Im Fokus: Zeitumstellung

10.10.2018 | Themen


1. Alles neu ab 2019?
Im Zuge der geplan­ten Abschaf­fung der Zeit­um­stel­lung möchte die EU-Kom­mis­sion die Mit­glied­staa­ten ent­schei­den las­sen, ob sie künf­tig die Win­ter- oder Som­mer­zeit per­ma­nent bei­be­hal­ten wol­len. In einer nicht reprä­sen­ta­ti­ven Online-Umfrage der EU-Kom­mis­sion haben sich 84 Pro­zent der Teil­neh­mer gegen die Zeit­um­stel­lung aus­ge­spro­chen; in Öster­reich waren es 77 Prozent.

2. War­nung vor dau­er­haf­ter Som­mer­zeit 
Deut­sche For­scher war­nen, dass die dau­er­hafte Ein­füh­rung der Som­mer­zeit die Wahr­schein­lich­keit für Dia­be­tes mel­li­tus, Depres­sio­nen, Schlaf- und Lern­pro­bleme erhö­hen könnte. Wenn es abends län­ger hell ist, setzt die Pro­duk­tion von Mela­to­nin spä­ter ein, man wird spä­ter müde, muss aber früh auf­ste­hen. Damit ent­steht auf lange Sicht Schlaf­man­gel. Den For­schern zufolge ent­spricht die bis­he­rige Win­ter­zeit den Ver­hält­nis­sen, die unter Berück­sich­ti­gung der natür­li­chen Licht­ein­flüsse für unse­ren Schlaf-Wach-Rhyth­mus am güns­tigs­ten sind.

3. Müdig­keit & Schlaf­pro­bleme

Nach chro­no­bio­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten gewöhnt sich ein gesun­der Mensch in der Regel bin­nen 24 Stun­den an die Zeit­um­stel­lung, sagen Salz­bur­ger Schlaf­for­scher. Die häu­figs­ten medi­zi­ni­schen Effekte sind dem­nach Müdig­keit am Mor­gen und Ein­schlaf­stö­run­gen am Abend. Gene­rell stelle die Umstel­lung im Früh­jahr eine grö­ßere Her­aus­for­de­rung für den Kör­per dar als jene im Herbst. Im Früh­jahr etwa ist die Unfall­rate in den Mor­gen­stun­den leicht erhöht.

4. Kin­der stär­ker betrof­fen

Kin­der und Jugend­li­che sind durch den Wech­sel von Win­ter- auf Som­mer­zeit stär­ker betrof­fen. Wis­sen­schaft­li­chen Stu­dien zufolge kos­tet sie die Zeit­um­stel­lung effek­tiv 32 Minu­ten Schlaf. Die­ses Schlaf­de­fi­zit kann über Wochen kumu­lie­ren und Stress-Into­le­ranz und ein Leis­tungs­tief ver­ur­sa­chen.

5. 1979: Beginn in Öster­reich

1784 erklärte Ben­ja­min Fran­k­lin, Natur­wis­sen­schaf­ter und einer der Grün­der­vä­ter der USA, dass aus­ge­dehn­tes Nacht­le­ben durch künst­li­ches Licht Ener­gie ver­geude. 1916 wurde die Som­mer­zeit erst­mals im Deut­schen Reich und Öster­reich-Ungarn ein­ge­führt. Einen zwei­ten – erfolg­lo­sen – Ver­such gab es von 1940 bis 1948. In Europa wurde die Som­mer­zeit 1973 anläss­lich der Ölkrise ein­ge­führt, Öster­reich folgte 1979.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2018