Eva­lu­ie­rung: Aus­bil­dung kaum verbessert

10.11.2019 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Die Basis­aus­bil­dung und die all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Aus­bil­dung wer­den nur unwe­sent­lich bes­ser beur­teilt, ver­gli­chen mit der letz­ten Eva­lu­ie­rung.

Sophie Nie­denzu

Wie sehr hat sich der Aus­bil­dungs­ver­ant­wort­li­che um Ihre Aus­bil­dung bemüht? Wie beur­tei­len Sie die Qua­li­tät des Aus­bil­dungs­kon­zepts? Das ist ein Teil der Fra­gen, die Ärzte im Rah­men der von der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer in Auf­trag gege­be­nen Aus­bil­dungs­eva­lu­ie­rung beant­wor­tet haben. Um ein umfas­sen­des Bild zu erhal­ten, wid­met sich der Fra­ge­bo­gen auch den Arbeits­ab­läu­fen, der Arbeits­be­las­tung und den For­men des Wissenserwerbs.

Ent­spre­chend des Schul­no­ten­sys­tems erhielt die Basis­aus­bil­dung öster­reich­weit die Note 2,37 und wurde damit ver­gli­chen mit der letz­ten Eva­lu­ie­rung von 2018 (2,42) etwas bes­ser beur­teilt Ein posi­ti­ver Trend sei grund­sätz­lich gut, aber eines müsse klar sein: „Wir müs­sen deut­lich bes­ser wer­den. Denn wer heute Jung­ärzte schlecht aus­bil­det, bekommt dafür in zehn, 15 Jah­ren die Rech­nung prä­sen­tiert“, sagt Karl­heinz Korn­häusl, stell­ver­tre­ten­der Obmann der Bun­des­ku­rie ange­stellte Ärzte (BKAÄ) und Obmann der Bun­des­sek­tion Tur­nus­ärzte. Beson­ders kri­tisch sehen die Ärzte in Basis­aus­bil­dung das Pro­blem, dass sie viele Rou­ti­ne­auf­ga­ben mit wenig Lern­zu­wachs erfül­len, wenig akti­ves Ler­nen vor­han­den sei und das Feed­back fehle. Alar­mie­rend ist auch, dass als Grund für die feh­lende Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tät das hohe Arbeits­pen­sum des Stamm­per­so­nals gese­hen wird. „Auch hier sieht man ein­mal mehr, dass der Per­so­nal­man­gel und die Arbeits­dichte in den Spi­tä­lern zulas­ten der Arzt­aus­bil­dung gehen. Wir brau­chen end­lich Dienst­pos­ten für eigene Aus­­­bil­­dungs-Ober­ärzte“, sagt Harald Mayer, ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­dent und BKAÄ-Obmann. Um die Aus­bil­dungs­qua­li­tät zu erhö­hen, seien Ände­run­gen in den Arbeits­ab­läu­fen not­wen­dig. So gaben 71 Pro­zent der Teil­neh­mer an, ärzt­li­che Tätig­kei­ten durch­ge­führt zu haben, die an das diplo­mierte Pfle­ge­per­so­nal dele­gier­bar wären.

Unter­schied­li­che Qualität

Die all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Aus­bil­dung wurde mit 2,45 beno­tet, das ent­spricht einer Ver­bes­se­rung um 0,08 Punkte. Hier fal­len beson­ders die Unter­schiede zwi­schen den ein­zel­nen Fächern auf. So wird bei­spiels­weise die Gynä­ko­lo­gie signi­fi­kant schlech­ter als der Gesamt­durch­schnitt aller Abtei­lun­gen bewer­tet, die Aus­bil­dungs­fä­cher Anäs­the­sie, Kin­­der- und Jugend­heil­kunde, Psych­ia­trie sowie Neu­ro­lo­gie schnei­den hin­ge­gen signi­fi­kant bes­ser ab als der Durch­schnitt aller bewer­te­ten Abtei­lun­gen. „Es kann nicht sein, dass die Qua­li­tät in der Aus­bil­dung fächer­ab­hän­gig ist, sie muss flä­chen­de­ckend kon­stant gleich gut sein“, kri­ti­siert Korn­häusl. Gerade in Zei­ten des Haus­arzt­man­gels sei es umso wich­ti­ger, dass die all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Aus­bil­dung an Qua­li­tät gewinne, denn gute All­ge­mein­me­di­zi­ner seien drin­gend not­wen­dig, um auch die Spi­tä­ler lang­fris­tig zu ent­las­ten. „Wenn wir keine Haus­ärzte mehr haben, dann wird das zwangs­läu­fig dazu füh­ren, dass immer mehr Pati­en­ten ins Spi­tal kom­men“, betont auch Mayer.

Beson­ders in Bezug auf die Doku­men­ta­tion und eine pra­xis­nahe Aus­bil­dung besteht Auf­hol­be­darf: Knapp 36 Pro­zent gaben näm­lich an, nie an bes­ide tea­ching teil­ge­nom­men zu haben und mehr als die Hälfte musste Arzt­be­richte und Befunde selbst schrei­ben. Auch in der Spi­tals­ärz­te­be­fra­gung hat­ten Ärzte in all­ge­mein­me­di­zi­ni­scher Aus­bil­dung ange­ge­ben, 48 Pro­zent der wöchent­li­chen Arbeits­zeit für Admi­nis­tra­tion auf­zu­wen­den. Es gebe also Luft nach oben. Man dürfe in Zei­ten des euro­pa­wei­ten Wett­be­werbs um Ärzte eines nicht ver­ges­sen: „Die Aus­bil­dungs­qua­li­tät muss deut­lich bes­ser wer­den, damit wir die Ärzte auch in Öster­reich hal­ten kön­nen“, sagt Mayer. Der Ruf ins Aus­land sei ver­lo­ckend, zumal Län­der wie die Schweiz oder Deutsch­land Ärzte aus Öster­reich mit offe­nen Armen emp­fan­gen wür­den, auch wenn dort mehr gear­bei­tet wer­den muss. „Und dann ste­hen wir da und fra­gen uns: Wohin sind unsere Ärzte verschwunden?“


Aus­bil­dungs­eva­lu­ie­rung
Die Bun­des­ku­rie ange­stellte Ärzte der ÖÄK begann 2011 mit der Eva­lu­ie­rung der all­ge­mein­me­di­zi­ni­schen Aus­bil­dung, 2015 folg­ten die Basis- und Fach­arzt­aus­bil­dung. Ärzte in Aus­bil­dung wer­den mit­tels E‑Mail oder Brief zur Teil­nahme ein­ge­la­den, die Ergeb­nisse wer­den vom Ärzt­li­chen Qua­li­täts­zen­trum aus­ge­wer­tet. Zwi­schen Jän­ner 2017 und Juli 2019 erhielt die all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Aus­bil­dung 2.349 Eva­lu­ie­run­gen (Betei­li­gung 73 Pro­zent), die Basis­aus­bil­dung 1.575 Bewer­tun­gen (Betei­li­gung 47 Prozent). 

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 21 /​10.11.2019