Stand­punkt Johan­nes Stein­hart: Dar­auf kann man sich verlassen

10.03.2021 | Aktuelles aus der ÖÄK

© Gregor Zeitler

Das Enga­ge­ment der Ärz­te­schaft bei der bis­he­ri­gen Impf­ak­tion ist über­wäl­ti­gend – sei es in den Impf­stra­ßen oder ande­ren Aktio­nen. Diese bemer­kens­werte Leis­tung reiht sich naht­los ein in die zahl­rei­chen ande­ren Akti­vi­tä­ten, die Ärz­tin­nen und Ärzte im Rah­men der bis­he­ri­gen Pan­de­mie­be­kämp­fung gesetzt haben oder kon­struk­tiv mit­ge­ar­bei­tet haben. Zumin­dest, wenn die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen auf Augen­höhe mit uns gear­bei­tet und unsere Exper­tise ange­nom­men haben. Mit unse­rer Hilfe kön­nen auch in kür­zes­ter Zeit kom­plexe Pro­jekte pro­blem­los abge­wi­ckelt wer­den – das haben wir deut­lich gezeigt. Wir erwar­ten von unse­ren Sys­tem­part­nern, dass das auch nach die­ser Pan­de­mie in den Köp­fen ver­an­kert bleibt. 

Im Kopf ver­an­kert blei­ben sollte auch der krea­tive Umgang der Öster­rei­chi­schen Gesund­heits­kasse mit den eige­nen Ein­schät­zun­gen zur Finanz­ge­ba­rung. Wie in der GKK-Zeit, in der man schon gele­gent­lich hun­derte Mil­lio­nen Euro dane­ben­lag, hat­ten die Geba­rungs­vor­schauen und Schät­zun­gen auch 2020 nichts mit den tat­säch­li­chen Zah­len zu tun. Nach­dem zwi­schen­zeit­lich von der ÖGK-Spitze ein Minus von einer Mil­li­arde Euro her­bei­ge­rech­net wurde, stieg man am Jah­res­ende mit einem mini­ma­len Fehl­be­trag aus. Sogar der Dach­ver­band der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger meint öffent­lich, dass mit den Schät­zun­gen hier teil­weise par­tei­po­li­ti­sche Panik­ma­che betrie­ben wird und kri­ti­siert das Spiel mit der Angst der Men­schen. Fest­zu­hal­ten ist also, dass es sich bei den Pro­gno­sen der ÖGK nicht um ernst­zu­neh­mende Ein­schät­zun­gen handelt.

Nun, da die Öster­rei­chi­sche Gesund­heits­kasse aber trotz schlim­mer Befürch­tun­gen wirt­schaft­lich ein­mal mehr bes­ser als gedacht durch das Jahr gekom­men ist, gehen wir davon aus, dass man jetzt wie­der aktiv mit­hel­fen wird, die Pro­bleme im öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tem zu lösen. Die Liste wäre ja lang: Arbeits­be­din­gun­gen für Kas­sen­ärzte ver­bes­sern, um dem Ärz­te­man­gel ent­ge­gen­zu­tre­ten, eine zukunfts­si­chere Har­mo­ni­sie­rung von Leis­tun­gen und Hono­ra­ren, die Eta­blie­rung abre­chen­ba­rer tele­me­di­zi­ni­scher Pos­ten und so wei­ter. Die Befürch­tung ist aber eher, dass man kas­sen­sei­tig wie­der mit dem Hin­weis auf schwere wirt­schaft­li­che Zei­ten den Spar­stift bei uns Ärz­ten anset­zen möchte. Wir wer­den hier im Sinne einer ver­nünf­ti­gen, lösungs­ori­en­tier­ten und lang­fris­tig ver­tret­ba­ren Gesund­heits­po­li­tik beson­ders wach­sam sein müs­sen. Denn man kann sich offen­sicht­lich nicht auf alles ver­las­sen.

Dr. Johan­nes Stein­hart
Vize-Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2021