Stand­punkt Johan­nes Stein­hart: Die ein­zige Konstante

15.12.2020 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

© Gregor Zeitler

Wenn es zum Jah­res­ende hin tra­di­tio­nell Zeit ist, auf die ver­gan­ge­nen Monate zurück­zu­bli­cken, dann fällt die­ses Mal auf, wie sehr sich die Wer­tig­kei­ten in die­sem Zeit­raum ver­scho­ben haben. Wäh­rend zu Jah­res­be­ginn 2020 die Kas­sen­re­form die Schlag­zei­len der hei­mi­schen Tages­zei­tun­gen beherrschte, war das Coro­na­vi­rus maximal noch eine im Blatt­in­ne­ren ver­steckte Kurz­mel­dung. Der tur­bu­lente Jah­res­ver­lauf hat dann klar auf­ge­zeigt, auf wel­che Kon­stan­ten in die­ser Zeit der Ver­än­de­rung Ver­lass war.

Wäh­rend die ange­kün­digte „größte Reform der zwei­ten Repu­blik“ eine Krankenkassen­Struktur gebracht hat, die von Beginn an eher mit sich selbst zu tun hatte und in den Zei­ten der größ­ten Pan­de­mie­not ten­den­zi­ell lie­ber den Weg des Abtau­chens gewählt hat, zeigte die Ärz­te­schaft, was in ihr steckt. Von Beginn an wurde mit­an­ge­packt und zum Bei­spiel in Wien mit der Tes­tung von Ver­dachts­fäl­len zuhause feder­füh­rend an ent­schei­den­den Maß­nah­men mit­ge­wirkt. Dies mit gro­ßem Dank von Politik­ und Kas­sen­seite, wo man des Know­how der Ärz­te­schaft drin­gend bedurfte. Lei­der bil­dete sich das nicht bezie­hungs­weise nur äußerst zöger­lich auf finan­zi­el­ler Ebene ab, wo Ärz­tin­nen und Ärzte unver­schul­det trotz höchs­ten per­sön­li­chen Ein­sat­zes teils sehr erheb­li­che Aus­fälle ver­zeich­nen mussten.

Nicht nur dar­aus gilt es nun, Leh­ren zu zie­hen. Wir kön­nen stolz auf unser Gesund­heits­sys­tem sein, das uns in die­sen Kri­sen­zei­ten ein gro­ßer Vor­teil war. Wenn es nun allent­hal­ben Lob für die­ses „Boll­werk“ gibt, dann dür­fen wir nicht ver­ges­sen, dass es unter Umstän­den nicht lange dau­ern kann, bis diverse Gesund­heits­öko­no­men wie­der den gro­ßen Rot­stift in die Hand neh­men. In den kom­men­den Zei­ten der wirt­schaft­li­chen Unwäg­bar­kei­ten ist dies kein undenk­ba­res Sze­na­rio. Wir müs­sen aber wei­ter laut­stark nicht nur für die Bei­be­hal­tung, son­dern den Aus­bau unse­res Gesund­heits­sys­tems ein­tre­ten. Vor allem im nie­der­ge­las­se­nen Kas­sen­be­reich gibt es viele Pro­blem­fel­der, die drin­gend beackert wer­den müssen. 

Eine wei­tere Aus­hun­ge­rung durch Poli­tik und Kas­sen kann irgend­wann auch mit dem größ­ten per­sön­li­chen Ein­satz nicht mehr wett­ge­macht wer­den. Dann fiele auch die letzte Kon­stante. Es liegt an uns, das zu verhindern.

Ich danke Ihnen allen für Ihr groß­ar­ti­ges Enga­ge­ment in die­sem beson­ders her­aus­for­dern­den Jahr, bitte blei­ben Sie gesund!

Dr. Johan­nes Stein­hart
Vize-Prä­­si­­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 23–24 /​15.12.2020