Aktu­el­les aus der ÖÄK: Arzt­pra­xen sind sicher

25.11.2020 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Die kom­men­den Monate wer­den das öster­rei­chi­sche Gesund­heits­sys­tem erneut auf die Probe stel­len. ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­dent Johan­nes Stein­hart sagt, wor­auf es im nie­der­ge­las­se­nen Bereich ankom­men wird.
Sascha Bunda

„Wir haben immer wie­der vor der zwei­ten Welle gewarnt, nun ist sie da“, kom­men­tiert Johan­nes Stein­hart, Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte. Herbst und Win­ter wür­den her­aus­for­dernd werden.

Ein zen­tra­les Thema sei dem ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­den­­ten zufolge, den Men­schen die Angst zu neh­men, in die Ordi­na­tio­nen zu kom­men. „Im Gegen­satz zum ers­ten Lock­down im Früh­jahr gibt es ja nun auch keine ent­spre­chende Emp­feh­lung der Regie­rung, die Ordi­na­tio­nen nur im Not­fall auf­zu­su­chen. Wir haben aus die­ser Phase gelernt, dass wir auch die ande­ren Krank­hei­ten, die im Umlauf sind, ernst neh­men müs­sen. Es sei wich­tig, Kol­la­te­ral­schä­den zu ver­mei­den, die dadurch ent­ste­hen wür­den, dass sich Pati­en­ten nicht trauen, ihren Arzt auf­zu­su­chen: „Zu oft wur­den dadurch wich­tige Kon­­troll- und Rou­ti­ne­un­ter­su­chun­gen ver­säumt oder bestehende Krank­heits­bil­der unnö­tig ver­schlim­mert, was wie­derum zu einem höhe­ren Behand­lungs­auf­wand geführt hat“, so Steinhart.

Erklär­tes Ziel sei daher, den Rou­ti­ne­be­trieb in den Ordi­na­tio­nen unter Ein­hal­tung der not­wen­di­gen Schutz­maß­nah­men auf­recht zu erhal­ten. Die Bun­des­ku­rie der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte hat die Emp­feh­lun­gen für den Ordi­na­ti­ons­be­trieb im Rah­men der COVI­­D19-Pan­­de­­mie über­ar­bei­tet und bie­tet damit einen Weg­wei­ser an, damit die Pra­xen sichere Orte blei­ben und Ärzte, Mit­ar­bei­ter und Pati­en­ten vor Anste­ckung geschützt und das Infek­ti­ons­ri­siko mini­miert wird. „Die Arzt­pra­xen sind also wie gewohnt wäh­rend der Pan­de­mie für unsere Pati­en­ten geöff­net und beim Ein­hal­ten der Sicher­heits­vor­keh­run­gen best­mög­lich sicher“, so Stein­hart: „Damit sie ein siche­rer Ort blei­ben, müs­sen unsere Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten nur mit­ma­chen und sich an diese sinn­vol­len Regeln halten.“

Rück­kehr der Vernunft

Die Wie­der­ein­füh­rung der tele­fo­ni­schen Krank­schrei­bung sei ein wich­ti­ger Schritt gewe­sen. Stein­hart begrüßt in die­sem Zusam­men­hang die „Rück­kehr der Ver­nunft im Wirt­schafts­flü­gel der ÖGK.“ „Die ohne­hin schon faden­schei­nig wir­ken­den Argu­mente gegen die Mög­lich­keit zur tele­fo­ni­schen Krank­schrei­bung gin­gen wohl lang­sam aus, nach­dem schwarz auf weiß fest­ge­hal­ten wurde, dass nicht nur kein Miss­brauch damit betrie­ben wurde, son­dern dass es zudem nicht ein­mal Ver­dachts­fälle gege­ben hat und dar­über hin­aus auch die Zahl der Kran­ken­stände nicht gestie­gen, son­dern sogar gesun­ken ist.“ Es sei nur ärger­lich gewe­sen, dass die­ser Erkennt­nis­pro­zess inner­halb der ÖGK-Kreise so lange gedau­ert habe: „Hier hätte man sich viel Ver­wir­rung und poten­ti­el­les Risiko für die Bevöl­ke­rung erspa­ren kön­nen, wenn man gleich auf die Exper­ten gehört hätte.“

Grund­sätz­lich solle in Zei­ten, in denen es um Kon­takt­re­duk­tion ging, auch ver­stärkt auf tele­me­di­zi­ni­sche Behand­lung per Tele­fon, Video­te­le­fo­nie oder E‑Mail gesetzt wer­den: „Auf diese Weise kann nicht nur abge­klärt wer­den, ob ein Pati­ent viel­leicht COVID­Sym­ptome hat, son­dern es kön­nen auch zahl­rei­che Beschwer­den kom­pe­tent zuge­ord­net und ange­mes­sen behan­delt wer­den“, sagt Stein­hart. Auch Rezepte und Über­wei­sun­gen kön­nen wie­der ohne Besuch einer Arzt­pra­xis tele­fo­nisch oder per E‑Mail abge­wi­ckelt werden.

Dar­über hin­aus dürfe man auch die lang­fris­tige Sta­bi­li­tät des nie­der­ge­las­se­nen Bereichs nicht aus den Augen ver­lie­ren, mahnt Stein­hart. „Wir set­zen uns wei­ter vehe­ment für Aus­gleichs­zah­lun­gen ein, denn der nie­der­ge­las­sene Bereich wird auch in Zukunft ent­schei­dend für das hei­mi­sche Gesund­heits­sys­tem sein.“ Dar­über hin­aus seien auch zusätz­li­che Inves­ti­tio­nen drin­gend not­wen­dig, um die ande­ren nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen zu stop­pen: „Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, dass sich der Ärz­te­man­gel beson­ders im Kas­sen­be­reich ver­schärft. Kei­nes­falls las­sen wir zu, dass die not­wen­di­gen finan­zi­el­len Unter­stüt­zun­gen – vor nicht allzu lan­ger Zeit stand zum Bei­spiel eine Gesund­heits­mil­li­arde im Raum – nun mit öko­no­mi­schen Rot­stift­ar­gu­men­ten wei­ter hint­an­ge­hal­ten wer­den.“ Das wäre, so Stein­hart, das „ziem­lich schlech­teste Fazit, das man aus der bis­he­ri­gen Pan­de­mie zie­hen könnte“: „Wir wer­den wei­ter für die beste Gesund­heits­ver­sor­gung in Öster­reich ein­tre­ten, auch für den Fall, dass die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger schnell ver­ges­sen soll­ten, wor­auf es nicht nur in die­ser Krise, son­dern in der Zukunft all­ge­mein ankommt.“ 

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2020