Kom­ple­men­tär­me­di­zin: Homöo­pa­thie – Pro & Contra

25.11.2019 | Medizin


PRO: MR Dr. Doris Schöpf


◉ Homöo­pa­thie ist per­so­na­li­sierte Medi­zin.
◉ Homöo­pa­thie ist eine aus­ge­zeich­nete, arz­nei­li­che The­ra­pie­me­thode und erwei­tert unser The­ra­pie­spek­trum deut­lich.
◉ Als effek­ti­ver Pati­en­ten­schutz ist in Öster­reich jeg­li­che Kran­ken­be­hand­lung uns Ärz­ten vor­be­hal­ten. Nur wir kön­nen den Krank­heits­ver­lauf beur­tei­len und die Wei­chen für den nächs­ten not­wen­di­gen The­ra­pie­schritt stel­len.
◉ Homöo­pa­thie erfolgt meis­tens beglei­tend zur Stan­dard­the­ra­pie – ohne diese zu stö­ren.
◉ Homöo­pa­thie ist bei fast jedem Krank­heits­bild anwend­bar und für alle Alters­grup­pen geeig­net.
◉ Der The­ra­pie­er­folg hängt vom Kön­nen der Ärzte, von der Qua­li­tät der Arz­neien und häu­fig auch von der Com­pli­ance der Pati­en­ten ab.
◉ Homöo­pa­thie ist gut unter­sucht und doku­men­tiert – z. B. Prof. Frass: Sep­sis-Stu­die: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15892486 und
Extu­ba­ti­ons Stu­die: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15764779
◉ Die Wirk­sam­keit der Homöo­pa­thie wird auch durch ein Schwei­zer HTA von 2005 unter­mau­ert. Seit August 2017 gibt es in der Schweiz wie­der einen
Kos­ten­er­satz für Homöo­pa­thie von den regu­lä­ren Kran­ken­ver­si­che­run­gen.
◉ Die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer (ÖÄK) steht hin­ter der Homöo­pa­thie und ver­gibt das ÖÄK-Diplom Homöo­pa­thie.
◉ Erlern­bar ist Homöo­pa­thie der­zeit in Öster­reich als qua­li­fi­zierte struk­tu­rierte Wei­ter­bil­dung: min­des­tens drei Jahre, 350 Unterrichtseinheiten. 

*) MR Dr. Doris Schöpf ist Ärz­tin für All­ge­mein-
medi­zin, Refe­ren­tin für Kom­ple­men­tär­me­di­zin
der ÖÄK, ÖÄK-Diplom Homöopathie


CONTRA: Univ. Prof. Dr. Edzard Ernst

◉ Die Homöo­pa­thie ist uns 200 Jahre lang einen Wirk­sam­keits­nach­weis schul­dig geblie­ben und das trotz der ins­ge­samt circa 500 bis­lang publi­zier­ten Stu­dien. Inzwi­schen wird sie inter­na­tio­nal meist abge­lehnt. In Aus­tra­lien zum Bei­spiel hat der Berufs­ver­band der All­ge­mein­me­di­zi­ner seine Mit­glie­der auf­ge­for­dert, keine Homöo­pa­thika mehr zu ver­schrei­ben. In Groß­bri­tan­nien und Frank­reich wer­den die Kos­ten für Homöo­pa­thika nicht mehr erstat­tet. Das Euro­pean Aca­de­mies Sci­ence Advi­sory Coun­cil (EASAC) hat kürz­lich fest­ge­stellt: „…Die Annah­men der Homöo­pa­thie sind nicht in Über­ein­stim­mung mit den Kon­zep­ten der eta­blier­ten Wis­sen­schaft… es gibt keine Krank­heit, bei der zuver­läs­sige und repro­du­zier­bare Belege einer Wirk­sam­keit der Homöo­pa­thie exis­tie­ren…”
◉ Die Homöo­pa­thie ist also nicht plau­si­bel. Ähn­li­ches heilt nicht Ähn­li­ches, wie das Hah­ne­mann vor etwa 200 Jah­ren pos­tu­liert hat. Die aller­meis­ten Homöo­pa­thika sind der­art ver­dünnt, dass sie kein ein­zi­ges akti­ves Mole­kül mehr ent­hal­ten.
◉ Homöo­pa­thika kön­nen aus allem her­ge­stellt wer­den; sogar die Ber­li­ner Mauer, Hun­de­kot und Rönt­gen-Strah­len die­nen als Aus­gangs­ma­te­rial. Homöo­pa­thi­sche ‚Noso­den’, Mit­tel aus Kör­per­flüs­sig­kei­ten
(bei­spiels­weise Eiter) wer­den sogar als Alter­na­tive zu Impf­stof­fen ange­prie­sen.
◉ Dass es Pati­en­ten nach einer homöo­pa­thi­schen Behand­lung bes­ser gehen kann, liegt nicht am Homöo­pa­thi­kum, son­dern daran, dass eine sym­pto­ma­ti­sche Bes­se­rung viele Ursa­chen haben kann, zum Bei­spiel Regres­sion zur Mitte, natür­li­cher Krank­heits­ver­lauf und Pla­cebo-Effekt.
◉ Um einen Pla­cebo-Effekt zu erzeu­gen, brau­chen wir keine Pla­ce­bos. Ein Arzt, der eine wirk­same The­ra­pie mit Empa­thie ver­ab­reicht, indu­ziert neben dem spe­zi­fi­schen the­ra­peu­ti­schen Effekt natür­lich auch einen Pla­cebo-Effekt. Ein Homöo­path erzeugt dage­gen nur einen Pla­cebo-Effekt und bringt
sei­nen Pati­en­ten somit um den weit wich­ti­ge­ren spe­zi­fi­schen The­ra­pie­ef­fekt.
◉ Selbst ein hoch­ver­dünn­tes Homöo­pa­thi­kum kann erheb­li­chen Scha­den anrich­ten, zum Bei­spiel dadurch, dass eine wirk­same Behand­lung ver­hin­dert wird. Viele Homöo­pa­then emp­feh­len Homöo­pa­thie selbst bei erns­ten Erkran­kun­gen wie Krebs oder sie raten Eltern, ihre Kin­der nicht zu imp­fen
und statt­des­sen homöo­pa­thi­sche Noso­den ein­zu­set­zen.
◉ Homöo­pa­thie wird häu­fig als beglei­tende Behand­lung ein­ge­setzt, was oft als unbe­denk­lich dekla­riert wird. Die­ses Vor­ge­hen wider­spricht jedoch Hah­ne­mann, der sol­che Behand­ler als ‚Ver­rä­ter’ bezeich­net hat. Fer­ner ist zu beden­ken, dass eine adju­vante The­ra­pie, die unwirk­sam ist, unsin­nig ist und eine Ver­schwen­dung von Res­sour­cen dar­stellt.
◉ Der Ein­satz der Homöo­pa­thie geht zwangs­läu­fig mit einer Ver­let­zung der
medi­zi­ni­schen Ethik ein­her, denn ein ‚Infor­med Con­sent’ ist unmög­lich. Die­ser
müsste Infor­ma­tion über die Natur des Homöo­pa­thi­kums (kein wirk­sa­mes Mole-
kül) und die Evi­denz­lage (feh­len­der Nach­weis der Wirk­sam­keit) beinhal­ten. Diese Infor­ma­tion würde jedoch die meis­ten Pati­en­ten davon abhal­ten, die Behand­lung zu akzep­tie­ren.
◉ Zusam­men­fas­send: Homöo­pa­thie ist obso­le­ter Unsinn, der Pati­en­ten gefähr­det und die EBM unterminiert. 

*) Univ. Prof. Dr. Edzard Ernst ist Prof. em. für Alter­na­tiv­me­di­zin in Großbritannien

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2019