Stand­punkt Her­wig Lind­ner: 2020: Die Pro­bleme sind (noch) die alten

25.01.2020 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

© Bernhard Noll

Neue Regie­rung, neue Gesund­heits­kasse, neuer Gesund­heits­mi­nis­ter: 2020 bringt viele Ände­run­gen. Wie sich die aus­wir­ken, wird sich weisen.

An Her­aus­for­de­run­gen man­gelt es jeden­falls nicht. Öster­reich hat eines der bes­ten Gesund­heits­sys­teme welt­weit. Diese hohe Qua­li­tät gilt es zu erhal­ten und mög­lichst wei­ter zu ver­bes­sern. Zum Bei­spiel muss die Betreu­ung chro­nisch Kran­ker opti­miert wer­den. Durch die medi­zi­ni­schen Fort­schritte leben Men­schen län­ger, frü­her töd­li­che Erkran­kun­gen wer­den zu chro­ni­schen, Mul­ti­mor­bi­di­tä­ten häu­fen sich. Die­sen Pati­en­ten ist eine mög­lichst wohn­ort­nahe Ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten. Tele­me­di­zin ist nur ein Bau­stein. Vor allem muss in die flä­chen­de­ckende haus­ärzt­li­che Ver­sor­gung, aber auch in die fach­ärzt­li­che inves­tiert werden.

Die Poli­tik muss erken­nen, dass gemein­same Anstren­gun­gen aller Part­ner im Gesund­heits­we­sen zur Attrak­ti­vie­rung des Arzt­be­rufs nötig sind. Her­ab­wür­di­gun­gen von Ärz­ten, Stich­wort Mys­tery Shop­ping, und media­ler Dis­kre­di­tie­rung der Haus­ärzte ist ent­schie­den entgegenzutreten. 

Beson­ders das Berufs­bild des All­ge­mein­me­di­zi­ners muss auf­ge­wer­tet wer­den. Der Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin kann einen wich­ti­gen Bei­trag leis­ten. Die Leis­tungs­ka­ta­loge und Kom­pe­ten­zen sind zu erwei­tern und die Struk­tu­ren für eine leis­tungs­starke Pri­mär­ver­sor­gung aus­zu­bauen. In den Kran­ken­häu­sern müs­sen die Arbeits­be­din­gun­gen ver­bes­sert wer­den. Junge Ärzte sol­len nicht nur die Fähig­kei­ten für die ver­ant­wor­tungs­volle Arbeit ler­nen, son­dern auch die Freude am Beruf spü­ren. Über­volle Ambu­lan­zen, ein hoher Arbeits­druck und das Rüt­teln am KA-AZG bewir­ken das Gegenteil. 

Für eine umfas­sende Gesund­heits­ver­sor­gung muss nicht nur der ärzt­li­che Nach­wuchs gesi­chert sein, son­dern auch Steue­rungs­me­cha­nis­men geschaf­fen wer­den, um die Pati­en­ten zum für sie geeig­ne­ten Arzt zu lei­ten. Die über­las­te­ten Ambu­lan­zen zei­gen, dass eini­ges falsch läuft. Viele Pati­en­ten wis­sen nicht, wer wann der rich­tige Ansprech­part­ner ist. Trotz 1450. Um die best­mög­li­che Gesund­heits­ver­sor­gung zu sichern, müs­sen die Res­sour­cen rich­tig ver­teilt und effi­zi­ent genützt werden.

Die ÖÄK wird auch 2020 ihren Bei­trag zu einem funk­tio­nie­ren­den Gesund­heits­sys­tem leis­ten. Gemein­sam mit einer Regie­rung, die uns zuhört, kön­nen wir vie­les errei­chen. Denn die Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­cher haben nicht weni­ger als das beste Gesund­heits­sys­tem verdient.

Dr. Her­wig Lind­ner
1. Vize-Prä­­si­­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 1–2 /​25.1.2020