Poli­tik: Leserbrief

25.11.2020 | Poli­tik

Danke für den tref­fen­den und unauf­ge­reg­ten Kom­men­tar von Prä­si­dent Lind­ner (Zurück zur Ver­nunft) in der Aus­gabe vom 25. Okto­ber. Ich kann sei­nen Aus­füh­run­gen nur voll und ganz zustimmen.

Viele Exper­ten spre­chen sich inzwi­schen gegen Mas­sen­tes­tun­gen von asym­pto­ma­ti­schen Per­so­nen aus. Nicht zuletzt hat die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Infek­ti­ons­krank­hei­ten und Tro­pen­me­di­zin schon vor eini­gen Wochen eine ent­spre­chende Stel­lung­nahme abge­ge­ben. Lei­der bis­her ohne Erfolg. Anstatt wie ange­kün­digt das Test­pro­gramm für die Mit­ar­bei­ter im Tou­ris­mus nach Ablauf Ende Okto­ber zu eva­lu­ie­ren (was mei­ner Über­zeu­gung nach zu einer Ein­stel­lung des Pro­gramms hätte füh­ren müs­sen), wurde die Initia­tive nicht nur fort­ge­setzt, son­dern der Kreis der Teil­nah­me­be­rech­tig­ten auch noch ausgeweitet.

Ich spre­che mich nicht prin­zi­pi­ell gegen Scree­­ning-Pro­­­gramme aus, stelle mir aber schon die Frage, warum das für den Tou­ris­mus mög­lich gemacht wird, nicht aber für Mit­ar­bei­ter in den Ordi­na­tio­nen oder in der Pflege. Da wer­den die Prio­ri­tä­ten mei­nes Erach­tens völ­lig falsch gesetzt. 

Dass die wöchent­li­che Tes­tung von Tou­­ris­­mus-Mit­­ar­­bei­­tern auch nur irgend­ei­nen Ein­fluss auf das Ver­hän­gen von Rei­se­war­nun­gen und/​oder auf das Kom­men von Gäs­ten gehabt hätte, ist wohl rei­nes Wunsch­den­ken. Die dafür auf­ge­wen­de­ten finan­zi­el­len und per­so­nel­len Res­sour­cen wären ander­wei­tig wesent­lich sinn­vol­ler ein­ge­setzt, eine Ände­rung der Test­stra­te­gie daher drin­gend erforderlich. 

Ich habe für mein Labor die Mit­ar­beit im Pro­gramm „Sichere Gast­freund­schaft“, die ich auf Bit­ten von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die in Tou­ris­mus­ge­bie­ten tätig sind, begon­nen habe, mit 31. Okto­ber beendet. 


Univ. Doz. Dr. Johan­nes Möst

Fach­arzt für Kli­ni­sche Mikro­bio­lo­gie und Hygiene
6020 Inns­bruck

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2020