BKNÄ: Lehr­geld für Leer-Termine

Sep­tem­ber 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Öster­reich­weit wer­den immer öfter ver­ein­barte Arzt­-Ter­­mine ohne Absage nicht wahr­ge­nom­men. Gegen die­ses Ver­hal­ten, das Ärz­ten und ande­ren Pati­en­ten scha­det, rich­tet sich nun eine For­de­rung nach einer Stor­no­ge­bühr – mit einem beson­de­ren Clou.

Es scheint zuneh­mend ein Trend in unse­rer Gesell­schaft zu wer­den: Ter­mine oder Reser­vie­run­gen zu ver­ein­ba­ren, diese dann aber ohne recht­zei­tige Absage ein­fach nicht wahrzuneh­men. Gas­tro­no­men, Hote­liers und andere Berufs­ spar­ten kön­nen davon ein trau­ri­ges Lied sin­gen und haben zum Teil auch schon Gegenmaß­nahmen ergrif­fen – in Form von Storno­ gebüh­ren. Da auch die Ordi­na­tio­nen der öster­rei­chi­schen nie­der­ge­las­se­nen Ärzte zuneh­mend unter die­sem unsolida­rischen Phä­no­men der „Leer-­Ter­­mine“ lei­den, wollte und konnte Diet­mar Bayer, Vize­prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer für Steier­mark, nicht län­ger zuse­hen. Er ent­wi­ckelte ein Modell für eine Stor­no­ge­bühr, das sowohl einen Erzie­hungs­ef­fekt beinhal­tet, gleich­zei­tig aber ein Gewinn für alle Betei­lig­ten wäre.

In einem Schrei­ben an die Öster­rei­chi­sche Gesund­heits­kasse, das gleich­zei­tig auch ande­ren sozia­len Kran­ken­ver­si­che­run­gen und der Poli­tik über­mit­telt wurde, ver­langte die Ärz­te­kam­mer für Stei­er­mark, dass Pati­en­ten, die einen fixier­ten Arzt­ter­min ohne recht­zei­tige Absage ein­fach nicht wahr­neh­men, eine „Storno“­-Gebühr ent­rich­ten sol­len, die als Kas­senposition vom Arzt bezie­hungs­weise einer ande­ren medi­zi­ni­schen Ein­rich­tung direkt ver­rech­net wer­den soll. Der beson­dere Clou dabei: Die dadurch ent­ste­hen­den Ein­nah­men sol­len abzüg­lich eines gerin­gen Anteils, der zur Deckung des Ver­waltungsaufwandes in den Ordi­na­tio­nen bleibt, in einen Struk­tur­fonds zur Verbes­serung der Kas­sen­leis­tun­gen fließen.

Bayer wäre es aber am liebs­ten, wenn sich die­ser Topf nicht fül­len würde. „Unser Ziel ist es nicht, dass diese Gebühr ver­rech­net wer­den muss. Wir wol­len, dass Pati­en­ten Ter­mine, die sie nicht wahr­neh­men kön­nen, immer und mög­lichst früh­zei­tig absa­gen“, stellt er klar. Als Psych­ia­ter ist er von die­sen Proble­men ganz beson­ders betrof­fen – ein „Leer­Termin“ bedeu­tet für ihn eine Steh­zeit von gleich 50 Minu­ten. Zeit, die für die Behand­lung oder Kon­trolle ande­rer Pati­en­ten deut­lich bes­ser genutzt wäre. Damit ist eine „Nicht-­Ab­­sage“ nicht nur proble­matisch für die jewei­li­gen Arzt­pra­xen, Insti­tute und andere ambu­lante Ein­rich­tun­gen, son­dern sei „äußerst unfair gegen­ über ande­ren Pati­en­ten, die kei­nen Ter­min bekom­men kön­nen, weil er durch Men­schen blo­ckiert wird, die sich den Luxus leis­ten, ohne Absage einen Ter­min nicht ein­zu­hal­ten“, sagt Bayer. Auch in der Schule habe unent­schul­dig­tes Fern­blei­ben Kon­se­quen­zen. Als Basis für das Lehr­geld für „Leer-­Ter­­mine“ würde Bayer den hal­ben Fall­wert des jewei­li­gen Fachge­bietes anpeilen.

Unter­stüt­zung für diese For­de­rung kam umge­hend von der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer. „Nicht nur in der Steier­mark, son­dern in ganz Öster­reich kommt es lei­der immer öfter vor, dass Ter­mine ohne vor­he­rige Absage nicht wahr­ge­nom­men wer­den“, stellte Johan­nes Stein­hart, ÖÄK­-Vize­­­prä­­si­­dent und Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte, fest. Daher sei die For­de­rung der Ärz­te­kam­mer für Stei­er­mark nach einer Stor­no­ge­bühr für der­ar­tige Fälle, die zwi­schen 25 und 50 Euro lie­gen könnte, „voll zu unter­stüt­zen“, sagt Stein­hart. Schließ­lich komme das so ein­ge­nom­mene Geld über den geplan­ten Struk­tur­fonds der Kas­sen­me­di­zin zugute – „also den Pati­en­ten selbst“, meint Steinhart.

Drin­gen­der Appell

Tho­mas Sze­ke­res, Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer, gab eben­falls Rücken­de­ckung für die stei­ri­sche For­de­rung und appel­lierte drin­gend an die Pati­en­ten, ver­ein­barte Ter­mine nicht ohne Absage ver­fal­len zu las­sen. „Das Wartezimmer­ und Ter­min­ma­nage­ment ist für die Ärzte gerade aktu­ell schon auf­wändig genug. Jeder unan­ge­kün­digt ver­fallene Ter­min ist einer, der einem ande­ren Pati­en­ten nicht ange­bo­ten wer­den konnte. Wer Ter­mine, die er nicht einhal­ten kann, nicht recht­zei­tig oder gar nicht absagt, han­delt ego­is­tisch und rück­sicht­los und scha­det damit nicht nur sei­nem Arzt, son­dern auch den Men­schen in der unmit­tel­ba­ren Umge­bung sowie den ande­ren Pati­en­ten, die län­ger auf Ter­mine war­ten müs­sen.“ Die vor­ge­schla­gene Stor­no­ge­bühr sei daher eine gute Idee, „die am Schluss allen Betei­lig­ten Vor­teile brin­gen wird“, sagt Sze­ke­res. (sb)

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /25.09.2021