Poli­ti­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

25.05.2019 | Poli­tik


Dro­gen­be­richt: Alko­hol bleibt ein Problem

Der „Epi­de­mio­lo­gie­be­richt Sucht 2018“ zeigt, dass sich die Dro­gen­pro­ble­ma­tik vor allem im Hin­blick auf ille­gale Sucht­mit­tel ins­ge­samt ver­bes­sert: Der Opioid­kon­sum etwa sta­gniert und geht sogar zurück. Gleich­zei­tig wird Alko­hol immer mehr zum Pro­blem. Laut dem von der Gesund­heit Öster­reich GmbH (GÖG) im Auf­trag des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums erstell­ten Bericht kon­su­miert etwa jeder sie­bente Öster­rei­cher Alko­hol in einem gesund­heits­ge­fähr­den­den Aus­maß. Dabei ist der Anteil unter Män­nern dop­pelt so hoch wie unter Frauen. Die expli­zit mit Alko­hol asso­zi­ier­ten Todes­fälle sind seit den 1990er-Jah­­ren zwar rück­läu­fig. De facto dürfte die Zahl der Todes­fälle, bei denen exzes­si­ver Alko­hol eine Rolle gespielt hat, jedoch höher sein. Der Tabak­kon­sum hat sich deut­lich ver­rin­gert, liegt aber immer noch über dem euro­päi­schen Durch­schnitt – und zwar sowohl bei Kin­dern und Jugend­li­chen als auch bei Erwach­se­nen, beson­ders bei Frauen.

Miss­brauch von Opio­iden nimmt zu

Zwi­schen 2011 und 2016 ist die Zahl der Todes­fälle durch den Miss­brauch von Opio­iden in eini­gen euro­päi­schen Staa­ten um 20 Pro­zent gestie­gen. Das geht aus einer kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Stu­die der Orga­ni­sa­tion für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) her­vor. Betrof­fen sind dem­nach vor allem Schwe­den, Nor­we­gen, Irland, Eng­land und Wales. Hin­ter­grund ist der zuneh­mende ille­gale Han­del mit Opio­iden. In die Stu­die sind Daten aus 25 der 35 OECD-Län­­der, dar­un­ter auch Öster­reich, ein­ge­flos­sen. Unter allen ana­ly­sier­ten Staa­ten gab es in den USA und Kanada die meis­ten Todes­fälle durch Opioid-Mis­s­­brauch; Öster­reich liegt im Mittelfeld.

Island: Abtrei­bun­gen län­ger erlaubt

Nach mona­te­lan­gen, inten­si­ven Debat­ten hat das Par­la­ment in Reykja­vik kürz­lich ent­schie­den, dass Abtrei­bun­gen künf­tig bis zur 22. Schwan­ger­schafts­wo­che erlaubt sind – auch ohne die Zustim­mung eines medi­zi­ni­schen Aus­schus­ses. Bis­her waren Abtrei­bun­gen ohne eine sol­che Zustim­mung schon nach der 16. Woche verboten.

Arz­nei-Wer­­be­­s­pots in den USA: künf­tig mit Preis

In den USA muss in TV-Wer­­be­­s­pots für Arz­neien, die mehr als 35 Dol­lar pro Behand­lung oder Monat kos­ten, künf­tig auch der Preis des Medi­ka­ments ange­ge­ben wer­den. Die US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Regie­rung möchte damit dazu bei­tra­gen, die Kos­ten für ver­schrei­bungs­pflich­tige Medi­ka­mente zu sen­ken. Viele Prä­pa­rate sind in den Nach­bar­län­dern Mexiko und Kanada deut­lich bil­li­ger. Der Preis für die zehn am meis­ten bewor­be­nen Medi­ka­mente in den USA liegt zwi­schen 488 und knapp 17.000 Dol­lar pro Monat.

Grie­chen­land: Kran­ken­haus­per­so­nal streikt

Aus Pro­test gegen Lohn­kür­zun­gen und wegen eines aku­ten Per­so­nal­man­gels haben kürz­lich in Grie­chen­land die Pfle­ge­kräfte der staat­li­chen Kran­ken­häu­ser gestreikt. Nur Not­fälle wur­den behan­delt. Die Gewerk­schaft kri­ti­sierte, dass die Aus­ga­ben des Haus­hal­tes für die Gesund­heit wegen der schwe­ren Finanz­krise dra­ma­tisch gesun­ken seien. Nach Anga­ben des Athe­ner Ärz­te­ver­ban­des sind seit 2010 rund 18.000 junge grie­chi­sche Ärzte und Tau­sende Kran­ken­pfle­ger ausgewandert.

ÖÄK bedau­ert Ableh­nung der Impfpflicht

Ohne Regu­la­to­rien werde Öster­reich die von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion emp­foh­lene Masern-Durch­­­im­p­­fungs­­­rate von 95 Pro­zent nicht errei­chen, erklärte Rudolf Schmitz­ber­ger, Lei­ter des Impf­re­fe­rats der ÖÄK. Zuvor hat­ten sich Gesund­heits­mi­nis­te­rin Beate Har­­tin­­ger-Klein und die Lan­des­ge­sund­heits­re­fe­ren­ten gegen eine Masern-Imp­f­pflicht aus­ge­spro­chen. Schmitz­ber­ger betonte, dass sich die ÖÄK wei­ter für die Ein­füh­rung einer gene­rel­len Impf­pflicht stark machen werde. Diese soll alle im Impf­plan emp­foh­le­nen Imp­fun­gen – beson­ders die Gra­­tis-Kin­­der­­im­p­­fun­­­gen – umfassen.

ÖÄK kri­ti­siert hohe Rück­la­gen der Krankenkassen

„Kran­ken­kas­sen sind nicht dazu da, Ver­si­che­rungs­gel­der zu hor­ten und noch höhere Rück­la­gen zu bil­den, son­dern sol­len sicher­stel­len, dass allen Pati­en­ten der Zugang zu Spit­zen­me­di­zin offen steht“, kri­ti­sierte ÖÄK-Prä­­si­­dent Univ. Prof. Tho­mas Sze­ke­res die hohe Rück­la­gen­bil­dung der Kran­ken­kas­sen. Für das Jahr 2018 wei­sen die Kran­ken­kas­sen ein Plus von 111 Mil­lio­nen Euro aus. Das ist fast drei­mal so viel wie die erst vor einem hal­ben Jahr pro­gnos­ti­zier­ten 40 Mil­lio­nen Euro. Ange­sichts des Ärz­te­man­gels und des drin­gen­den Inves­ti­ti­ons­be­darfs in allen Berei­chen des öffent­li­chen Gesund­heits­we­sens wäre es laut Sze­ke­res sinn­vol­ler, diese Gel­der ins Sys­tem flie­ßen zu las­sen – daran ändere auch das für 2019 erwar­tete hohe Defi­zit der Kran­ken­kas­sen nichts.

Öster­reich: aktu­elle Masern-Bilanz

In Öster­reich wur­den in die­sem Jahr (Stand: 15. Mai) bereits 106 Masern-Fälle gemel­det. Betrof­fen waren alle Bun­des­län­der außer dem Bur­gen­land. Nach den ers­ten Masern-Fäl­­len in Salz­burg sind in letz­ter Zeit in Kärn­ten 24 Per­so­nen nach­weis­lich an Masern erkrankt. Auch in Wien kamen Anfang Mai inner­halb einer Woche sechs Fälle hinzu. In Nie­der­ös­ter­reich wur­den zuletzt fünf von­ein­an­der unab­hän­gige Fälle registriert. 

Gesund­heits­be­rufe: Regis­trie­rung bis 30. Juni

Die Frist für Ange­hö­rige bestimm­ter Pflege- und Gesund­heits­be­rufe, sich im Gesun­d­heits­­­be­­rufe-Regis­­ter ein­zu­tra­gen, läuft noch bis 30. Juni 2019. Geschieht dies nicht, müs­sen Dienst­ge­ber und Berufs­an­ge­hö­rige mit Ver­wal­tungs­stra­fen bis hin zum Ver­lust der Berufs­be­rech­ti­gung rech­nen. Betrof­fen sind Per­so­nen, die bereits beim Start des Regis­ters am 1. Juli 2018 in einem Gesund­heits­be­ruf tätig waren. Für unselbst­stän­dig Beschäf­tigte ist die Arbei­ter­kam­mer, für Selbst­stän­dige die Gesund­heit Öster­reich GmbH (GÖG) zustän­dig. Regis­triert wer­den diplo­mierte Pfle­ger, Pflege- und Pfle­ge­fach­as­sis­ten­ten, Phy­­sio- und Ergo­the­ra­peu­ten, Diä­to­lo­gen, Logo­pä­den, Orth­op­tis­ten, Radio­tech­no­lo­gen und bio­me­di­zi­ni­sche Analytiker.

Rück­läu­fige Gebur­ten­rate in den USA

In den USA ist die Zahl der Gebur­ten auf den nied­rigs­ten Stand seit mehr als 30 Jah­ren gesun­ken. Das gab die US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Gesund­heits­be­hörde CDC (Cen­ters for Dise­ase Con­trol) bekannt. Mit 3.788.235 Kin­dern kamen 2018 um zwei Pro­zent weni­ger Kin­der zur Welt als 2017. Die Gebur­ten­rate pro Frau ist damit in den USA im Jahr 2017 auf das Rekord­tief von 1,7 gesun­ken – eben­falls zwei Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land lag die Gebur­ten­rate laut den aktu­ells­ten Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts im Jahr 2017 bei 1,57.

WHO sieht Fort­schritte bei Gesundheitsversorgung

WHO-Dire­k­­tor Tedros Adha­nom Ghe­breye­sus hat kürz­lich im Rah­men der 72. Jah­res­ver­samm­lung der WHO die „gro­ßen Fort­schritte“ im Hin­blick auf die all­ge­meine Gesund­heits­ver­sor­gung gelobt. Beson­ders Län­der wie Kenia, Indien, Süd­afrika, Ägyp­ten, El Sal­va­dor, Grie­chen­land und die Phil­ip­pi­nen hät­ten durch ihre Anstren­gun­gen der Bevöl­ke­rung eine bes­ser zugäng­li­che Gesund­heits­ver­sor­gung ermög­licht. Den­noch: Welt­weit wür­den rund 18 Mil­lio­nen Fach­kräfte im Gesund­heits­we­sen feh­len, um die ange­streb­ten Ziele bis 2030 zu errei­chen. „Es ist uner­läss­lich, dass alle Län­der in ent­spre­chende Arbeits­plätze inves­tie­ren, um diese Lücke zu schlie­ßen und Gesund­heit für alle zu gewähr­leis­ten.“ Laut WHO hat noch immer mehr als die Hälfte der Welt­be­völ­ke­rung kei­nen Zugang zu einer grund­le­gen­den Gesundheitsversorgung.

G7-Staa­­ten wol­len Aids und Mala­ria eindämmen

Die Staa­ten der G7-Gruppe wol­len den Aus­bruch und die Ver­brei­tung von Krank­hei­ten wie Aids, Tuber­ku­lose und Mala­ria ein­däm­men. „Die Bekämp­fung und die Aus­rot­tung von HIV und von ande­ren Infek­ti­ons­krank­hei­ten ist unser gemein­sa­mes Ziel“, so der deut­sche Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn. Jähr­lich seien 2,7 Mil­lio­nen Todes­fälle auf Aids, Tuber­ku­lose und Mala­ria zurück­zu­füh­ren. Alle Betei­lig­ten müss­ten han­deln, um diese Krank­hei­ten bis 2030 aus­zu­rot­ten. Zu den G7-Län­­dern gehö­ren Deutsch­land, Frank­reich, die USA, Groß­bri­tan­nien, Ita­lien, Kanada und Japan.

Ärz­te­kam­mer Wien: Impf­pflicht für Gesund­heits­per­so­nal gefordert

Die Wie­ner Ärz­te­kam­mer for­dert, dass für das gesamte Gesund­heits­per­so­nal in Öster­reichs Spi­tä­lern Imp­fun­gen künf­tig ange­bo­ten und durch den Arbeit­ge­ber bezahlt wer­den sol­len – ein­schließ­lich von Titer­be­stim­mun­gen im Falle eines unkla­ren Impf­sta­tus. Außer­dem sol­len in Kran­ken­an­stal­ten künf­tig nur noch Per­so­nen auf­ge­nom­men wer­den dür­fen, die einen voll­stän­di­gen Impf­sta­tus ent­spre­chend den im Öster­rei­chi­schen Impf­plan emp­foh­le­nen Imp­fun­gen nach­wei­sen kön­nen. Durch eine Ver­ord­nung der Ärz­te­kam­mer soll­ten auch frei­be­ruf­lich tätige Ärzte sowie das Per­so­nal in Ordi­na­tio­nen zu Imp­fun­gen ver­pflich­tet wer­den. Die Ver­pflich­tung soll ab 2020 ver­an­kert werden.

Reso­lu­tion zu „Don’t Smoke“ beschlossen

In einer Reso­lu­tion for­dert der Vor­stand der Ärz­te­kam­mer für Wien von den im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­teien, das Thema Nicht­rau­cher­schutz rasch wie­der auf die Tages­ord­nung des Natio­nal­ra­tes noch vor der Neu­wahl zu set­zen. Damit erhofft man sich die unver­züg­li­che Umset­zung eines umfas­sen­den Nicht­rau­cher­schut­zes in der öster­rei­chi­schen Gas­tro­no­mie – ent­spre­chend der bereits 2015 beschlos­se­nen Novelle zum Tabak­ge­setz. So würde auch dem Ansin­nen jener 881.692 Öster­rei­cher ent­spro­chen wer­den, die im ver­gan­ge­nen Jahr das Volks­be­geh­ren „Don‘t Smoke“ unter­schrie­ben haben, so Ärz­te­kam­mer­prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res. Begrün­det wurde der Beschluss mit dem „Aus­schei­den des Vize­kanz­lers der Repu­blik Öster­reichs, der sich stets vehe­ment gegen die Ein­füh­rung eines abso­lu­ten Rauch­ver­bots in Öster­reichs Gas­tro­no­mie aus­ge­spro­chen und damit alle dies­be­züg­li­chen medi­zi­ni­schen und gesell­schafts­po­li­ti­schen Argu­mente kon­se­quent negiert hat“. Sze­ke­res ver­weist dar­auf, dass ein Drit­tel aller Krebs­er­kran­kun­gen auf Rau­chen zurück­zu­füh­ren ist. Gene­relle Nicht­rau­cher­schutz­be­stim­mun­gen in ande­ren EU-Län­­dern hät­ten gezeigt, dass damit Herz­in­farkte, Atem­wegs­er­kran­kun­gen, Angina pec­to­ris sowie die Früh­ge­bur­ten­rate und die Anzahl der zu klei­nen Neu­ge­bo­re­nen nach­hal­tig redu­ziert wer­den konnten.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2019