BKAÄ: Spi­tä­ler: Zum Wohle der Gesundheit

Sep­tem­ber 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Seit Beginn der Pan­de­mie steht das Regie­rungs­pro­gramm still. Es ist an der Zeit, dort ver­an­kerte kon­krete Ziele und Ver­bes­se­run­gen im Hin­blick auf die Gesund­heits­ver­sor­gung in die Tat umzu­set­zen, for­dert ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­dent Harald Mayer.
Sophie Nie­denzu

Die Zukunft nicht aus den Augen zu ver­lie­ren, das sollte ein erklär­tes Ziel sein: „Bis jetzt hat die Pan­de­mie die Poli­tik in vie­len Punk­ten gelähmt und die im Regie­rungs­pro­gramm genann­ten gesund­heits­po­li­ti­schen Ziele sind in weite Ferne gerückt“, kri­ti­siert Harald Mayer, Vize­prä­si­dent und Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der ange­stell­ten Ärzte der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer. Still ste­hen aller­dings weder die Erkran­kun­gen, noch die Pati­en­ten­fälle oder ganz all­ge­mein die Her­aus­for­de­run­gen für die täg­li­che Arbeit in der Ärzteschaft.

Prä­ven­ti­ons­kon­zepte gefragt

Die all­ge­meine Gesund­heit der Bevöl­ke­rung müsse wie­der in den Vor­der­grund gerückt wer­den – das beginne nicht zuletzt beim Aus­bau der Vor­sorge und damit auch bei der Impf­stra­te­gie: Impflü­cken müs­sen geschlos­sen wer­den, Impf­skep­ti­ker über Impf­stoffe auf­ge­klärt und infor­miert wer­den. Wer vor­sorgt und sich gegen alle mög­li­chen Erkran­kun­gen immu­ni­siert, ent­las­tet letzt­end­lich auch das Gesund­heits­sys­tem, betont Mayer: „Wich­tig ist, Res­sour­cen in den Spi­tä­lern für die abso­lu­ten Not­fälle und für jene Pati­en­ten zu haben, die spe­zia­li­sierte The­ra­pien und die kli­ni­sche Infra­struk­tur dafür benö­ti­gen“, sagt der ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­dent. Die Poli­tik müsse ent­spre­chende Prä­ven­ti­ons­kon­zepte aus­bauen – auch in Hin­blick auf die gesund­heit­li­chen Lang­zeit­fol­gen der Maß­nah­men wäh­rend der Pan­de­mie, wie etwa Über­ge­wicht, Dia­be­tes oder ver­mehrte Herz-Kreis­lauf­er­kran­­kun­­­gen: „Die Maß­nah­men, die gegen das Coro­na­vi­rus umge­setzt wur­den, haben lang­fris­tige Aus­wir­kun­gen auf die all­ge­meine Gesund­heit“, sagt Mayer. Inves­ti­tio­nen in die Vor­sor­ge­maß­nah­men wür­den darin unter­stüt­zen, Erkran­kun­gen früh­zei­tig zu dia­gnos­ti­zie­ren und so nicht nur schwere Krank­heits­ver­läufe zu ver­mei­den, son­dern auch die Spi­tä­ler zu ent­las­ten: „Wer klug inves­tiert, der för­dert nicht nur die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung, son­dern ver­mei­det zudem unnö­tige Kos­ten“, betont Mayer.

Ein posi­ti­ver Aspekt der Pan­de­mie sei die Ent­las­tung der Spi­tä­ler durch den gerin­ge­ren Besuch der Spi­tals­am­bu­lan­zen gewe­sen. Das sollte für die Zukunft bei­be­hal­ten wer­den: „Wir benö­ti­gen eine Art Weg­wei­ser für die Behand­lun­gen der Pati­en­ten, an des­sen Beginn der Haus­arzt­be­such steht, und nicht der sofor­tige Weg in die Spi­tals­am­bu­lan­zen führt“, sagt Mayer. Der Haus­arzt könne dann kom­pe­tent dar­über ent­schei­den, wel­che wei­ter­füh­rende Behand­lun­gen tat­säch­lich not­wen­dig seien. Daher sei das im Regie­rungs­pro­gramm ver­an­kerte Ziel der Stär­kung der wohn­ort­na­hen Ver­sor­gung end­lich in die Tat umzu­set­zen: „Die erste Anlauf­stelle wäre nicht das Spi­tal, son­dern der All­ge­mein­me­di­zi­ner, das hätte zur Folge, dass die Kos­ten gesenkt wer­den, bei gleich­blei­ben­der Ver­sor­gungs­qua­li­tät“, argu­men­tiert Mayer.

Spi­­tals-Arbeits­al­l­­tag verbessern

Was die Pan­de­mie auch gezeigt habe, sei, dass die Ein­schrän­kung und Limi­tie­rung der Besu­cher­zah­len und der Zah­len für Begleit­per­so­nen, auch posi­tive Fol­gen gehabt habe. „In den Spi­tä­lern ist schon genug los, sowohl für die Pati­en­ten als auch für die Ärzte ist es ange­neh­mer, wenn die Zahl der Besu­cher und Beglei­ter ein­ge­schränkt ist“, betont Mayer. Das würde zu mehr Ruhe und kon­zen­trier­tem Arbei­ten bei den Spi­tals­mit­ar­bei­tern füh­ren: „Diese Limi­tie­run­gen soll­ten daher auch in der Zukunft auf­recht blei­ben“, sagt Mayer. Auch würde das die Sicher­heit in den Spi­tä­lern erhö­hen. Mayer ver­weist im Zuge des­sen auf Stu­dien, die gezeigt hät­ten, dass die phy­si­sche und psy­chi­sche Gewalt gegen­über dem Spi­tals­per­so­nal mitt­ler­weile keine Sel­ten­heit mehr sei: „Stren­gere Zugänge zu den Spi­tä­lern ver­bes­sern damit die Arbeits­platz­si­tua­tion für die Mit­ar­bei­ter, die sich damit voll und ganz auf ihre Pati­en­ten kon­zen­trie­ren kön­nen“, sagt Mayer. Ein wei­te­rer Punkt sei hier auch noch not­wen­dig, um den Arbeits­all­tag zu erleich­tern: die Digi­ta­li­sie­rung. Es benö­tige hierzu nicht nur einen Aus­bau des admi­nis­tra­ti­ven Per­so­nals, son­dern auch die Umset­zung von digi­ta­len Tools, die die Arbeit im Spi­tal erleich­tern: „Digi­ta­li­sie­rung ist sinn­voll, aber bitte in Zusam­men­ar­beit mit dem Spi­tals­per­so­nal, um pra­xis­nahe Appli­ka­tio­nen umzu­set­zen“, sagt Mayer abschließend.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /10.09.2021