Medi­zi­ni­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

25.11.2019 | Medizin


All­er­gi­ker im Stress: höhere Kortisolspiegel

Das Team um Lisa-Maria Glenk vom Mes­serli For­schungs­in­sti­tut der Vet­med Wien, der Med­Uni Wien und der Uni­ver­si­tät Wien unter­zog All­er­gi­ker und Nicht-All­er­gi­ker einem Test, der Stress aus­löste. Anschlie­ßend füll­ten die Teil­neh­mer einen Fra­ge­bo­gen aus, wie sie mit Emo­tio­nen umge­hen. Bei der Mes­sung zeigte sich bei All­er­gi­kern ein stär­ke­res Anstei­gen des Kor­tisol­spie­gels, der anschlie­ßend auch wie­der lang­sa­mer absank. Bei Oxy­to­cin wie­sen die All­er­gi­ker einen höhe­ren Aus­gangs­wert im Blut auf; die­ser sank jedoch infolge von Stress. Bei Gesun­den war das genau umge­kehrt. Bei Befra­gun­gen zeigte sich, dass All­er­gi­ker stär­ker zum Unter­drü­cken ihrer Sym­ptome nei­gen. Auch erhol­ten sich All­er­gi­ker, die zu einer emo­tio­na­len Neu­be­wer­tung ihrer Situa­tion fähig sind, deut­lich schnel­ler. „Durch diese Ergeb­nisse kann ange­nom­men wer­den, dass Mecha­nis­men der Stress­re­gu­la­tion eine ent­schei­dende Rolle für das häu­fig gemein­same Auf­tre­ten von All­er­gien und Depres­sio­nen spie­len“, erklärte Co-Autor Oswald D. Koth­gas­s­ner von der Med­Uni Wien.
APA/​Stress

Krea­ti­vi­tät för­dert die Gesund­heit

Krea­tive Beschäf­ti­gun­gen haben einen lebens­lan­gen posi­ti­ven Ein­fluss auf die kör­per­li­che und geis­tige Gesund­heit – das zeigt der von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) Anfang Novem­ber die­ses Jah­res in Hel­sinki vor­ge­legte Bericht. Bei der Aus­wer­tung von mehr als 900 Publi­ka­tio­nen zeigte sich, dass sich zahl­rei­che gesel­lige und künst­le­ri­sche Akti­vi­tä­ten als sinn­volle Ergän­zung zu einer ärzt­li­chen The­ra­pie eig­nen. So wie­sen bei­spiels­weise Kin­der eine bes­sere Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit auf, wenn ihnen die Eltern vor dem Zubett­ge­hen vor­ge­le­sen hat­ten. Bei Men­schen, die an Demenz lei­den, führte wie­derum das Sin­gen zu einer Ver­bes­se­rung der Auf­merk­sam­keit und der geis­ti­gen Fähig­kei­ten. Dadurch konnte der posi­tive Ein­fluss von Musik auf das Erin­ne­rungs­ver­mö­gen bestä­tigt wer­den. Der Fokus der Stu­dien lag auf den Kate­go­rien dar­stel­lende und visu­elle Kunst, Lite­ra­tur, Kul­tur und Online-Künste.
APA

1/​3 aller Demenz­fälle kann durch Bil­dung und einen gesun­den Lebens­stil posi­tiv beein­flusst wer­den. Das zeigt eine Unter­su­chung von 502 Bri­ten des Jahr­gangs 1946 im Alter von 8 und 70 Jah­ren im Hin­blick auf ihre Gedächt­nis­leis­tung. Dabei schnit­ten Frauen bes­ser ab als Män­ner, Col­lege-Absol­ven­ten um 16 Pro­zent bes­ser als Schul­ab­bre­cher. Die­je­ni­gen, die schon mit acht Jah­ren bei Gedächt­nis­tests gute Ergeb­nisse lie­fer­ten, taten sich auch als 70-Jäh­rige leich­ter. 
APA

Strom gegen Vorhofflimmern

In einer Phase-II-Stu­die haben Wis­sen­schaf­ter am Wie­ner AKH an 40 Pati­en­ten einen elek­tri­schen Impuls­ge­ber getes­tet, der das Risiko für post­ope­ra­ti­ves Vor­hof­flim­mern ver­rin­gert. Der Puls­ge­ber wird am Außen­ohr ange­bracht und soll durch Sti­mu­la­tion des para­sym­pa­thi­schen Ner­ven­sys­tems post­ope­ra­tive Kom­pli­ka­tio­nen mini­mie­ren. Die Sti­mu­la­tion erfolgt in den ers­ten fünf Tagen nach der Ope­ra­tion, wenn das Risiko für Vor­hof­flim­mern am größ­ten ist. Lie­fert die fol­gende Phase-II-Stu­die erfolg­rei­che Ergeb­nisse, ist ein Ein­satz in der kli­ni­schen Pra­xis in etwa vier Jah­ren rea­lis­tisch.
APA

Masern­in­fek­tion löscht Immun­ge­dächt­nis

Wel­che Mecha­nis­men zur Immun­sup­pres­sion nach einer Masern­in­fek­tion füh­ren, unter­such­ten For­scher des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts in Lan­gen zusam­men mit Wis­sen­schaf­tern aus Groß­bri­tan­nien und den Nie­der­lan­den. Ergeb­nis: Im Gegen­satz zu Men­schen ohne Masern­in­fek­tion und Geimpf­ten, bei denen die Viel­falt und die Zusam­men­set­zung der B‑Gedächtniszellen sta­bil war, war bei Per­so­nen nach einer Masern­in­fek­tion die Viel­falt der Immun­zel­len zum Teil stark beein­träch­tigt. Auch gab es Hin­weise auf eine Beein­träch­ti­gung der B‑Zellreifung.
APA

Kom­mis­sur: mensch­li­ches L1CAM ent­spricht Neu­ro­glian der Frucht­fliege

Das bei der Frucht­fliege für die Bil­dung von Kom­mis­su­ren im Gehirn ver­ant­wort­li­che Eiweiß Neu­ro­glian ist auch im mensch­li­chen Gehirn als L1CAM dafür ver­ant­wort­lich. For­scher rund um Univ. Prof. Tho­mas Hum­mel vom Depart­ment für Neu­ro­bio­lo­gie der Uni­ver­si­tät Wien haben im Ver­such die Funk­tion von Neu­ro­glian in Frucht­flie­gen durch Muta­tion zer­stört und dadurch das Wachs­tum der Kom­mis­sur unter­bro­chen. So wurde auch die Bil­dung aller wei­te­ren Kom­mis­su­ren im Erwach­se­nen­al­ter ver­hin­dert. Das mensch­li­che „L1CAM“ konnte den Defekt im Gehirn der Fliege aller­dings behe­ben. Den Aus­sa­gen der Wis­sen­schaf­ter zufolge deu­tet das auf einen ver­gleich­ba­ren Ent­wick­lungs­pro­zess bei Fliege und Mensch hin. Dies ist inso­fern von Rele­vanz, da zahl­rei­che neu­ro­nale Erkran­kun­gen mit einer gerin­gen Aus­bil­dung oder dem Ver­lust die­ser Kom­mis­su­ren in Zusam­men­hang ste­hen.
APA/​Science Advances

Gen­the­ra­pie bei Temporallappen-Epilepsie

Basie­rend auf einer geziel­ten Gen­the­ra­pie haben For­scher der Med­Uni Inns­bruck in Zusam­men­ar­beit mit der Ber­li­ner Cha­rité eine neue Methode für die Behand­lung der Tem­po­ral­lap­pen-Epi­lep­sie ent­wi­ckelt. Dabei wird ein spe­zi­el­les Gen, das die Pro­duk­tion von Dynor­phin anregt, selek­tiv in die jewei­lige Ursprungs­re­gion der Anfälle ein­ge­schleust. Dynor­phin wie­derum schützt vor über­mä­ßi­ger neu­ro­na­ler Über­re­gung. „Bei hoch­fre­quen­ter Sti­mu­la­tion der Ner­ven­zel­len wie zu Beginn des Anfalls wird Dynor­phin aus­ge­schüt­tet. Es bewirkt eine Dämp­fung der Reiz­wei­terlei­tung und der epi­lep­ti­sche Anfall bleibt aus“, so Ao. Univ. Prof. Chris­toph Schwar­zer vom Insti­tut für Phar­ma­ko­lo­gie der Med­Uni Inns­bruck. Im Tier­ver­such konn­ten damit epi­lep­ti­sche Anfälle für meh­rere Monate unter­drückt wer­den. Bis­lang sind bei Men­schen, die an Tem­po­ral­lap­pen-Epi­lep­sie lei­den, die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Medi­ka­mente häu­fig nicht aus­rei­chend und wei­sen oft schwere Neben­wir­kun­gen auf.
APA/​EMBO Mole­cu­lar Medicine

Mul­ti­re­sis­tente Bak­te­rien in Bade­ge­wäs­sern

In vier öffent­li­chen Bade­ge­wäs­sern Öster­reichs – im Stau­see Forch­ten­stein im Bur­gen­land, im Ossia­cher­see in Bodens­dorf in Kärn­ten, im Donau­altarm Grei­fen­stein in Nie­der­ös­ter­reich und im Bre­gen­zer Wocher­ha­fen – haben Wie­ner For­scher mul­ti­re­sis­tente Bak­te­rien nach­ge­wie­sen. Ein Team um Sarah Lepu­schitz vom Insti­tut für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­lo­gie und Hygiene der Öster­rei­chi­schen Agen­tur für Gesund­heit und Ernäh­rungs­si­cher­heit (AGES) in Wien hat im Som­mer 2017 Bade­stel­len unter­sucht. Pro Bun­des­land wur­den in drei Seen und Stau­be­rei­chen, die als „EU-Bade­ge­wäs­ser“ dekla­riert sind, Pro­ben ent­nom­men. Die im Bur­gen­land gefun­dene Pseu­do­mo­nas aeru­gi­nosa-Bak­te­rie wies zahl­rei­che Resis­tenz-Gene auf, sprach aber noch auf meh­rere Reser­ve­an­ti­bio­tika an. In Kärn­ten und Nie­der­ös­ter­reich fan­den die For­scher Ente­ro­bac­ter-Bak­te­rien, die u.a. gegen Ampi­cil­lin resis­tent waren. In Vor­arl­berg wurde hin­ge­gen ein Esche­ri­chia-coli-Keim fest­ge­stellt. Weil aller­dings jene Gewäs­ser beprobt wur­den, bei denen am ehes­ten davon aus­zu­ge­hen ist, dass mul­ti­re­sis­tente Keime gefun­den wer­den, wür­den die Ergeb­nisse „den schlimms­ten mög­li­chen Fall“ auf­zei­gen, so Univ. Prof. Franz Aller­ber­ger von der AGES.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2019