flus­sen und dadurch die Aus­brei­tung der Sal­mo­nel­len abschwä­chen kön­nen“. Das könnte eine Erklä­rung dafür sein, wieso Men­schen unter­schied­lich auf eine Sal­mo­nel­len­in­fek­tion reagie­ren.“ APA/​Proceedings of the Natio­nal Aca­demy of Science

Pan­sen­flüs­sig­keit von Rin­dern zer­setzt Plastik

Im Pan­sen, dem größ­ten Rin­der­vor­ma­gen, wer­den natür­li­che Pflan­zen­po­ly­es­ter in Mono­mere und Oli­go­mere zer­setzt. Die For­scher um Doris Ribitsch vom Aus­trian Centre of Indus­trial Bio­tech­no­logy (acib) und der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur Wien ver­mu­ten daher, dass „einige Akti­vi­tä­ten auch für die Hydro­lyse von Plas­tiksor­ten genutzt wer­den kön­nen“. Im Gegen­satz zu den bis­he­ri­gen Metho­den hat Rumen­flüs­sig­keit Poten­tial im Indus­trie­maß­stab. Neben künst­lich her­ge­stell­tem PET konn­ten die For­scher auch zwei bio­lo­gisch abbau­bare Kunst­stoff­sor­ten (PBAT), die sich etwa in kom­pos­tier­ba­ren Plas­tik­sa­ckerln fin­den, erfolg­reich in Pan­sen­flüs­sig­keit tes­ten. „Wir gehen davon aus, dass es auch ein Zusam­men­spiel meh­re­rer aus dem Rin­der­pan­sen iso­lier­ter Enzyme brau­chen wird, um einen Gesamt­ab­bau von Poly­es­ter zu gewähr­leis­ten“, so Ribitsch. Poly­es­ter macht unge­fähr 15 Pro­zent der welt­weit etwa 26 Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik­müll aus. APA/​Frontiers in Bio­en­gi­nee­ring and Biotechnoloy

Hit­ze­pe­ri­ode setzt Methan frei

In Sibi­rien wurde im Vor­jahr auf­grund der Hit­ze­welle eine um fünf Pro­zent erhöhte Methan­­gas-Kon­­zen­­tra­­tion gemes­sen, wie ein For­scher­team um Prof. Niko­laus Froitz­heim vom Insti­tut für Geo­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bonn nach­wei­sen konnte. In die­sem Per­ma­frost­ge­biet sei jedoch wegen der feh­len­den Boden­bil­dun­gen die Zer­set­zung von orga­ni­schen Sub­stan­zen in Böden als Quelle des Methans unwahr­schein­lich, so die For­scher. Viel­mehr sei daher davon aus­zu­ge­hen, dass die bis­her mit Eis und Gas­hy­drat gefüll­ten Kluft- und Höh­len­sys­teme im Kalk­stein durch die Erwär­mung durch­läs­sig gewor­den sind. „Dadurch dürfte Erd­gas, das zum größ­ten Teil aus Methan besteht, aus Lager­stät­ten im und unter dem Per­ma­frost den Weg an die Erd­ober­flä­che gefun­den haben.“ APA/​Proceedings of the Natio­nal Aca­demy of Sciences

Stoff­wech­sel schwankt in ver­schie­de­nen Lebensphasen

Erst­mals haben Wis­sen­schaf­ter den Stoff­wech­sel anhand von 6.400 Per­so­nen aus 29 Län­dern im Alter zwi­schen acht Tagen und 95 Jah­ren unter­sucht. Dem­nach steigt der Ener­gie­be­darf bei Babys sehr rasch an und ist bei Ein­jäh­ri­gen um die Hälfte höher als bei Erwach­se­nen. Wäh­rend der Kind­heit und Ado­les­zenz erreicht der Wert das Durch­schnitts­ni­veau eines Erwach­se­nen und bleibt von 20 bis 60 Jah­ren kon­stant. Durch­ge­führt wurde die Stu­die von einem Team um den US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Wis­sen­schaft­ler Her­mann Pont­zer und in Zusam­men­ar­beit mit Cor­ne­lia Loechl von der Abtei­lung für Ernäh­­rungs- und Gesund­heits­be­zo­gene Stu­dien der Inter­na­tio­na­len Atom­e­ner­­gie-Agen­­tur (IAEA). Die Basis der Stu­die bil­det die Dou­bly Label­led Water-Data­­base der Inter­na­tio­na­len Atom­e­ner­­gie-Agen­­tur (IAEA). Die Pro­ban­den tran­ken mit Was­­ser­­stoff- und Sauer­­stoff-Iso­­to­­pen mar­kier­tes Was­ser. Über Mes­sun­gen des Urins wurde die Stoff­wech­sel­rate bestimmt, da die bei­den Iso­tope unter­schied­lich aus­ge­schie­den wer­den. APA/​Science

Adju­vante Che­mo­the­ra­pie: Ech­t­­zeit-Moni­­to­­ring ver­rin­gert Nebenwirkungen

Wer­den Pati­en­ten im Zuge der adju­van­ten Che­mo­the­ra­pie eng­ma­schig über­wacht, blei­ben die damit asso­zi­ier­ten Neben­wir­kun­gen auf dem Level wie vor der Che­mo­the­ra­pie. Hin­ge­gen kommt es bei Pati­en­ten, die nicht über­wacht wer­den, zur Ver­schlim­me­rung der Sym­ptome. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine in zwölf Län­dern – u.a. auch in Öster­reich – durch­ge­führte mul­ti­zen­tri­sche ran­do­mi­sierte Stu­die mit 829 Pati­en­ten mit nicht-meta­st­asie­­ren­­dem Mama­kar­zi­nom, Colon-Kar­­zi­­nom, Hodgkin und Non-Hodgkin-Lym­­phom. Ziel war es, den Ein­satz von Remote- Über­wa­chungs­tech­no­lo­gien wie ASyMS (Advan­ced Sym­ptom Manage­ment) in der Krebs­the­ra­pie zu eva­lu­ie­ren. ASyMS wurde bei 415 Pati­en­ten ein­ge­setzt; 414 waren in der Kon­troll­gruppe. Gemes­sen wur­den die Schwere der Sym­ptome, Lebens­qua­li­tät, zusätz­li­cher Pfle­ge­be­darf, Angst­stö­run­gen und Arbeits­ein­schrän­kun­gen – in Echt­zeit. Beson­ders im Hin­blick auf Angst­stö­run­gen und Selbst­wirk­sam­keit zeigte das Advan­ced Sym­ptom Manage­ment einen posi­ti­ven Effekt. BMJ

7,8 Pro­zent

der 18- bis 67-jäh­­ri­­gen Öster­rei­cher lei­den an krank­haf­ter Insom­nie. Zu die­sem Ergeb­nis kom­men Priv. Doz. Ste­fan Sei­del (Neu­ro­lo­gie) und Univ. Prof. Eva Schern­ham­mer (Epi­de­mio­lo­gie) von der Med­Uni Wien in einer Online-Befra­­gung von 1.004 Personen.

Robo­ter für mikro­chir­ur­gi­sche Eingriffe

Der Mikro­chir­ur­­gie-Robo­­ter Symani kam kürz­lich am Uni­ver­si­täts­spi­tal Zürich zum Ein­satz: Dabei wur­den im Rah­men eines fünf­stün­di­gen Ein­griffs bei einer Pati­en­tin mit einem Lymphö­dem Ver­bin­dun­gen zwi­schen Lymph­ge­fä­ßen und Venen gelegt. Zwar könn­ten Ope­ra­tio­nen an Blut- und Lymph­ge­fä­ßen oder Ner­ven mit einem Durch­mes­ser von weni­ger als 0,8 Mil­li­me­ter grund­sätz­lich von Hand ebenso gut durch­ge­führt wer­den, erklärte Nicole Lin­den­blatt von der Kli­nik für Plas­ti­sche Chir­ur­gie und Hand­chir­ur­gie, die den Ein­griff durch­führte. Doch mit dem Robo­ter sei es mög­lich, in tie­fere Lagen vor­zu­drin­gen und noch fei­nere Gefäße zu ope­rie­ren. Der Robo­ter wird gänz­lich vom Ope­ra­teur gesteu­ert. Die­ser hält zwei Pin­zet­ten in der Hand; die aus­ge­führ­ten Bewe­gun­gen wer­den auf die Mikro­in­stru­mente über­tra­gen. Mit­tels Kamera wird das Ope­ra­ti­ons­ge­biet auf einem Bild­schirm bis zu 30 Mal ver­grö­ßert dar­ge­stellt. Mit Hilfe einer spe­zi­el­len Brille sieht der Ope­ra­teur das Bild in 3D. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /10.9.2021