Medi­zi­ni­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

10.04.2020 | Medi­zin

Die Aus­brei­tung des Corona-Virus

November/​Dezember 2019: Erst­mals tre­ten in der chi­ne­si­schen Stadt Wuhan Fälle einer unbe­kann­ten Lun­gen­er­kran­kung auf.
31. Dezem­ber: Die Krank­heits­fälle aus China wer­den offi­zi­ell an die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) gemel­det.
9. Jän­ner 2020: Die Lun­gen­krank­heit gehe auf ein neu­ar­ti­ges Corona-Virus zurück, heißt es in China.
15. Jän­ner: Erste regis­trierte Infek­tion außer­halb Chi­nas in Thai­land.
21. Jän­ner: Der erste Fall in den USA wird publik.
24. Jän­ner: Das Virus erreicht Europa und wird erst­mals in Frank­reich nach­ge­wie­sen.
30. Jän­ner: Die WHO erklärt eine „gesund­heit­li­che Not­lage von inter­na­tio­na­ler Trag­weite”.
11. Februar: Die WHO bezeich­net die neu­ar­tige Lun­gen­er­kran­kung Covid-19, das Virus SARS-CoV‑2.
14. Februar: Mit Ägyp­ten hat das Virus das erste Land in Afrika erreicht.
19./20. Februar: Erste gemel­dete Todes­fälle im Iran und in Südkorea.
25. Februar: Das Corona-Virus wird in Öster­reich regis­triert: In Tirol wer­den die ers­ten bei­den hei­mi­schen Fälle, zwei in Öster­reich arbei­tende Ita­lie­ner, bekannt.
27. Februar: Drei bestä­tigte Corona-Fälle in Wien.
11. März:
Die WHO spricht jetzt von einer Pan­de­mie.
12. März: Ers­tes Todes­op­fer in Öster­reich.
19. März: Ita­lien ist das Land mit den meis­ten offi­zi­ell gemel­de­ten Toten (3.405) welt­weit.
22. März:
In den USA ist die Zahl der Infi­zier­ten bin­nen einer Woche um mehr als das Zehn­fa­che auf über 24.000 Fälle gestie­gen.
23. März: Nach lan­gem Zögern erlässt auch die bri­ti­sche Regie­rung weit­rei­chende Aus­gangs­be­schrän­kun­gen.
25. März: Als zwei­tes Land in Europa mel­det Spa­nien mit 3.434 Fäl­len mehr Tote als in China.
29. März: Mit über 140.000 sind in den USA jetzt mehr Infek­tio­nen bekannt als in jedem ande­ren Land der Welt offi­zi­ell erfasst wurden.

Corona-Virus: auch in Influ­enza-Pro­­­ben
Seit 24. Feber konnte das Corona-Virus ins­ge­samt 29 Mal im Sen­­ti­­nel-Sys­­tem nach­ge­wie­sen wer­den. In Kalen­der­wo­che elf waren heuer sechs Pro­ben posi­tiv, in der fol­gen­den 18 und in einer wei­te­ren Woche fünf. Im Zuge des Sen­­ti­­nel-Sys­­tems wird Pati­en­ten, die an einem aku­ten grip­pa­len Infekt lei­den, stich­pro­ben­ar­tig Nasen-Rachen-Sekret ent­nom­men und auf Viren unter­sucht; seit Ende Feber wird auch auf das Corona-Virus getes­tet mit dem Ziel, die auf­tre­tende Hin­ter­grund­ak­ti­vi­tät von SARS-CoV‑2 in der öster­rei­chi­schen Bevöl­ke­rung frühzeitig zu erfas­sen. Die viro­lo­gi­sche Über­wa­chung des 1992 eta­blier­ten Sys­tems erfolgt durch das Dia­gnos­ti­sche Influ­enza Netz­werk Öster­reich und dient zur Ein­schät­zung, wie die all­jähr­li­che Influ­en­awelle ver­läuft. Koor­di­niert wird es vom Natio­na­len Refe­renz­la­bor für Influ­enza-Viren am Zen­trum für Viro­lo­gie an der Med­Uni Wien. 49 Melde-Ärzte sen­den wöchent­lich Nasen-Rachen-Abstri­che von ver­mut­li­chen Influ­enza-Betrof­­fe­­nen ein. APA

Influ­enza-Welle ebbt ab

Die Zahl der Influ­enza-Fälle und Influ­enza-ähn­­li­chen Erkran­kun­gen ebbt ab. Im Ver­gleich zur vor­an­ge­gan­ge­nen Erhe­bungs­wo­che ist sie dem­nach fast um die Hälfte gesun­ken, wie die Erhe­bung der Öster­rei­chi­schen Agen­tur für Ernäh­rungs­si­cher­heit (AGES) von Anfang April zeigt. Dem­nach ist die Zahl der an Influ­enza Erkrank­ten von 112.000 in der dar­auf­fol­gen­den Woche auf 59.000 zurückgegangen. APA

Öster­rei­cher ent­wi­ckelt Anti­­kör­­per-Test

Einen neuen Test, mit dem sich Anti­kör­per gegen das Corona-Virus nach­wei­sen las­sen, hat der in New York an der Icahn School of Medi­cine at Mount Sinai for­schende öster­rei­chi­sche Viro­loge Flo­rian Kram­mer mit sei­nem Team ent­wi­ckelt. Die For­scher ver­wen­den als Ansatz­punkt Spike-Pro­­­te­ine an der Ober­flä­che der SARS-CoV-2-Par­­ti­­kel, mit denen das Virus in mensch­li­che Zel­len ein­dringt. An die­ser Struk­tur ori­en­tiert sich auch die kör­per­ei­gene Immun­ab­wehr bei der Erken­nung von neuen Viren. In Zell­li­nen konn­ten die Wis­sen­schaf­ter der­ar­tige leicht ver­än­derte Pro­te­ine erzeu­gen, die im Test­ver­fah­ren ein­ge­setzt wer­den. Ent­hält die unter­suchte Blut­probe Anti­kör­per, die auf diese SARS-CoV-2-ähn­­li­che Pro­te­ine reagie­ren, wird dies im Ver­fah­ren ange­zeigt. An der Eta­blie­rung die­ses Tests arbei­tet der­zeit ein Team unter der Lei­tung der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur Wien und der Vete­ri­när­me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät. Die Geräte, mit denen die Tests durchgeführt wer­den sol­len, sol­len dem­nächst aus den USA ein­tref­fen. Die For­scher begin­nen dann mit der groß­flä­chi­gen Her­stel­lung der SARS-CoV-2-ähn­­li­chen Ober­flä­chen­pro­te­ine. APA

Tak­a­b­kon­zern arbei­tet an Impf­stoff
Die Toch­ter­firma des bri­ti­schen Tabak­kon­zerns Bri­tish Ame­ri­can Tob­acco (BAT) – ein USame­ri­ka­ni­sches Bio­­­tech­­no­­lo­­gie-Unter­­neh­­men – arbei­tet an einem Impf­stoff gegen das Corona-Virus. Die For­scher haben einen Teil der gene­ti­schen Sequenz des Corona-Virus geklont und dar­auf basie­rend ein Anti­gen ent­wi­ckelt. Die­ses Anti­gen wurde zur Ver­viel­fäl­ti­gung in Tabak­pflan­zen ein­ge­setzt. Der Impf­stoff soll sich in der vor­kli­ni­schen Prüfung befin­den, so die Anga­ben des Kon­zerns, der bereits mit Gesund­heits­be­hör­den in den USA und in Groß­bri­tan­nien in Kon­takt ste­hen soll. Ab Juni die­ses Jah­res sol­len zwi­schen einer und drei Mil­lio­nen Impf­do­sen pro Woche her­ge­stellt wer­den kön­nen. Die Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­be­hörde geht grund­sätz­lich davon aus, dass es min­des­tens ein Jahr dau­ert, bis ein Impf­stoff zuge­las­sen ist und in aus­rei­chen­der Menge zur Verfügung steht.

TU Wien ent­wirft ein­fa­ches Sauer­­stoff-Gerät
Univ. Prof. Mar­git Gföh­ler und Univ. Prof. Michael Hara­sek von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien haben ein ein­fa­ches Sauer­­stoff-Gerät ent­wi­ckelt. Dabei kommt die schon lange bekannte Mem­bran­tech­no­lo­gie zum Tren­nen von Gasen zum Ein­satz. Nor­ma­ler­weise wird sie ein­ge­setzt, um Stick­stoff zu gewin­nen und Sauer­stoff abzu­schei­den – und wird nun umge­kehrt, indem anstelle von Stick­stoff ange­rei­cher­ter Sauer­stoff ver­wen­det wird. Dann wird die Luft tem­pe­riert, befeuch­tet und mit erhöh­tem Druck über zwei Sili­kon­schläu­che oder über eine Atem­maske in die Nase des Pati­en­ten gelei­tet. Auf diese Weise wird eine Sauer­stoff­kon­zen­tra­tion von rund 40 Pro­zent erzielt. Der Vor­teil die­ses Ver­fah­rens: Der Sauer­stoff kommt aus der Umge­bungs­luft; Sauer­stoff­fla­schen sind nicht erfor­der­lich. Diese The­ra­pie kann schon in einem frühen Sta­dium der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung begin­nen; eine Intu­ba­tion und Beatmung mit einem kon­ven­tio­nel­len Beatmungs­ge­rät ver­zö­gern oder ganz ver­mei­den. So kann ein ein­zel­ner Auf­bau je nach ein­ge­setz­ter Kom­­pres­­sor- und Mem­bran­trenn­ka­pa­zi­tät 20 Per­so­nen und mehr gleich­zei­tig ver­sor­gen. Erste Gesprä­che mit Fir­men, die sich für diese Tech­nik inter­es­sie­ren, sind bereits im Gang. APA/​TU Wien

FDA gestat­tet Behand­lung mit Chlo­ro­quin
Die US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Food and Drug Admi­nis­tra­tion hat die Her­aus­gabe oder die Ver­schrei­bung von Chlo­ro­quin und Hydro­xychlo­ro­quin „durch Ärzte an im Kran­ken­haus lie­gende jugend­li­che und erwach­sene Pati­en­ten mit COVID-19 geneh­migt“. Laut dem US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Gesund­heits­mi­nis­te­rium sei dies ange­bracht, weil kein kli­ni­scher Test verfügbar oder mach­bar sei. Im Zuge des­sen wurde der natio­nale Vor­rat an die­sen bei­den Medi­ka­men­ten, die bei Mala­ria zum Ein­satz kom­men, auf­ge­stockt. Indes­sen mah­nen viele Wis­sen­schaf­ter zu Vor­sicht, solange kleine Stu­dien nicht durch grö­ßere kli­ni­sche Tests bestä­tigt sind. Das US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Natio­nale Gesund­heits­in­sti­tut und die Behörde für Bio­me­di­zi­ni­sche For­schung und Ent­wick­lung arbei­ten der­zeit an der Ent­wick­lung sol­cher Tests. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 7 /​10.04.2020