Qua­li­tät in der Medi­zin: Glei­che Stan­dards setzen

August 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Ordi­na­tio­nen und Spi­tä­ler sol­len ähn­li­che Stan­dards haben. Die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­ma­nage­ment (ÖQMED) befasst sich mit der Eva­lu­ie­rung, Mes­sung und Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät in den Arzt­pra­xen. Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren hel­fen, die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung zu beschreiben.
Sophie Nie­denzu

Alle fünf Jahre. In die­sem Zyklus wer­den etwa 20.000 Arzt­pra­xen in Öster­reich eva­lu­iert. Die Grund­lage für die gesetz­li­che Eva­lu­ie­rung fußt in der Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­ord­nung. Sie wird nach Vor­ga­ben des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­ma­nage­ment (ÖQMED) erar­bei­tet. Wie sich das Exper­ten­gre­mium zusam­men­setzt, ist klar gere­gelt. Ziel ist die breite Ein­bin­dung der Inter­es­sens­grup­pen. Den Vor­sitz führt eine Ver­tre­te­rin der Gesund­heit Öster­reich GmbH. Neben Ver­tre­tun­gen der Ärz­te­schaft gehö­ren auch Exper­ten des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit, der Bun­des­län­der, der Sozi­al­ver­si­che­run­gen, der Pati­en­ten­ver­tre­tung, der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten, der Bun­des­ar­bei­ter­kam­mer und der pri­va­ten Kran­ken­an­stal­ten dem wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat an. „Der breite Erfah­rungs­schatz der Exper­ten aus den ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen garan­tiert unter der sach­kun­di­gen Füh­rung der Ver­tre­tung der Gesund­heit Öster­reich GmbH ein hohes fach­li­ches Niveau in Fra­gen der Qua­li­täts­si­che­rung“, sagt der stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende, Artur Wech­sel­ber­ger (siehe Inter­view). Auf­gabe des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats ist es, die Organe der ÖQMED und der ÖÄK in Bezug auf die gesetz­li­chen Auf­ga­ben in der Qua­li­täts­si­che­rung zu bera­ten. Ziel sind ein­heit­li­che Qua­li­täts­stan­dards in der Medi­zin. In den Spi­tä­lern bestehen die Rege­lun­gen schon län­ger, mit dem Gesund­heits­qua­li­täts­ge­setz zie­hen Ordi­na­tio­nen mit den Spi­tä­lern gleich.

Fach­li­che Qualität

Grund­sätz­lich ist das Qua­li­täts­ma­nage­ment Auf­gabe der Ordi­na­ti­ons­in­ha­ber. Diese müs­sen die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen, um die gesetz­lich vor­ge­schrie­bene und all­ge­mein erwar­tete Qua­li­tät der ange­bo­te­nen ärzt­li­chen Leis­tun­gen auch tat­säch­lich erbrin­gen zu kön­nen. Der Bogen spannt sich über viele The­men: Erreich­bar­keit, eigene fach­li­che Qua­li­tät, Qua­li­fi­ka­tion der Mit­ar­bei­ter, Hygiene, geset­zes­kon­for­mer Umgang mit Medi­ka­men­ten und Medi­zin­pro­duk­ten zäh­len ebenso dazu wie die fach­ge­rechte Doku­men­ta­tion. Beson­de­res Augen­merk gilt der Ein­hal­tung der Pati­en­ten­rechte, der Pati­en­ten­si­cher­heit sowie der Zusam­men­ar­beit mit den Ver­­­trags- und Sys­tem­part­nern. Zur Qua­li­tät in der Medi­zin zählt auch die Qua­li­tät von Pro­zess­ab­läu­fen in den Ordi­na­tio­nen und die Mes­sung der Ergeb­nis­qua­li­tät, bei­spiels­weise durch Pati­en­ten­be­fra­gun­gen. Um erbrachte Leis­tun­gen und Behand­lungs­er­geb­nisse zu ana­ly­sie­ren und zu bewer­ten, wer­den auch Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren ver­wen­det. Sie zei­gen an, ob ein Ziel erreicht, zum Teil erreicht oder nicht erreicht wurde. Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren hel­fen, eine zunächst nicht mess­bare Qua­li­tät der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung in einer mess­ba­ren Größe zu beschrei­ben. So wird die Qua­li­tät in den Kran­ken­häu­sern öster­reich­weit ein­heit­lich mit Hilfe des Sys­tems A‑IQI (Aus­trian Inpa­ti­ent Qua­lity Indi­ca­tors) geprüft. Es besteht aus zwei wesent­li­chen Ele­men­ten – den Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren und dem Ana­ly­se­instru­ment eines Peer-Review-Ver­­­fah­­rens: „Kol­le­gen bemü­hen sich, Ver­bes­se­rungs­po­ten­ziale in der eige­nen Orga­ni­sa­tion anhand von Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren zu iden­ti­fi­zie­ren und dar­auf auf­bau­end gemein­sam Ver­bes­se­rungs­maß­nah­men fest­zu­le­gen“, sagt Wech­sel­ber­ger. Noch heuer soll ein ähn­li­ches Sys­tem, A‑OQI (Aus­trian Out­pa­ti­ent Qua­lity Indi­ca­tors), im nie­der­ge­las­se­nen Bereich imple­men­tiert wer­den. Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren kön­nen etwa War­te­zei­ten, Teil­nahme an Qua­li­täts­ma­nage­ment­pro­gram­men oder die Häu­fig­keit der Durch­füh­rung bestimm­ter Kon­troll­un­ter­su­chun­gen sein. Die Peer Reviews wer­den in spe­zi­el­len Qua­li­täts­zir­keln der teil­neh­men­den Ärzte durchgeführt.

Qua­li­täts­ver­bes­se­rung

Die ÖQMED eva­lu­iert nicht nur die Arzt­pra­xen, son­dern bie­tet dar­über hin­aus wei­tere Mög­lich­kei­ten, die Qua­li­tät in den Arzt­pra­xen zu ver­bes­sern. Neben der Unter­stüt­zung und Bera­tung bei der Imple­men­tie­rung des Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tems ÖQM, der Orga­ni­sa­tion von Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen oder der Erar­bei­tung von Arti­keln zum E‑Learning gehört auch das Feh­ler­mel­de­sys­tem CIRS Medi­cal dazu. (sni)

Info: Das 1x1 der ärzt­li­chen Qua­li­täts­eva­lu­ie­rung fin­den Sie auf: www.oeqmed.at/handbuch

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 12 /​25.06.2021