All­er­gien bei Kin­dern: Der­ma­ti­tis mit Folgen

27.09.2021 | Medi­zin

Kin­der ent­wi­ckeln initial meist ein ato­pi­sches Ekzem oder eine ato­pi­sche Der­ma­ti­tis – und haben dann ein höhe­res Risiko, auch eine Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie zu ent­wi­ckeln. Diese ste­hen in den ers­ten Lebens­jah­ren im Vor­der­grund; ab dem Schul­al­ter sind es haupt­säch­lich inha­la­tive Allergien.
Sophie Fessl

Wel­che All­er­gene bei Kin­dern eine Rolle spie­len, ver­än­dert sich im Laufe der Kind­heit. Wäh­rend in den ers­ten Jah­ren Nah­rungs­mit­tel als All­er­gene im Vor­der­grund ste­hen, gewin­nen inha­la­tive All­er­gene rund um die Ein­schu­lung an Bedeu­tung. „Warum es zu die­ser Ver­än­de­rung kommt, ist nicht offen­kun­dig“, erläu­tert Univ. Prof. Zsolt Szép­fa­lusi vom Bereich Pneu­mo­lo­gie und All­er­go­lo­gie der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Kin­­der- und Jugend­heil­kunde am AKH Wien. „Inha­la­tive All­er­gene wie Pilze, Mil­ben oder Pol­len sind schon beim Säug­ling in der Umwelt vor­han­den. Trotz­dem rufen in die­sem Lebens­al­ter vor allem Nah­rungs­mit­tel eine All­er­gie hervor.“

Die gene­ti­sche Prä­dis­po­si­tion ist ein wich­ti­ger Risi­ko­fak­tor. „Ein all­er­gi­scher, ato­pi­scher Eltern­teil erhöht das Risiko auf 30 Pro­zent. Sind beide Eltern betrof­fen, ist das Risiko, auch eine all­er­gi­sche Erkran­kung zu erlei­den, bei min­des­tens 50 Pro­zent“, berich­tet Univ. Prof. Angela Zach­a­ra­sie­wicz von der Abtei­lung für Kin­­der- und Jugend­heil­kunde der Kli­nik Otta­kring in Wien. Gleich­zei­tig bestehe aber keine mono­ge­ne­ti­sche Kau­sa­li­tät, ergänzt Univ. Prof. Tho­mas Eiweg­ger von der Kli­ni­schen Abtei­lung für Kin­­der- und Jugend­heil­kunde am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum St. Pölten.

Ato­pi­schen Marsch aufhalten

All­er­gien bei Kin­dern mani­fes­tie­ren sich oft als all­er­gi­sche Rhi­ni­tis oder Kon­junk­ti­vi­tis und als all­er­gi­sches Asthma. Hier gelte es, das sequen­ti­elle Fort­schrei­ten des all­er­gi­schen Sym­pto­men­kom­ple­xes, den soge­nann­ten ato­pi­schen Marsch, auf­zu­hal­ten, erklärt Eiweg­ger. „Meist ent­wi­ckeln Kin­der initial ein ato­pi­sches Ekzem oder eine ato­pi­sche Der­ma­ti­tis. Sie haben dann eine höhere Chance, auch eine Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie zu ent­wi­ckeln.“ Rund zehn bis 15 Pro­zent der Kin­der mit einer leich­ten ato­pi­schen Der­ma­ti­tis ent­wi­ckeln eine Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie bezie­hungs­weise Nah­rungs­mit­tel kom­men bei ihnen als ver­stär­kende Aus­lö­ser der Der­ma­ti­tis hinzu. Bei schwe­rer ato­pi­scher Der­ma­ti­tis steigt die­ser Anteil auf bis zu 30 Pro­zent der Kinder.

Obwohl Stil­len einen leicht posi­ti­ven Effekt auf die Ent­wick­lung der ato­pi­schen Der­ma­ti­tis hat, ist der kom­plexe Zusam­men­hang zwi­schen Stil­len und All­er­gien nicht voll­stän­dig geklärt, berich­tet Eiweg­ger. „Stil­len wird aus päd­ia­tri­scher Sicht jeden­falls emp­foh­len, da es sehr viele posi­tive Effekte hat. Aller­dings kann man mit Stil­len keine All­er­gien ver­hin­dern oder ver­mei­den.“ Eine früh­zei­tige Ein­füh­rung einer alters­ge­rech­ten und diver­sen Ernäh­rung wirkt sich hin­ge­gen posi­tiv auf die Ent­wick­lung von Nah­rungs­mit­tel­all­er­gien aus. „Eine euro­päi­sche Stu­die konnte zei­gen, dass Kin­der bei einer schritt­wei­sen Ein­füh­rung von Bei­kost in adäqua­ter Form – erst püriert, dann alters­ge­recht auf­be­rei­tet – sel­te­ner Nah­rungs­mit­tel­all­er­gien ent­wi­ckeln. Eine Ver­mei­dung von Nah­rungs­mit­teln bringt jedoch kei­ner­lei Vor­teile.“ Risi­ko­fak­to­ren für ein all­er­gi­sches Asthma hin­ge­gen sind man­che respi­ra­to­ri­sche Virus­in­fekte im frü­hen Kin­des­al­ter, vor allem Rhi­no­vi­rus Typ C. Ebenso erhö­hen Tabak­rau­chen in der Schwan­ger­schaft und Expo­si­tion gegen­über ETS (envi­ron­men­tal Tob­acco smoke) das Risiko, Asthma zu ent­wi­ckeln, deut­lich, führt Zach­a­ra­sie­wicz wei­ter aus. „Stren­gere Tabak­ge­setze haben hier zu einer sta­tis­tisch signi­fi­kan­ten Abnahme der Asthma Exazer­ba­tio­nen und Hos­pi­ta­li­sie­run­gen geführt.“

Chance auf Allergie-Verlust

All­er­gien gegen Grund­nah­rungs­mit­tel wie Milch, Ei, Wei­zen oder Soja tre­ten begin­nend mit dem Klein­kin­des­al­ter auf; bereits mit Ein­füh­rung der Bei­kost mit vier Mona­ten. Aller­dings besteht auch eine große Chance, dass Kin­der diese All­er­gien wie­der ver­lie­ren: Bis zu 80 Pro­zent der auf Milch all­er­gi­schen Kin­der haben diese All­er­gie im Alter von sechs Jah­ren wie­der ver­lo­ren; bei einer Ei-All­er­­gie liegt die­ser Anteil bei 60 bis 70 Pro­zent. Nah­rungs­mit­tel­all­er­gien gegen All­er­gene wie Baum­nüsse, Erd­nuss, Fisch und Mee­res­früchte habe eine höhere Wahr­schein­lich­keit, zu per­sis­tie­ren. Gene­rell gilt: Je schwe­rer die Aus­prä­gung und posi­ti­ver die All­er­gie­tests aus­fal­len, desto gerin­ger ist die Chance, eine Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie wie­der zu verlieren.

Bereits ab dem Säug­lings­al­ter sind Prick- und Blut­test zur Abklä­rung einer poten­ti­el­len All­er­gie durch­führ­bar. Die Exper­ten beto­nen die Wich­tig­keit der genauen Dia­gno­se­stel­lung. „Falls ein All­er­gie­test posi­tiv aus­fällt, müs­sen wir sicher­stel­len, dass das Ergeb­nis auch kli­ni­sche Rele­vanz hat. Bei einer asym­pto­ma­ti­schen Sen­si­bi­li­sie­rung fällt der Test posi­tiv aus, der Pati­ent reagiert aber nicht all­er­gisch“, betont Eiweg­ger. Häu­fig zei­gen Kin­der, bevor sie tat­säch­lich all­er­gisch auf Erd­nuss oder Baum­nüsse reagie­ren, ein posi­ti­ves Test­ergeb­nis und eine Sen­si­bi­li­sie­rung im All­er­gie­test, aber zeig­ten zum Test­zeit­punkt noch keine all­er­gi­sche Reak­tion. „Wenn bei die­sen Kin­dern mit asym­pto­ma­ti­scher Sen­si­bi­li­sie­rung das Nah­rungs­mit­tel in adäqua­ter Form ein­ge­führt wird etwa als gerie­bene Nüsse, kann das Ent­ste­hen der All­er­gie ver­hin­dert wer­den. Wer­den die Kin­der nur auf­grund des posi­ti­ven Test­ergeb­nis­ses auf eine Ver­mei­dungs­diät setzt, besteht eine hohe Chance, dass sie diese All­er­gien spä­ter entwickeln.“

Eine kon­trol­lierte Nah­rungs­mit­tel­ex­po­si­tion in einem Kran­ken­haus sei laut Eiweg­ger ein stan­dar­di­sier­tes dia­gnos­ti­sches Ver­fah­ren mit vie­len Vor­tei­len. „Bei der kon­trol­lier­ten Pro­vo­ka­tion wird mit mini­ma­len Men­gen des suspek­ten All­er­gens begon­nen, um zu sehen, ob ein Kind all­er­gisch reagiert. Sobald eine Reak­tion beob­ach­tet wird, wird behan­delt. Das Set­ting ist so auf­ge­baut, dass im Regel­fall keine schwe­ren Reak­tio­nen auf­tre­ten. Sollte es dazu kom­men, kann man im Kran­ken­haus sofort adäquat reagie­ren.“ Einer­seits bie­tet die kon­trol­lierte Pro­vo­ka­tion die Mög­lich­keit, asym­pto­ma­tisch sen­si­bi­li­sier­ten Kin­dern in wei­te­rer Folge prä­ven­tiv das Nah­rungs­mit­tel zuzu­füh­ren. Ande­rer­seits wer­den bei kli­ni­scher Rele­vanz nach einem Pro­vo­ka­ti­ons­test nur kon­krete Emp­feh­lun­gen zur Ver­mei­dung von Nah­rungs­mit­teln aus­ge­spro­chen, gegen die ein Kind tat­säch­lich all­er­gisch ist.

Bei Ver­dacht auf eine Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie sollte daher unbe­dingt ein Spe­zia­list hin­zu­ge­zo­gen und nicht ohne wei­tere Abklä­rung die Ernäh­rung lang­fris­tig ein­ge­schränkt wer­den, betont Eiweg­ger. „Es wer­den zu wenige Pro­vo­ka­ti­ons­tests durch­ge­führt, denn es wird unter­schätzt, dass Pati­en­ten mit Nah­rungs­mit­tel­all­er­gien eine mas­sive Ein­schrän­kung ihrer Lebens­qua­li­tät erfah­ren. Daher muss die Dia­gnose adäquat gestellt wer­den, damit nur Kin­der mit einer tat­säch­li­chen All­er­gie auch ein Nah­rungs­mit­tel vermeiden.“

Wie­der­holte Provokationstests

Beson­ders bei Kin­dern mit All­er­gien gegen Haupt­nah­rungs­mit­tel sollte mit Hilfe von wie­der­hol­ten Pro­vo­ka­ti­ons­tests über­prüft wer­den, ob diese das Nah­rungs­mit­tel wie­der ver­tra­gen. Jedes Kind mit einer sys­te­mi­schen Reak­tion gegen ein Nah­rungs­mit­tel sollte so Eiweg­ger einen Not­fall­plan und einen Adre­na­lin Auto-Inje­k­­tor haben. Eine orale bezie­hungs­weise sub­lin­guale Immun­the­ra­pie für Kin­der mit einer Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie ist mög­lich, aller­dings in Öster­reich noch nicht weit ver­brei­tet, berich­tet Eiweg­ger. „Es ist eine sehr auf­wän­dige Immun­the­ra­pie­form, die viel Auf­klä­rung für die Pati­en­ten bedarf. Diese Immun­the­ra­pie ist wirk­sam, darf aber nur in Zen­tren mit Erfah­rung durch­ge­führt werden.“

Bei Kin­dern, die auf­grund einer Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie ein all­er­gi­sches Asthma ent­wi­ckeln, ist die adäquate Behand­lung des Asth­mas ent­spre­chend der Stu­fen­the­ra­pie beson­ders wich­tig. „Wenn Kin­der mit Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie nach einer Expo­si­tion eine Ana­phy­la­xie erlei­den, so wis­sen wir, dass Kin­der mit unkon­trol­lier­tem Asthma schwere Ver­läufe bis hin zum Tod zei­gen“, erläu­tert Eiwegger.

Ein zwei­ter Gip­fel an Nah­rungs­mit­tel­all­er­gien tritt im Jugend­li­chen­al­ter auf, wenn Jugend­li­che mit einer inha­la­ti­ven All­er­gie eine Kreuz­all­er­gie auf­wei­sen. Diese Form der Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie ist in der Bevöl­ke­rung und auch unter Kin­dern die häu­fi­gere, berich­tet Szép­fa­lusi. Wäh­rend rund zehn Pro­zent der Jugend­li­chen eine Kreuz­all­er­gie ent­wi­ckeln, ent­wi­ckeln nur ein bis zwei Pro­zent der Kin­der eine All­er­gie gegen Grund­nah­rungs­mit­tel, Baum­nüsse oder Erd­nüsse. „Die Reak­ti­ons­form der Kreuz­all­er­gie fällt deut­lich unter­schied­lich aus als die pri­märe All­er­gie bei Säug­lin­gen, bei denen die Ana­phy­la­xie eine viel grö­ßere Bedeu­tung hat.“

Ab dem Schul­al­ter wer­den inha­la­tive All­er­gene bedeut­sam, vor allem Baum‑, Gräser‑, Bei­­fuß- und Rag­weed­pol­len, sowie Haus­staub­mil­ben, Schim­mel­pilz und Tier­haare. Als all­er­gi­sche Krank­heits­bil­der tre­ten hier einer­seits die all­er­gi­sche Rhi­no­kon­junk­ti­vi­tis, ande­rer­seits das all­er­gi­sche Asth­mabron­chiale auf. Hin­weise auf eine all­er­gi­sche Rhi­no­kon­junk­ti­vi­tis sind Augen­ju­cken, trä­nende Augen, Nie­sen, Jucken, rin­nende Nase mit kla­rem Sekret. Diese Sym­ptome tre­ten vor allem in bestimm­ten Lebens­si­tua­tio­nen auf. Auf Asth­mabron­chiale deu­ten Pfei­fen, Gie­men, keu­chende Atmung vor allem bei kör­per­li­cher Anstren­gung und das typi­sche „whee­zing“ hin. „Manch­mal zeigt sich auch plötz­li­che Atem­not und chro­ni­scher tro­cke­ner Hus­ten, zeit­weise ein Enge­ge­fühl in der Brust und Ver­stär­kung der Beschwer­den zu bestimm­ten Tages­zei­ten oder unter kör­per­li­cher Belas­tung sind eben­falls typisch“, erläu­tert Zacharasiewicz.

Die Nei­gung des Kör­pers, auf All­er­gene mit einer Sen­si­bi­li­sie­rung oder einer all­er­gi­schen Reak­tion zu reagie­ren, ist ten­den­ti­ell gene­tisch ver­erbt. Diese Nei­gung kann sich auch als Neu­ro­der­mi­tis oder ato­pi­sche Der­ma­ti­tis zei­gen, die sich in den ers­ten Lebens­wo­chen bei bis zu 20 Pro­zent der Kin­der mani­fes­tiert. All­er­gi­sche Haut­re­ak­tio­nen im Sinn einer ato­pi­schen Der­ma­ti­tis sind juckende Haut, Rötung, Schup­pung mit häu­fi­ger Loka­li­sa­tion an den Prä­di­lek­ti­ons­stel­len in Knie­keh­len, Ellen­beu­gen und im Gesicht. „Diese tre­ten zumeist stär­ker in der kal­ten Jah­res­zeit auf, wenn die Luft tro­cken ist“, berich­tet Zach­a­ra­sie­wicz aus der Praxis.

Sobald Ver­dacht auf eine Kau­sa­li­tät zwi­schen All­er­gen und Beschwer­den besteht oder der Ver­dacht auf eine sai­so­nale Ver­schlech­te­rung der Sym­pto­ma­tik vor­liegt, sollte eine All­er­­gie-spe­­zi­­fi­­sche Abklä­rung erfol­gen, so Szép­fa­lusi. Auch bei inha­la­ti­ven All­er­ge­nen und bei Ver­dacht auf Insek­ten­gift­all­er­gie gibt es keine Alters­li­mi­ta­tion der All­er­gie­tests; Prick- und Blut­tests kön­nen ab dem Säug­lings­al­ter durch­ge­führt werden.

Beson­der­heit Neurodermitis

Eine Beson­der­heit betrifft die Neu­ro­der­mi­tis. Hier zei­gen 50 bis 60 Pro­zent der Kin­der beim Prick­test oder IgE-Test eine Sen­si­bi­li­sie­rung, diese ist aller­dings nur bei zehn Pro­zent kli­nisch rele­vant. „Da viele posi­tive Ergeb­nisse nicht kli­nisch rele­vant sind, sollte ein Kind mit Neu­ro­der­mi­tis nicht auto­ma­tisch auf eine Sen­si­bi­li­sie­rung getes­tet wer­den, son­dern nur bei Ver­dacht, dass ein bestimm­tes Nah­rungs­mit­tel Beschwer­den her­vor­ruft“, erläu­tert Szép­fa­lusi. Aus einem Sicher­heits­ge­dan­ken her­aus werde oft zu rasch gera­ten, ein poten­ti­el­les All­er­gen aus der Ernäh­rung weg zu las­sen, weiß Szép­fa­lusi. „So wer­den aus nicht-all­er­­gi­­schen Kin­dern all­er­gi­sche Kin­der gemacht. Aber wir behan­deln kein IgE. Wir behan­deln Allergien.“

Inha­la­tive All­er­gien und Insek­ten­gift­all­er­gie kön­nen dem Exper­ten zufolge auch bei Kin­dern gut mit Immun­the­ra­pie­kau­sal behan­delt wer­den. Aller­dings müsse man dar­auf bestehen, dass bei Extrak­ten, die bei Kin­dern zum Ein­satz kom­men, eine aus­rei­chende Daten­lage aus Stu­dien an Kin­dern und Jugend­li­chen vor­han­den ist. „Es bedarf einer suf­fi­zi­en­ten Evi­denz, um die Pro­dukte in der Päd­ia­trie emp­feh­len zu kön­nen. Aber es gibt grund­sätz­lich genug Pro­dukte am Markt, dass wir alle Patien ten­grup­pen adäquat behan­deln kön­nen, so die Indi­ka­tion dazu besteht.“

Eine Immun­the­ra­pie kann sowohl mit­tels täg­li­cher sub­lin­gua­ler Gabe als auch durch regel­mä­ßige sub­ku­tane Gabe durch­ge­führt wer­den. Aller­dings sollte genau abge­wo­gen wer­den, ob eine lang­dau­ernde Immun­the­ra­pie für das Kind und die Fami­lie die ange­brachte Behand­lungs­me­thode ist. „Auch die Belas­tung spielt eine Rolle: Eine All­er­gie auf Baum­pol­len, die vier Wochen im Jahr Sai­son haben, kann auch gut mit Anti­hist­ami­nika behan­delt wer­den. Bei einer All­er­gie auf Grä­ser­pol­len hin­ge­gen dau­ert die Sai­son über vier Monate an.“ Bei All­er­gien mit län­ge­ren Sai­so­nen emp­fiehlt Szép­fa­lusi daher eher, eine Immun­the­ra­pie anzudenken.

Ein wei­te­rer Grund­pfei­ler der The­ra­pie ist die All­er­gen­ver­mei­dung, betont Zach­a­ra­sie­wicz. „Die The­ra­pie all­er­gi­scher Erkran­kun­gen beginnt mit dem Ver­mei­den der All­er­gen­quelle, sofern mög­lich sowie einer Reduk­tion der Expo­si­tion und All­er­gen­kon­zen­tra­tion etwa durch Milbensanierungsmaßnahmen.“

Anti­hist­ami­nika kön­nen bei Kin­dern bei Rhi­no­kon­junk­ti­vis ein­ge­setzt wer­den, unter­stützt durch topi­sche Ste­ro­ide für Nase, Augen, Haut und Bron­chien. „Zumeist ist eine Kom­bi­na­tion von meh­re­ren Maß­nah­men im Sinne von All­er­gen­ver­mei­dung, Sym­ptom­lin­de­rung und ursa­chen­spezi fischer The­ra­pie am sinn­volls­ten“, berich­tet Zach­a­ra­sie­wicz. Akute Lin­de­rung von Atem­be­schwer­den kön­nen inha­la­tive Beta-Mime­­tika brin­gen sowie bei all­er­gi­schem Schock sofort Adre­na­lin als Injek­tor. „Diese Maß­nahme ist ins­be­son­dere bei schwe­rer Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie oder Insek­ten­gift­all­er­gie lebensrettend.“

Bei schwe­rem the­ra­pie­re­frak­tä­rem Asthma kön­nen auch bei Kin­dern Bio­lo­gika zum Ein­satz kom­men – aller­dings nur dann, wenn alle ande­ren the­ra­peu­ti­schen Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft sind. „Orale Ste­ro­ide gehö­ren nicht mehr zur emp­foh­le­nen The­ra­pie“, erläu­tert Zach­a­ra­sie­wicz. Und wei­ter: „Sind diese nötig, um Beschwer­den dau­er­haft zu unter­drü­cken oder sind diese mehr­mals im Not­fall zur Anwen­dung gekom­men, soll­ten statt­des­sen gemäß den Emp­feh­lun­gen von GINA und AWMF Bio­lo­gika ein­ge­setzt wer­den, da hier weni­ger Neben­wir­kun­gen zu erwar­ten sind.“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /25.09.2021