Dia­be­tes: Coro­nas bit­te­rer Nachgeschmack

August 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Die Corona-Pan­­de­­mie ist noch lange nicht vor­bei; doch bereits jetzt ist klar, dass sie gesund­heit­li­che Kol­la­te­ral­schä­den nach sich zie­hen wird. Neben den ganz direk­ten Aus­wir­kun­gen, wie den wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Lock­downs, wer­den psy­chi­sche Erkran­kun­gen und die Fol­gen von unge­sun­den Lebens­sti­len das öster­rei­chi­sche Gesund­heits­sys­tem nach­hal­tig prä­gen und ver­än­dern. Die Öster­rei­chi­sche Dia­be­tes Gesell­schaft warnt vor gesund­heit­li­chen Konsequenzen.
Vik­to­ria Frieser

Wäh­rend den Lock­downs im ver­gan­ge­nen Jahr ver­brach­ten die Öster­rei­cher den Groß­teil ihrer Frei­zeit in ihren eige­nen vier Wän­den. Diese man­gelnde Bewe­gung und gesamt­ge­sell­schaft­li­che Gewichts­zu­nahme wird nun spür­bar und erhöht das Risiko, an Dia­be­tes zu erkran­ken. Die Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer erhebt nun in einer gemein­sa­men Stu­die mit der Öster­rei­chi­schen Dia­be­tes Gesell­schaft (ÖDG) die Dun­kel­zif­fer und die Ver­sor­gungs­stan­dards bei Typ-2-Dia­­be­­tes. Mit­tels einer groß­an­ge­leg­ten Stu­die wer­den 2.500 Pati­en­ten bei nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten befragt. Ziel ist es, die aktu­el­len Schät­zun­gen von rund 700.000 Betrof­fe­nen zu veri­fi­zie­ren und eine sta­bile Daten­ba­sis zu schaf­fen. Aktu­elle Schät­zun­gen basie­ren der­zeit nur auf klei­ne­ren Stu­dien und der Hoch­rech­nung inter­na­tio­na­ler Zah­len. Für eine effek­tive Ver­sor­gung und Res­sour­cen­pla­nung sind jedoch belast­bare Zah­len unerlässlich.

Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ergreifen

ÖÄK-Prä­­si­­dent Tho­mas Sze­ke­res betonte im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz die Rolle der Ärz­te­schaft bei der frü­hen Erken­nung und Prä­ven­tion von Dia­be­tes: „Bei chro­ni­schen Erkran­kun­gen, wie Dia­be­tes ist die kon­ti­nu­ier­li­che und flä­chen­de­ckende Ver­sor­gung genauso wich­tig wie die recht­zei­tige Dia­gnose.“ Eine beson­ders wich­tige Rolle wür­den dabei die nie­der­ge­las­se­nen Ärzte spie­len, im spe­zi­el­len die Haus­ärzte. Denn sie ken­nen die Kran­ken­ge­schich­ten und die Lebens­um­stände ihrer Pati­en­ten am bes­ten. Mit ihrer Unter­stüt­zung werde die wohn­ort­nahe Ver­sor­gung sicher­ge­stellt, aber dafür brau­che es Res­sour­cen, die dem Haus­arzt nicht im aus­rei­chen­den Maß zur Ver­fü­gung stün­den: „Regel­mä­ßige The­ra­pie­ge­sprä­che mit chro­nisch kran­ken Pati­en­ten bedeu­ten eine ganz andere zeit­li­che Her­aus­for­de­rung als die kurz­fris­tige The­ra­pie eines aku­ten Krank­heits­falls“, sagte der ÖÄK-Prä­­si­­dent. Die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer sehe gerade die­sen Aspekt der aktu­el­len Stu­die als beson­ders ent­schei­dend an: „Eine bedarfs­ori­en­tierte Res­sour­cen­pla­nung muss wis­sen, wo, wel­che und wie viele Ange­bote für die Betreu­ung von Pati­en­ten mit Dia­be­tes not­wen­dig sind.“

Teil des Gesundheitschecks

Für die lang­fris­tige Pla­nung gilt es auch, mög­li­che Risi­ko­ka­n­di­da­ten mög­lichst früh zu erken­nen. Viel zu oft werde Dia­be­tes nur zufäl­lig ent­deckt. Die ÖDG geht davon aus, dass bis zu 20 Pro­zent der Betrof­fe­nen nichts von ihrer Dia­­be­­tes-Erkran­­kung wis­sen und somit unwis­sent­lich lebens­be­droh­li­che Fol­ge­er­kran­kun­gen ris­kie­ren. Als Vor­stufe zum eigent­li­chen Dia­be­tes gilt Präd­ia­be­tes. Rund fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung sind davon betrof­fen. Sie haben daher ein stark erhöh­tes Risiko, an Dia­be­tes Typ 2 zu erkran­ken. Der Blut­zu­cker­spie­gel liegt dabei noch nicht über dem Grenz­wert, ist jedoch schon deut­lich erhöht. Eine früh­zei­tige Dia­gnose könnte den Aus­bruch des Dia­be­tes ver­hin­dern und vor zahl­rei­chen Fol­ge­er­kran­kun­gen schüt­zen. „Den Blut­zu­cker­wert könnte man ganz leicht im Rah­men des Gesund­heits­checks erfas­sen, dazu ist nur eine Blut­un­ter­su­chung not­wen­dig,“ erklärte ÖÄK-Prä­­si­­dent Tho­mas Sze­ke­res. Der­zeit sei diese Unter­su­chung nicht Teil des Gesund­heits­checks, sollte aber drin­gend auf­ge­nom­men wer­den, so Sze­ke­res abschließend.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 12 /​25.06.2021