Stand­punkt Harald Mayer: Prä­ven­tion ist ein Muss

25.04.2020 | Aktuelles aus der ÖÄK

Gel­der ver­nünf­tig verteilen

© Stefan Seelig

Das Gesund­heits­sys­tem ist das Herz­stück jedes Lan­des. Gerade in her­aus­for­dern­den Zei­ten wie die­sen zeigt sich, wie vul­nera­bel es ist. Wir sehen die Fol­gen von Spar­kur­sen, die in man­chen Län­dern rigide durch­ge­führt wur­den. So wur­den zum Bei­spiel Spi­tals­bet­ten mas­siv redu­ziert. Öster­reich steht im Ver­gleich gut da. Trotz inter­na­tio­na­ler Kri­tik haben wir weni­ger Bet­ten gestri­chen als in ande­ren Län­dern. Das kommt uns jetzt zugute. Die Krise zeigt auch, wie wich­tig es ist, eine wohn­ort­nahe nie­der­ge­las­sene Ver­sor­gung zu haben, um die Spi­tä­ler zu ent­las­ten, in denen Fle­xi­bi­li­tät der­zeit an obers­ter Stelle steht, um den Betrieb auf­recht zu erhal­ten – Stich­wort: Dienst­pläne, Umstruk­tu­rie­rung zu spe­zia­li­sier­ten Ver­sor­gungs­ein­hei­ten Die Gesund­heit ist etwas, an der nichts gespart wer­den sollte, denn sie ist unser höchs­tes Gut. 

COVID-19 hat uns gezeigt, wie wich­tig es ist, dass wir das Gesund­heits­sys­tem nicht kaputt­spa­ren. Um auch auf Kri­sen­si­tua­tio­nen vor­be­rei­tet zu sein, muss die Poli­tik lang­fris­tig den­ken, aktiv agie­ren und nicht pas­siv reagie­ren. Das bedeu­tet: Sie muss sich Gedan­ken machen, wie die Gel­der nach­hal­tig und ver­nünf­tig ver­teilt wer­den, um die ver­schie­de­nen sys­tem­re­le­van­ten Teil­be­rei­che nicht aus­zu­hun­gern, son­dern aktiv zu för­dern. Wir benö­ti­gen nicht nur genü­gend gut aus­ge­bil­dete Ärz­tin­nen und Ärzte, son­dern ebenso Pfle­ge­rin­nen und Pfle­ger. Neben dem Gesund­heits­be­reich ist es außer­dem wich­tig, die medi­zi­ni­sche For­schung in Öster­reich nicht nur kurz­zei­tig, son­dern lang­fris­tig finan­zi­ell zu unter­stüt­zen. Denn sie ermög­licht uns, rasch und effek­tiv Medi­ka­mente bei neu­ar­ti­gen Erkran­kun­gen zu ent­wi­ckeln, ebenso wür­den schnel­ler valide Anti­kör­per­test zur Ver­fü­gung ste­hen. Auch die Her­stel­lung von Imp­fun­gen sollte grund­sätz­lich geför­dert wer­den. Zudem muss die medi­zi­ni­sche Aus­rüs­tung wie­der in Europa pro­du­ziert wer­den, um weni­ger vom welt­wei­ten Markt abhän­gig zu sein. Denn ohne Schutz unse­rer Ärz­tin­nen und Ärzte und der Pflege kol­la­biert die Ver­sor­gung. Schutz bedeu­tet auch, dass ein gewis­ser Grund­stock an Mate­ria­lien vor­han­den sein muss, um rasch auf Kri­sen reagie­ren zu kön­nen. Unsere Gesund­heit ist es wert, dass die Poli­tik aus der aktu­el­len Situa­tion lernt und lang­fris­tig, nach­hal­tig und ver­nünf­tig agiert. 

ao. Univ. Prof. Tho­mas Sze­ke­res
Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 8 /​25.04.2020