Medi­zi­ni­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

10.06.2019 | Medi­zin

Licht-Dun­­­kel-Rhyth­­mus beein­flusst Insulin-Sensitivität

Die Insu­­lin-Sen­­si­­ti­­vi­­tät des Gewe­bes schwankt im Tages­ver­lauf, wes­halb der Licht-Dun­­­kel-Rhyth­­mus bei der Berech­nung der Insu­lin­men­gen für Men­schen, die an Dia­be­tes mel­li­tus lei­den, berück­sich­tigt wer­den sollte – das haben die For­scher um Robert Cop­pari von der Uni­ver­si­tät Genf her­aus­ge­fun­den. Bei der Unter­su­chung von Mäu­sen, denen das SIRT1-Gen für die bio­lo­gi­sche Uhr in den VMH SF1 Neu­ro­nen im Hypo­tha­la­mus fehlt, stell­ten die Wis­sen­schaf­ter tages­zeit­li­che Schwan­kun­gen bei der Blut­glu­­kose-Auf­­­nahme ins Gewebe fest. Eine gezielte Stö­rung des Licht-Dun­­­kel-Rhyth­­mus beein­flusste die Insu­­lin-Sen­­si­­ti­­vi­­tät und Glu­ko­se­auf­nahme des Mus­kel­ge­we­bes nega­tiv, ohne dass sich dabei jedoch Aus­wir­kun­gen auf die Auf­nahme in die Leber und ins Fett­ge­webe zeig­ten.
APA/​Cell Reports

3D-Tumor­a­b­­bild erleich­tert Therapiewahl

Exper­ten der Uni­ver­si­tät Genf sowie der Uni­ver­si­täts­spi­tä­ler Genf und Lau­sanne haben ein Sys­tem ent­wi­ckelt, mit dem Tumo­ren für eine per­so­na­li­sierte The­ra­pie drei­di­men­sio­nal und rea­li­täts­nä­her nach­ge­bil­det wer­den kön­nen. Dabei kön­nen sich Tumor‑, Gewebe- und Blut­ge­fäß­zel­len in einem Kul­tur­me­dium eigen­stän­dig zu einem Mini-Tumor orga­ni­sie­ren und wach­sen, sodass The­ra­pie­an­sätze in ver­schie­de­nen Ent­wick­lungs­sta­dien getes­tet wer­den kön­nen. Mit­hilfe des Modells konnte gezeigt wer­den, dass die Kom­bi­na­tion einer gerin­ge­ren Dosis von drei Medi­ka­men­ten wirk­sa­mer ist als die hohe Dosis eines ein­zi­gen Prä­pa­ra­tes und dass jeder Pati­ent unter­schied­lich auf bestimmte Kom­bi­na­tio­nen reagiert, erklärt Patrycja Nowak-Sli­­win­ska von der Uni­ver­si­tät Genf.
APA/​Scientific Reports


Funk­tio­nelle MRI weist gestör­tes Sozi­al­ver­hal­ten nach

Bei sozial auf­fäl­li­gen Teen­agern sind die für die Kon­trol­len von Emo­tio­nen wich­ti­gen Hirn­areale und Ver­net­zun­gen zwi­schen die­sen Hirn­area­len weni­ger aktiv. Das haben Wis­sen­schaf­ter um Nora Raschle von der Uni­ver­si­tät Zürich und Chris­tina Stad­ler von den Kin­­der- und Jugend­psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken in Basel in einer Stu­die mit jun­gen Frauen im Alter von 15 bis 18 Jah­ren her­aus­ge­fun­den. Die funk­tio­nelle Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie (fMRI) zeigte gerin­gere Akti­vi­täts­ni­veaus in ent­spre­chen­den prä­fron­ta­len und tem­po­ra­len Hirn­area­len bei Teil­neh­me­rin­nen mit einer dia­gnos­ti­zier­ten Stö­rung des Sozi­al­ver­hal­tens. Diese Ergeb­nisse spre­chen für eine neu­ro­nale Erklä­rung für Emo­ti­ons­re­gu­la­ti­ons­de­fi­zite, kön­nen aber auch auf eine ver­zö­gerte Hirn­ent­wick­lung zurück­zu­füh­ren sein.
APA/​Cognitive Neu­ro­sci­ence and Neuroimaging

Insu­lin­re­sis­tenz und gynä­ko­lo­gi­sche Kar­zi­nome: kein Zusammenhang

Ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Ansicht steht Insu­lin­re­sis­tenz doch nicht in Zusam­men­hang mit gynä­ko­lo­gi­schen Krebs­for­men; gastro­in­tes­ti­nale Kar­zi­nome wie jene von Leber, Dick­darm, Pan­kreas und Nie­ren­kar­zi­nome wer­den hin­ge­gen durch Über­ge­wicht begüns­tigt. Das ist das Ergeb­nis der mehr als 17 Jahre dau­ern­den Stu­die von Josef Fritz und Univ. Prof. Hanno Ulmer von der Sek­tion für Medi­zi­ni­sche Sta­tis­tik und Infor­ma­tik der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck. Im Rah­men die­ser Stu­die, die als Teil des euro­päi­schen Koope­ra­ti­ons­pro­jek­tes Me-Can mit 510.000 Teil­neh­mern aus Öster­reich, Schwe­den und Nor­we­gen durch­ge­führt wurde, wurde auch ein neuer Stoff­wech­sel­mar­ker, der TyG-Index, erar­bei­tet. Die­ser gilt als Pro­dukt aus Tri­gly­ze­ri­den und Glu­kose und damit als Maß für die Insu­lin­re­sis­tenz. Laut Ulmer sind gynä­ko­lo­gi­sche Krebs­ar­ten zwar mit Über­ge­wicht asso­zi­iert, nicht aber mit dem TyG-Index erklär­bar und mög­li­cher­weise eher auf den Ein­fluss der Östro­gene zurück­zu­füh­ren.
APA/​Medizinische Uni­ver­si­tät Innsbruck

Neuer Grenz­wert für Mitralklappeninsuffizienz

Phil­ipp Bartko und Georg Goliasch von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin II der Med­Uni Wien konn­ten erst­mals den Zusam­men­hang zwi­schen dem zurück­flie­ßen­den Blut bei der funk­tio­nel­len Mitral­klap­pen­in­suf­fi­zi­enz und dem Über­le­ben der Betrof­fe­nen zei­gen – und einen neuen Grenz­wert für die opti­male Klas­si­fi­zie­rung bestim­men. Laut den bei­den Inter­nis­ten liegt der Cut-Off-Wert, ab dem eine Klap­pen­ope­ra­tion indi­ziert ist, bei 45 Mil­li­li­ter. In den USA wird bis dato bei 60 Mil­li­li­tern ope­riert, in Europa bereits bei 30 Mil­li­li­ter.
Med­Uni Wien/​Journal of the Ame­ri­can Col­lege of Cardiology

Fami­liäre Sar­ko­idose: gene­ti­sche Kom­po­nente identifiziert

Der Stoff­wech­sel­sen­sor mTOR scheint als zen­tra­ler Fak­tor in der Patho­ge­nese der Sar­ko­idose zu fun­gie­ren – das haben die For­scher um Cla­rice Lim und Tho­mas Weich­hart vom Zen­trum für Patho­bio­che­mie und Gene­tik der Med­Uni Wien zusam­men mit ihren Kol­le­gen Alain Calen­der und Yves Pacheco von der Uni­ver­si­tät Lyon bei der Genom-Ana­­lyse von Fami­lien, in denen gehäuft Sar­ko­idose auf­tritt, her­aus­ge­fun­den. Eine durch Muta­tion her­vor­ge­ru­fene stär­kere Akti­vie­rung von mTOR begüns­tigt die bei Sar­ko­idose cha­rak­te­ris­ti­sche Bil­dung von Gra­nu­lo­men. In einer kli­ni­schen Stu­die der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Der­ma­to­lo­gie der Med­Uni Wien tes­tet der­zeit Georg Stary den the­ra­peu­ti­schen Nut­zen des mTOR-Inhi­­bi­­tors Siro­li­mus. 
APA/​European Respi­ra­tory Journal

All­er­gien: Aus­lö­ser von psy­chi­schen Erkrankungen

Beson­ders anfäl­lig für psy­chi­sche Erkran­kun­gen sind Per­so­nen, die in ihrer Kind­heit unter meh­re­ren All­er­gien gelit­ten hat­ten, jene mit ver­ein­zel­ten All­er­gien und typi­schen Kin­der­krank­hei­ten sowie Per­so­nen, die als Kin­der gro­ßen psy­chi­schen Belas­tun­gen aus­ge­setzt waren. Diese viel­fäl­ti­gen Zusam­men­hänge zwi­schen kind­li­chen Krank­heits­mus­tern und einer erhöh­ten Anfäl­lig­keit für psy­chi­sche sowie ent­zünd­li­che Erkran­kun­gen im Erwach­se­nen­al­ter konn­ten im Rah­men einer Stu­die der Uni­ver­si­tä­ten Lau­sanne und Zürich auf­ge­zeigt wer­den. Unter jün­ge­ren Pro­ban­den war die Gruppe mit meh­re­ren All­er­gien antei­lig stär­ker ver­tre­ten als bei älte­ren Jahr­gän­gen. Für Stu­­dien-Erst­au­­tor Vla­deta Ajda­­cic-Gross von der Uni­ver­si­tät Zürich bestä­tigt dies außer­dem die „Hygie­ne­hy­po­these“, wonach der redu­zierte Kon­takt mit Mikro­ben im Kin­des­al­ter ein spä­te­res All­er­gie­ri­siko erhöht. APA/​BMC Medicine

MRI-gesteu­erte Radio­a­b­la­tion bei Herzrhythmusstörungen

Ärzte des Uni­ver­si­täts­spi­tals Zürich haben welt­weit erst­mals bei einem Pati­en­ten mit lebens­be­droh­li­chen Herz­rhyth­mus­stö­run­gen eine mit­tels Magnet­re­so­nanz
(MRI) gesteu­erte Radio­a­b­la­tion ein­ge­setzt. Mit Hilfe des MRI-Linac-Geräts – ein Line­ar­be­schleu­ni­ger zur Bestrah­lung in Kom­bi­na­tion mit einem MRI – ist es mög­lich, das Ziel im Kör­per des Pati­en­ten vor und wäh­rend der Bestrah­lung zu kon­trol­lie­ren und auch die Bestrah­lung in Echt­zeit zu steu­ern. APA/​Universitätsspital Zürich

Neues Gerät bes­sert Erfolg bei Nieren-Transplantation

Ein trans­por­ta­bles nor­mo­ther­mes Nie­ren­per­fu­si­ons­ge­rät, das mensch­li­che Nie­ren bis zu 24 Stun­den durch­blu­ten und dabei den ursprüng­li­chen Zustand des Nie­ren­ge­we­bes bei­be­hal­ten oder sogar ver­bes­sern kann, könnte den Trans­plan­ta­ti­ons­er­folg ver­bes­sern. Feder­füh­rend betei­ligt an der Ent­wick­lung des Pro­to­typs in Groß­bri­tan­nien war Anne­ma­rie Wei­ßen­ba­cher von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Viszeral‑, Tran­s­­plan­­ta­­ti­ons- und Tho­ra­x­chir­ur­gie der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck. Ab Som­mer die­ses Jah­res soll der Pro­to­typ im Rah­men der For­schung in Inns­bruck zum Ein­satz kom­men; kli­ni­sche Stu­dien dazu sind ab Herbst 2019 in Oxford geplant.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 11 /​10.06.2019