CIRS­me­di­cal: Medi­ka­ti­ons­feh­ler durch Kontraindikation

25.05.2019 | Ser­vice


Einer Pati­en­tin mit einer AV-jun­k­­ti­o­­na­­len Tachy­kar­die wird bei bekann­tem Asthma bron­chiale Ade­no­sin ver­ab­reicht – eine Kon­tra­in­di­ka­tion. Da der fol­gende Bron­chos­pas­mus zunächst nicht erkannt wird, ver­stirbt die Patientin.

An einem Wochen­tag kommt eine Frau (Alter zwi­schen 41 und 50) auf­recht gehend in die Not­fall­am­bu­lanz eines Kran­ken­hau­ses und klagt über schnel­len Herz­schlag. Mit­tels EKG wird eine AV-jun­k­­ti­o­­nale Tachy­kar­die dia­gnos­ti­ziert und Ade­no­sin ver­ab­reicht. Bei der Pati­en­tin ist Asthma bron­chiale bekannt – eine Kon­tra­in­di­ka­tion für Ade­no­sin. Der fol­gende Bron­chos­pas­mus wird zunächst nicht rich­tig erkannt. Die Pati­en­tin wird reani­ma­ti­ons­pflich­tig und ver­stirbt im wei­te­ren Ver­lauf. Als eige­nen Rat­schlag gibt der Arzt mit mehr als fünf Jah­ren Berufs­er­fah­rung an, dass bei der Anwen­dung von Medi­ka­men­ten medi­zi­ni­sches Wis­sen über deren Kon­tra­in­di­ka­tio­nen vor­han­den sein muss.

Feed­back des CIRS-Team­­s/­­Fach­­kom­­men­­tar

Lösungs­vor­schlag bzw. Fall­ana­lyse
Die­ser Fall ist beson­ders tra­gisch, da eine gesunde Frau zu Tode gekom­men ist, was mehr­fach ver­meid­bar gewe­sen wäre:

  • Für eine Ana­mne­seer­he­bung wäre genü­gend Zeit gewesen.
  • Pri­märe The­ra­pie in die­sem Fall wäre die Vagussti­mu­la­tion gewe­sen; aus dem Bericht geht nicht her­vor, ob das ver­sucht wurde.
  • Abso­lute Kon­tra­in­di­ka­tio­nen bei Akut­me­di­ka­men­ten müs­sen bekannt sein.
  • Das Nicht­er­ken­nen eines Bron­chos­pas­mus, der zu einem hypo­xi­schen Kreis­lauf­still­stand führt, lässt auf man­gelnde Über­wa­chung und schlech­tes Not­fall­ma­nage­ment schließen.

Experte der KRAGES
(medi­­­zi­­nisch-fach­­li­cher Aspekt)


Lösungs­vor­schlag bzw. Fallanalyse

Hier stel­len sich einige Fra­gen: Wie erfolgte die Auf­nahme? Die Pati­en­tin kam gehend (und ver­mut­lich bei kla­rem Bewusst­sein) in die Not­auf­nahme. Vor der Gabe von Not­fall­me­di­ka­men­ten ist jeden­falls eine Kurz-Ana­m­nese zu erhe­ben, die zumin­dest bekannte Erkran­kun­gen sowie Dauer- und Bedarfs­me­di­ka­mente umfasst. Vor dem Ein­satz von Not­fall­me­di­ka­men­ten müs­sen even­tu­ell vor­han­dene Kon­tra­in­di­ka­tio­nen abge­klärt wer­den; für häu­fige Gefah­ren­quel­len wie das Vor­lie­gen eines Asthma bron­chiale müsste es einen Alert geben. Eben­falls unklar ist die Art der Über­wa­chung nach der Ade­­no­­sin-Gabe bezie­hungs­weise ob diese über­haupt statt­ge­fun­den hat. Abge­se­hen von eini­gen feh­len­den Infor­ma­tio­nen scheint es sich hier um fahr­läs­si­ges Vor­ge­hen zu han­deln, dem hof­fent­lich detail­liert nach­ge­gan­gen wird.

Experte des BIQG
(Stel­lung­nahme BIQG)

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2019