Kurz und infor­ma­tiv Kurz und infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.09.2020 | Medizin

Mam­ma­kar­zi­nom: Oxy­to­cin-Rezep­tor als Forschungsansatz 

Das Oxy­to­cin Signal Sys­tem könnte eine wich­tige Rolle bei der Ent­wick­lung neuer Medi­ka­mente gegen Brust­krebs spie­len – kon­kret: der Oxy­to­cin-Rezep­tor. „Bis­he­rige Stu­dien spre­chen für eine Ein­fluss­nahme des Oxy­to­cin-Rezep­tors auf die Ent­ste­hung und Pro­gres­sion von Brust­krebs“, erklärt Assoz. Prof. Mar­kus Mut­tentha­ler von der Fakul­tät für Che­mie der Uni­ver­si­tät Wien. Der Oxy­to­cin-Rezep­tor zählt zu den G‑Pro­tein-gekop­pel­ten Rezep­to­ren, die sich in Zell­mem­bra­nen befin­den und auf die 30 Pro­zent aller Medi­ka­mente abzie­len. In einem Über­sichts­ar­ti­kel befasst sich Mut­tentha­ler gemein­sam mit öster­rei­chi­schen und aus­tra­li­schen Kol­le­gin­nen mit der Rolle des Oxy­to­cin Signal Sys­tems bei Brust­krebs. Nach Ansicht von Mut­tentha­ler biete der Oxy­to­cin-Rezep­tor „einen hoch­in­ter­es­san­ten Ansatz für neue Wirk­stoffe wie auch als Bio-Mar­ker, um die Art und Wei­ter­ent­wick­lung des Tumors cha­rak­te­ri­sie­ren zu kön­nen“. Med­Uni Wien/​Oncogene

60 Pro­zent

der Per­so­nen, die an COVID-19 ver­stor­ben sind, haben mit dem Corona-Virus belas­te­tes Nie­ren­ge­webe, wie For­scher des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Eppen­dorf (UKE) kürz­lich bei der Unter­su­chung von 63 Ver­stor­be­nen fest­stell­ten. Von den­je­ni­gen, die an einem aku­ten Nie­ren­ver­sa­gen gestor­ben sind, war die Niere zu 72 Pro­zent betrof­fen; bei den Übri­gen zu 43 Pro­zent. Die Wis­sen­schaf­ter beob­ach­te­ten eine bis zu 1000-fache Ver­meh­rung des Erre­gers in den Nie­ren­zel­len. APA/​The Lan­cet

Keine Belas­tung durch Alu­mi­nium aus Deos

Die Haut nimmt weit weni­ger Alu­mi­nium aus Alu­mi­ni­um­sal­zen in Deodo­rants durch die Haut auf, als auf­grund von bis­he­ri­gen, teils wider­sprüch­li­chen Stu­dien ange­nom­men wurde. Belast­bare Daten für die aktu­elle Risi­ko­be­wer­tung habe eine Stu­die aus dem Jahr 2019 gelie­fert, teilte das Deut­sche Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR) kürz­lich mit. Alu­mi­ni­um­salze wer­den in Deodo­rants ein­ge­setzt, um die Schweiß­bil­dung zu hem­men und die Geruchs­bil­dung zu stop­pen. Gleich­zei­tig mahnt das BfR zu Vor­sicht bei sau­ren und salz­hal­ti­gen Spei­sen und Geträn­ken in Alu­fo­lie, Alu-Grill­scha­len oder unbe­schich­te­ten Alu-Menü­scha­len und Alu-Geschirr. Auch in wei­ßen­den Zahn­pas­ten ist Alu­mi­nium ent­hal­ten. Nach der­zei­ti­gem Kennt­nis­stand kann ein hoher Alu­mi­ni­um­ge­halt zu Nerven‑, Nie­ren- und Kno­chen­schä­di­gun­gen füh­ren. APA/​BfR

Anti­kör­per KY1070 bei Anämie durch Dialyse

Einen neuen huma­nen mono­k­lo­na­len Anti­kör­per für die The­ra­pie der chro­ni­schen Anämie bei Dia­lyse hat ein Team um Priv. Doz. Igor Theurl und Verena Pet­zer (beide: Med­Uni Inns­bruck) mit­ent­wi­ckelt. KY1070 zeigte bei Mäu­sen, die schlecht auf EPO ange­spro­chen hat­ten, bei kom­bi­nier­ter Anwen­dung einen Hämo­glo­bin-Anstieg im Blut. Eine gerin­gere EPO-Dosis reichte aus, was wie­derum das kar­dio­vasku­läre Risiko ver­rin­gert. KY1070 beein­flusst die Signal­wei­ter­lei­tung zur Bil­dung von Hep­ci­din, einem zen­tra­len Regu­la­tor im Eisen­stoff­wech­sel. Bei der Mono­the­ra­pie kommt es zu einer lang dau­ern­den Hem­mung der Hep­ci­din­pro­duk­tion und somit zu einer hohen Eisen­ver­füg­bar­keit. Med­Uni Innsbruck/​BLOOD

Infi­zierte Immun­zel­len war­nen mit Apoptose

Mit Bak­te­rien infi­zierte Immun­zel­len war­nen gesunde Immun­zel­len durch Apo­ptose vor Krank­heits­er­re­gern – und zwar nicht wie bis­her ange­nom­men auf­grund der Ein­wir­kung der Gift­stoffe auf die Bak­te­rien-Außen­hülle, son­dern sie wird von den Immun­zel­len selbst ein­ge­lei­tet. Zu die­ser Erkennt­nis gelangte ein aus­tra­li­sches For­scher­team der Monash Uni­ver­sity in Clay­ton unter der Lei­tung des öster­rei­chi­schen Bio­lo­gen Tho­mas Nade­rer. Wäh­rend der Apo­ptose set­zen die befal­le­nen Immun­zel­len Ent­zün­dungs­fak­to­ren frei, die andere Immun­zel­len auf die Infek­tion hin­wei­sen. Die­ser Pro­zess lässt sich mit der Aus­schal­tung des Apo­ptose-Hem­mers (Bcl-xL) in den Zel­len beschleu­ni­gen; ein Test mit einem Bcl-xL-Blo­cker zur ver­stärk­ten Bak­te­rien-Abwehr ist laut Nade­rer geplant. Außer­dem will er prü­fen, ob die Ent­zün­dungs­re­ak­tion mit einem Apo­ptose-Hemm­stoff (Bak-Blo­cker) redu­ziert wer­den kann, um zum Bei­spiel eine Sep­sis zu ver­hin­dern. APA/​Nature Microbiology

Intima-Media-Dicke pro­gnos­ti­ziert kar­dio­vasku­lä­res Risiko

Die Gefäß­wand­di­cke der A. caro­tis ist ein siche­rer Sur­ro­gat­mar­ker für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen. Zu die­sem Ergeb­nis kommt das For­scher­team um den Epi­de­mio­lo­gen Univ. Prof. Peter Wil­leit und Lena Tschide­rer von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Neu­ro­lo­gie mit Betei­li­gung des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Frank­furt. Die Wis­sen­schaf­ter ana­ly­sier­ten die Daten aus 119 kli­ni­schen Stu­dien bis Februar 2020 mit mehr als 100.000 Pro­ban­den aus allen Tei­len der Welt. Sie stell­ten fest, dass mit einer gerin­ge­ren Zunahme der Intima-Media auch die Gefahr für Krank­hei­ten des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems sinkt. Dabei berück­sich­tig­ten sie unter ande­rem auch die Effekte von Anti­hy­per­ten­siva, Sta­ti­nen und Anti­dia­be­tika. Das Resul­tat könnte den Weg ebnen, um Wirk­sam­keits­stu­dien für neue Medi­ka­mente zur Reduk­tion des kar­dio­vasku­lä­ren Risi­kos rascher durch­zu­füh­ren. Med­Uni Innsbruck/​Circulation

Sport bei Herz­er­kran­kun­gen empfohlen 

Regel­mä­ßi­ges Trai­ning ver­hin­dert nicht nur Krank­hei­ten, son­dern redu­ziert auch das Risiko eines frü­hen Todes bei Men­schen mit fort­ge­schrit­te­nen Herz­er­kran­kun­gen. Zu die­sem Ergeb­nis kommt ein Team von Anto­nio Pel­lic­cia vom Insti­tut für Sport und Medi­zin in Rom. Die Wis­sen­schaf­ter haben in einer Arbeits­gruppe der Euro­pean Society of Car­dio­logy erst­mals Leit­li­nien für Herz­kranke zusam­men­ge­tra­gen. Dem­nach sol­len diese min­des­tens 150 Minu­ten pro Woche mode­rat trai­nie­ren. Kraft­trai­ning mit leich­ten Gewich­ten ist bei Über­ge­wicht, Hyper­to­nie und/​oder Dia­be­tes ange­zeigt. Zusätz­lich sollte auch die Aus­dauer trai­niert wer­den. „Die Wahr­schein­lich­keit, dass eine sport­li­che Übung einen Herz­still­stand oder einen Herz­in­farkt aus­löst, ist extrem nied­rig“, erklärt Sport­kar­dio­loge San­jay Sharma von der St. George’s Uni­ver­si­tät in Lon­don. APA/​European Society of Cardiology

ACE2-Rezep­to­ren: Ursa­che für Corona-Anosmie

Im Ver­gleich zu ande­ren Regio­nen des respi­ra­to­ri­schen Trakts wei­sen Riech­zel­len 700 Mal mehr ACE2-Rezep­to­ren auf: Da diese die Ein­tritts­pforte für das Corona-Virus sind, könnte das die Erklä­rung für die Geruchs- und Geschmacks­stö­run­gen bei COVID-19 sein. For­scher der Johns Hop­kins Uni­ver­sity School of Medi­cine (Baltimore/​USA) unter­such­ten biop­sier­tes nasa­les Tumor­ge­webe oder auf­grund von chro­ni­schen Nasen­ne­ben­höh­len­ent­zün­dun­gen ent­fern­tes Mate­rial von 23 nega­tiv Getes­te­ten. Wei­tere Unter­su­chun­gen sol­len die Ergeb­nisse bestä­ti­gen. Andrew Lane, Lei­ter des Johns Hop­kins Sinus Cen­ter dazu: „Wenn das der Fall ist, könn­ten wir in der Lage sein, die Infek­tion mit anti­vi­ra­len The­ra­pien zu bekämp­fen, die direkt in die Nase gege­ben wer­den.“ APA/​European Respi­ra­tory Journal

COPD-Exazer­ba­tion: Anti­bio­tika-Wahl nebensächlich

Ob eine akute Exazer­ba­tion bei COPD mit einem Schmal­spek­trum- oder Breit­spek­trum-Anti­bio­ti­kum behan­delt wird, spielt keine Rolle für den kurz­fris­ti­gen Krank­heits­ver­lauf. Das stell­ten Wis­sen­schaf­ter der Shen­an­doah Uni­ver­sity Win­ches­ter (Vir­gi­nia) und der Nor­the­ast Ohio Medi­cal Uni­ver­sity, Roots­town (Ohio) bei einer mul­ti­zen­tri­schen, retro­spek­ti­ven Kohor­ten­stu­die fest. Dabei wur­den die Daten von 253 hos­pi­ta­li­sier­ten über 65-Jäh­ri­gen mit einer aku­ten Exazer­ba­tion bei COPD unter­sucht, im Zuge derer die Betrof­fe­nen für min­des­tens 48 Stun­den Anti­bio­tika erhal­ten hat­ten. 127 erhiel­ten Azi­thro­my­cin, Doxy­cy­clin, Trimethoprim/​Sulfamethoxazol oder Ami­nope­ni­cil­line, 126 ein Breit­spek­trum-Anti­bio­ti­kum. Die Autoren mer­ken jedoch an, dass es keine ein­heit­li­che Defi­ni­tion für dafür gibt, ab wann ein Anti­bio­ti­kum zu den Breit­band-Anti­bio­tika gehört. Jour­nal of Phar­macy Practice

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2020