Tag der All­ge­mein­me­di­zin: „Diese Begeis­te­rung ist ein Auftrag”

10.10.2019 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Edgar Wut­scher, Obmann Bun­des­sek­tion All­ge­mein­me­di­zin der ÖÄK, zog ein sehr posi­ti­ves Resü­mee aus dem „Tag der All­ge­mein­me­di­zin“. Er betont die Rolle des All­ge­mein­me­di­zi­ners als „ers­ter Ansprech­part­ner und Lotse durch das Gesund­heits­sys­tem“.

Sascha Bunda

„Die All­ge­mein­me­di­zin ist ein Fach­ge­biet, das alles leis­ten kann. Wir haben die beste Ver­sor­gung für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten im Auge und kön­nen sie als ers­ter Ansprech­part­ner und Lotse opti­mal durch das Gesund­heits­sys­tem lei­ten“, fasst Edgar Wut­scher, Obmann der Bun­des­sek­tion All­ge­mein­me­di­zin (BSAM) der ÖÄK, den sehr gut besuch­ten „Tag der All­ge­mein­me­di­zin“ ver­gan­gene Woche in Salz­burg zusam­men (siehe dazu auch » ). Erfreut konnte er ver­kün­den, dass bei der Schaf­fung des Fach­arz­tes für All­ge­mein­me­di­zin alle inter­nen Vor­ar­bei­ten abge­schlos­sen wur­den. Wie im jüngst prä­sen­tier­ten ÖÄK-For­­de­­rungs­­­ka­­ta­­log fest­ge­hal­ten, liege der Ball nun bei der zukünf­ti­gen Regie­rung. „Die­ser drin­gend not­wen­dige Schritt muss nun erfol­gen, um die All­ge­mein­me­di­zin nach­hal­tig auf­zu­wer­ten.“ Wut­scher ver­weist dabei auch auf das Bei­spiel Deutsch­land, wo der Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin bereits 2003 ein­ge­führt wurde: „Es gibt hier gro­ßen Nachholbedarf.“

Mit Leben füllen

Aus den leben­di­gen Dis­kus­sio­nen auch mit der jün­ge­ren Kol­le­gen­schaft sei wie­der klar her­vor­ge­tre­ten, dass in der Aus­bil­dung wei­ter­ge­ar­bei­tet wer­den muss. So müs­sen die Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten in den Lehr­pra­xen erwei­tert wer­den. „Wir müs­sen die All­ge­mein­me­di­zi­ner dort aus­bil­den, wo All­ge­mein­me­di­zin prak­ti­ziert wird. Nur dort kön­nen ange­hende All­ge­mein­me­di­zi­ner den Beruf in sei­ner gan­zen Breite erler­nen, die er zwei­fel­los zu bie­ten hat.“ Die Begeis­te­rung vie­ler jun­ger Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen für die All­ge­mein­me­di­zin ist für Wut­scher höchst erfreu­lich: „Diese Begeis­te­rung ist für uns alle auch ein Auf­trag: All­ge­mein­me­di­zi­ner ist ein Beruf, für den es sich zu arbei­ten lohnt.“ An den Nach­wuchs rich­tet Wut­scher den Appell, die neuen Mög­lich­kei­ten der Zusam­men­ar­beit wie Grup­­pen- und Gemein­schafts­pra­xen, Pri­mär­ver­sor­gungs­ein­hei­ten und die Anstel­lung Arzt bei Arzt „mit Leben zu füllen“.

„Hier gibt es Nachholbedarf“

Johan­nes Stein­hart, Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte, betonte in sei­ner Begrü­ßungs­rede die Wich­tig­keit des Aus­tauschs der Genera­tio­nen. „Wich­tig ist, dass wir den Wert der All­ge­mein­me­di­zin dar­stel­len, hier gibt es noch Nach­hol­be­darf. Der All­ge­mein­me­di­zi­ner wird zum Man­gel­be­ruf, mit der kom­men­den Pen­sio­nie­rungs­welle wird es in den nächs­ten Jah­ren wirk­lich kri­tisch. Viele Poli­ti­ker strei­ten das noch ab, aber man­che Lokal­po­li­ti­ker begrei­fen das lang­sam“, sagt Stein­hart. Er betont, dass es nicht mehr Stu­di­en­plätze braucht, son­dern ordent­li­che Rahmenbedingungen. 

Auch Harald Mayer, Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der ange­stell­ten Ärzte, sagte in sei­ner Begrü­ßung: „Wenn alle Absol­ven­ten in Öster­reich blie­ben, ginge es uns wesent­lich bes­ser.“ Es herr­sche aber lei­der eine „Kopf in den Sand“-Mentalität. Schon län­ger sei bekannt, dass es zu wenig Aus­bil­dungs­stel­len gebe und den Aus­bild­nern auf­grund von Per­so­nal­knapp­heit die Zeit fehle, die ange­hen­den Ärz­tin­nen und Ärzte ange­mes­sen zu betreuen. Die Ver­ant­wort­li­chen hät­ten bereits vor drei Jah­ren reagie­ren müs­sen, anstatt sich hin­ter Stel­len­plä­nen zu ver­ste­cken. Auch Mayer betonte die Wich­tig­keit der All­ge­mein­me­di­zi­ner als Lotse durch das Gesund­heits­sys­tem: „Warum kann nicht ein Arzt die Per­son sein, die den Pati­en­ten durch das Sys­tem lenkt?“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2019