Inter­view – Der­ma­to­lo­gie: Für Ein­stei­ger und Profis

Sep­tem­ber 2021 | Medi­zin

Der erst­mals in Öster­reich statt­fin­dende Kon­gress DERM Alpin rich­tet sich sowohl an die­je­ni­gen, die neu in die Der­ma­to­lo­gie ein­stei­gen wol­len als auch an die, die an neu­es­ten Ent­wick­lun­gen inter­es­siert sind. Über die Details infor­miert einer der Kon­­gress-Lei­­ter und Fach­grup­pen­ob­mann für Der­ma­to­lo­gie in der ÖÄK, Johan­nes Neu­ho­fer, im Gespräch mit Agnes M. Mühl­gas­s­ner.

Was waren die Gründe, einen län­der­über­grei­fen­den Kon­gress für Der­ma­to­lo­gie ins Leben zu rufen? In Deutsch­land hat man bereits gute Erfah­run­gen mit einem Der­­ma­­to­­lo­­gie-Kon­­gress gemacht und gese­hen, dass die­ses Thema auch für Kol­le­gen aus ande­ren Fach­ge­bie­ten inter­es­sant ist. Die Der­ma­to­lo­gie hat sich enorm ent­wi­ckelt und geht ins­ge­samt immer mehr in die Breite. Rund 25 Pro­zent der Pati­en­ten, die in die Ordi­na­tio­nen eines All­ge­mein­me­di­zi­ners kom­men, haben der­ma­to­lo­gi­sche Fra­gen. Die Der­ma­to­lo­gie ist ja der­zeit in der Aus­bil­dung weni­ger prä­sent. Viele All­ge­mein­me­di­zi­ner haben den Wunsch, zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, damit sie auch mit dem Thema umge­hen kön­nen. Das haben wir zum Anlass genom­men und die Kon­gress­the­men ent­spre­chend erwei­tert. Genauso kön­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen von benach­bar­ten Fach­grup­pen wie zum Bei­spiel von der Gynä­ko­lo­gie, der HNO, der Rheu­ma­to­lo­gie und auch der Plas­ti­schen Chir­ur­gie von die­sem Kon­gress pro­fi­tie­ren. Wir wol­len eine brei­tere Dar­stel­lung von der­ma­to­lo­gi­schen Aspek­ten bieten.

Was ist das Ziel des Kon­gres­ses? Es geht sehr viel um Inno­va­tio­nen, die für die gesamte Medi­zin Bedeu­tung haben. Das ist etwas, was DERM Alpin möchte: Viele Fächer in die der­ma­to­lo­gi­sche Welt ein­be­zie­hen. Das fin­det sich auch im For­mat des Kon­gres­ses wie­der: Es ist ein neuer, inter­dis­zi­pli­nä­rer Kon­gress, der län­der­über­grei­fend statt­fin­det für den deutsch­spra­chi­gen Raum, also Öster­reich, Deutsch­land, Schweiz und Süd­ti­rol. Einen Der­­ma­­to­­lo­­gie-Kon­­gress in die­ser Form hat es bis­her noch nicht gege­ben: län­der­über­grei­fend und fächer­über­grei­fend. Wir hof­fen, dass es auch zu einer gewis­sen the­ma­ti­schen Über­lap­pung bei den ein­zel­nen Fächern kommt und dass alle dann von den glei­chen Din­gen reden.

Warum sollte man an die­sem Kon­gress teil­neh­men? Er bie­tet Wis­sen für All­ge­mein­me­di­zi­ner, das sie in der Pra­xis brau­chen kön­nen: die Grund­prin­zi­pien der Der­ma­to­lo­gie. Und für Spe­zia­lis­ten gehen wir in die Tiefe mit Vor­trä­gen über neu­este Ent­wick­lun­gen in der Der­ma­to­lo­gie. Der Kon­gress rich­tet sich also sowohl an die, die in die Der­ma­to­lo­gie ein­stei­gen wol­len als auch die, die an neu­es­ten Ent­wick­lun­gen inter­es­siert sind. Es geht um die Basis und um den Fein­schliff. Ebenso ist eine Dis­kus­sion über Tele­der­ma­to­lo­gie vor­ge­se­hen. Dabei sol­len gewisse Ent­wick­lun­gen von nam­haf­ten Spe­zia­lis­ten beleuch­tet werden.

Um wel­che The­men wird es dabei kon­kret gehen? Es gibt Vor­träge zu all­ge­mei­ner Der­ma­to­lo­gie wie zum Bei­spiel zum Aspekt ger­ia­tri­sche Der­ma­to­lo­gie. Es geht aber auch darum, wie man etwa eine Haar­sprech­stunde eta­blie­ren kann. Ein Thema wird die Haut in der Puber­tät sein und bei einem ande­ren Vor­trag geht es darum, wel­chen Stel­len­wert Hor­mone ganz gene­rell bei der Haut haben. Wie­der ein ande­rer Vor­trag befasst sich aus­schließ­lich damit, inwie­fern Adi­po­si­tas als chro­ni­sche Erkran­kung Rele­vanz für die Der­ma­to­lo­gie hat. Und natür­lich wer­den wir uns auch den ver­schie­dens­ten Facet­ten der ästhe­ti­schen Der­ma­to­lo­gie widmen.

Ist es ein Kon­gress in Prä­senz­form oder wird er hybrid abge­hal­ten? Es ist ein rein phy­si­scher Kon­gress. Wir haben uns gedacht: Nach der lan­gen Zeit, in der alle vor dem Lap­top geses­sen sind, wie­der ein per­sön­li­ches Auf­ein­an­der­tref­fen und eine per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zu haben, hat schon seine Vorteile.


KONGRESS DERM Alpin

30. und 31. Okto­ber 2021, Kon­gress­haus Salzburg

Details und Anmel­dung: www.derm-alpin.com


Was kann man sich von der Tele­der­ma­to­lo­gie erwar­ten? Die Tele­der­ma­to­lo­gie wird sich sicher noch wei­ter­ent­wi­ckeln, weil mit den moder­nen Medien die Mög­lich­kei­ten noch viel­fäl­ti­ger wer­den. Man kann damit zum Bei­spiel ein Mut­ter­mal begut­ach­ten, was ja wäh­rend der Lock­downs der Fall war. Aber man kann eine Ver­än­de­rung der Haut nicht tas­ten und ich kann nicht den Men­schen und seine Per­sön­lich­keit mit­ein­be­zie­hen. Ganz anders schaut das zum Bei­spiel bei Neu­ro­der­mi­tis aus. Wenn das ein ner­vö­ser Mensch ist, stellt sich die Frage, ob er viel­leicht Pro­bleme in der Fami­lie hat oder beruf­lich. Man kann die Haut nicht getrennt sehen von der Gesamt­per­sön­lich­keit. Das hat ja Sig­mund Freud schon gesagt: Die Haut ist das Spie­gel­bild der Seele. Und mir per­sön­lich ist es wich­tig, dass ich einen phy­si­schen Kon­takt habe und eine direkte Bezie­hung zum Men­schen. Das wird auch in Zukunft so sein: Der direkte Kon­takt, die direkte Bezie­hung zwi­schen Arzt und Pati­ent ist sinnvoll.

Der­ma­to­lo­gie kann man dem­zu­folge nicht tele­me­di­zi­nisch ler­nen – oder? Der­ma­to­lo­gie ist kein Blät­tern im Bil­der­buch. Man kann nicht nur sagen: Das schaut so aus und das so. Man muss sich mit dem gan­zen Men­schen aus­ein­an­der­set­zen und die Krank­heit in den Kon­text zur Gesamt­per­sön­lich­keit brin­gen. Man­che Men­schen bewer­ten Baga­telle extrem hoch und andere wie­der baga­tel­li­sie­ren krank­hafte Ver­än­de­run­gen. Man muss sich selbst ein Bild von dem machen, was der Pati­ent prä­sen­tiert und ver­su­chen, die Bedeu­tung die­ses The­mas dem Pati­en­ten näher­zu­brin­gen. Das ist zum Bei­spiel etwas, was über Tele­der­ma­to­lo­gie nur schwer geht. Das ist nur im direk­ten Arzt-Pati­en­­ten-Kon­­takt mög­lich. Ärzt­li­che Kunst geht nicht über Algo­rith­men. Ärzt­li­che Kunst geht tiefer.

Wie kann man junge Kol­le­gen moti­vie­ren, sich für das Fach Der­ma­to­lo­gie zu ent­schei­den? Die Der­ma­to­lo­gie kann eine Geschichte erzäh­len, die einen oft tief in den Kör­per und in die Seele bli­cken lässt. Man hat das Glück, dass man die Haut direkt betrach­ten kann, ohne dass man irgend­wel­che Instru­mente braucht, um Rück­schlüsse zu zie­hen und oft auch keine wei­tere Abklä­run­gen braucht, um dann die Erkran­kung zu dia­gnos­ti­zie­ren. Das ist etwas, was Fas­zi­nie­rend ist.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /10.9.2021