Steuer: Ände­rung des Jahressechstels

10.03.2020 | Service


Auf­grund der exzes­si­ven steu­er­li­chen Sechstel­op­ti­mie­run­gen hat der Gesetz­ge­ber die­sen Gestal­tungs­spiel­raum mit dem Steu­er­re­form­ge­setz 2020 eingeschränkt.

Mar­kus Metzl*

Bis­her wurde, durch opti­male Gestal­tung, das Jahres­sechs­tel unter­jäh­rig (zum Bei­spiel bis zur Jah­res­mitte) in die Höhe getrie­ben und durch das zeit­li­che Vor­zie­hen von Son­der­zah­lun­gen aus­ge­nützt. Mit Ein­füh­rung des Steu­er­re­form­ge­set­zes 2020 wurde die begüns­tigte Besteue­rung von sons­ti­gen Bezü­gen mit höchs­tens einem Sechs­tel der im Kalen­der­jahr zuge­flos­se­nen lau­fen­den Bezüge begrenzt. Sei­tens des Arbeit­ge­bers besteht gemäß § 77 Abs. 4a EStG bei Aus­zah­lung des letz­ten lau­fen­den Bezugs im Kalen­der­jahr die Ver­pflich­tung, den über­stei­gen­den Betrag durch Auf­rol­lung nach § 67 Abs. 10 EStG, nach­zu­ver­steu­ern. Der § 67 Abs. 2 EStG nor­miert, dass das Jahres­sechs­tel, mit Aus­nahme der Eltern­ka­renz, fix gede­ckelt ist. 

Die For­mel für das Jahres­sechs­tel lau­tete bisher:

Im Kalen­der­jahr zuge­flos­sene lau­fende Bezüge/​Anzahl der Kalen­der­mo­nate seit Jah­res­be­ginn x 2 

Die „neue“ For­mel für das Kon­troll­jahres­sechs­tel lautet:

Im Kalen­der­jahr zuge­flos­sene lau­fende Bezüge/​die Anzahl der beschäf­tig­ten Monate

Diese Neu­be­rech­nung birgt zahl­rei­che nicht beab­sich­tigte Konsequenzen:

So kommt es im Falle eines lan­gen Kran­ken­stands mit Ende der Ent­gelt­fort­zah­lung, etwa mit Ende Sep­tem­ber und Abrech­nung einer Weih­nachts­re­mu­ne­ra­tion im Novem­ber, man­gels wei­te­rer lau­fen­der Bezüge zu einer Nach­ver­steue­rung gemäß § 67 Abs. 10 EStG. Denn für die Sechs­tel- und Kon­troll­sechst­el­be­rech­nung darf nur das lau­fende Ent­gelt her­an­ge­zo­gen wer­den. Frei­grenze: Bei gerin­gen Ein­künf­ten darf die Besteue­rung der sons­ti­gen Bezüge unter­blei­ben, wenn das Jahres­sechs­tel nicht mehr als 2.100 Euro beträgt. Bei einem mehr­ma­li­gen Wie­der­ein­tritt beim sel­ben Arbeit­ge­ber wäh­rend eines Jah­res, kön­nen Vor­be­züge vom sel­ben Arbeit­ge­ber für die Kon­troll­be­rech­nung her­an­ge­zo­gen werden.

Exkurs: Karenz­zei­ten

Bei ent­gelt­freien Zei­ten einer Bil­dungs­ka­renz, Pfle­ge­ka­renz, Papa­mo­nat, Mut­ter­schutz, ver­ein­bar­ter unbe­zahl­ter Urlaub etc. ist zu unter­schei­den, ob gegen­über dem Arbeit­ge­ber ein gesetz­li­cher Anspruch auf Karenz gem.. MSchG oder VKG besteht. Bei einem gesetz­li­chen Anspruch erfolgt keine Auf­rol­lung, in allen übri­gen Fäl­len ist eine Auf­rol­lung vor­zu­neh­men. Aber auch ganz nor­male Umstände in einem Dienst­ver­hält­nis kön­nen zu einem nach­träg­li­chen Sechstel­über­hang füh­ren, etwa: 

  • Arbeits­zeit­re­duk­tion in der zwei­ten Jahreshälfte; 
  • Unter­jäh­ri­ger Aus­tritt mit Nicht­rück­ver­rech­nung des zur Gänze erhal­te­nen Urlaubs­zu­schus­ses (zum Bei­spiel infolge eines kol­lek­tiv­ver­trag­li­chen Rückverrechnungsverbots); 
  • Unter­jäh­rig schwan­ken­des Sechs­tel, wenn das Sechs­tel (zum Bei­spiel wegen Über­stun­den­weg­fall im Dezem­ber) bei Jah­res­ende nied­ri­ger ist als bei der Weih­nachts­re­mu­ne­ra­ti­ons-Aus­zah­lung im November).

Diese Auf­rol­lung mit Nach­ver­steue­rung hat der Gesetz­ge­ber wohl nicht beach­tet. Daher ist die klas­si­sche Steu­er­op­ti­mie­rung nach der soge­nann­ten „For­mel 7“, näm­lich in die Split­tung von Jah­res­prä­mien etc. in 6/​7‑laufenden Bezug und in einen 1/​7‑Sonderzahlungsteil, auf­grund der Auf­rol­lungs­ver­pflich­tung im Dezem­ber, nicht mehr attraktiv. 

Es gilt zukünf­tig dar­auf zu ach­ten, dass die Neu­re­ge­lung exakt in den Per­so­nal­ver­rech­nungs­pro­gram­men berück­sich­tigt wird. Das Ergeb­nis einer Auf­rol­lung kann nur zu einer Nach­zah­lung füh­ren. Eine Gut­schrift einer zu viel ein­be­hal­te­nen Lohn­steuer ist nicht vor­ge­se­hen. Die Auf­rol­lung ist gemäß § 77 Abs. 4a EStG am Lohn­konto ent­spre­chend zu dokumentieren. 

*) Prof. Dr. Mar­kus Metzl, Msc ist Bereichs­lei­ter Finan­zen und Steu­ern in der ÖÄK

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2020