Kran­ken­stands­be­rech­nung: Anglei­chung für Angestellte

15.07.2018 | Service


Seit 1. Juli 2018 ist der Ent­gelt­fort­zah­lungs­an­spruch bei Ange­stell­ten und Arbei­tern gleich­ge­stellt. Ange­wen­det wird er auf alle Dienst­ver­hin­de­run­gen, die nach dem 30. Juni 2018 eintreten. 

Von die­ser Rege­lung sind alle neuen Dienst­ver­hält­nisse (Ange­stellte, Arbei­ter und Lehr­linge) seit 1. Juli 2018 betrof­fen. Für bereits bestehende Dienst­ver­hält­nisse kommt die Neu­re­ge­lung erst­mals in jenem Arbeits­jahr zur Anwen­dung, die nach dem 30. Juni 2018 begin­nen. Die Ent­gelt­fort­zah­lungs­dauer wird für alle Dienst­neh­mer von sechs auf acht Wochen 100 Pro­zent erhöht und zwar schon nach dem voll­ende­ten ers­ten Arbeits­jahr (bis­her: ab den voll­ende­ten fünf­ten Arbeitsjahr). 

Beson­dere Vor­sicht ist bei allen Fäl­len einer Wie­der­erkran­kung gebo­ten. Die wesent­lichste Ände­rung ist, dass es den „hal­ben Topf“ (sechs Wochen halb und vier Wochen ein Vier­tel) bei Fol­ge­er­kran­kun­gen nicht mehr gibt. Der Grund für die Anglei­chung des Kran­ken­ent­gelts liegt in den unter­schied­li­chen gesetz­li­chen Rege­lun­gen der ein­zel­nen Arbeit­neh­mer­grup­pen. So war bis­lang das Kran­ken­ent­gelt für Ange­stellte im § 8 AngG, Arbei­ter in einem eige­nen Gesetz (EFZG) und die Lehr­linge im § 17a BAG, geregelt. 

Bei­spiel: Ein Dienst­ver­hält­nis hat am 15. Juni 2015 begon­nen. Die Neu­re­ge­lung kommt erst­mals für alle Arbeits­jahre, die nach dem 30. Juni 2018 begin­nen, zur Anwen­dung. In die­sem Fall bleibt der Dienst­neh­mer in der alten EFZG-Rege­lung bis zum 14. Juni 2019, da das neue Arbeits­jahr am 15. Juni 2018 und somit vor dem Stich­tag 30. Juni 2018 begon­nen hat. 

Durch das Inkraft­tre­ten mit 1. Juli 2018 im BGBL I 153/​2017 sind fol­gende Gesetze betrof­fen: § 8 AngG, § 2 EFZG, § 17a BAG, § 8 Guts­an­ge­stell­ten­ge­setz, § 10 HausgG und § 21 LAG. Anmer­kung: Der § 8 AngG sieht zwar die Dauer des Anspruchs auf Ent­gelt­fort­zah­lung vor, trifft aber keine nähere Klar­stel­lung in Bezug auf die Höhe des Kran­ken­ent­gelts. Hier sei noch­mals auf die aktu­elle Recht­spre­chung hin­ge­wie­sen, das auch bei Ange­stell­ten das regel­mä­ßig gewährte varia­ble Ent­gelt in die Berech­nung ein­zu­be­zie­hen ist. 

Die wich­tigs­ten Änderungen 

• Die Kran­ken­stands­be­rech­nung ist seit 1. Juli 2018 für Ange­stellte und Arbei­ter gleich (Arbeits­jahr).
• Die Neu­re­ge­lung gilt für Kran­ken­stände, die in einem nach dem 30. Juni 2018 begon­ne­nen Arbeits­jahr ein­tre­ten.
• Erhö­hung des Anspruchs auf acht Wochen bereits nach der Voll­endung des ers­ten Arbeits­jah­res;
• Anspruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung pro Arbeits­jahr besteht jedes Arbeits­jahr neu, auch wenn am Ende des alten Arbeits­jah­res kein EFZ-Anspruch mehr bestan­den hat.
• Eige­nes Kon­tin­gent von acht Wochen (ab 15 Dienst­jah­ren zehn Wochen) vol­ler Ent­gelt­fort­zah­lung pro Arbeits­un­fall oder Berufs­krank­heit;
• Lehr­linge haben ab 1. Juli 2018 pro Lehr­jahr Anspruch auf EFZ für acht Wochen voll und Teil­ent­gelt für vier Wochen.
• Ist ein Ange­stell­ter nach Antritt des Dienst­ver­hält­nis­ses durch Krank­heit oder Unglücks­fall an der Leis­tung sei­ner Dienste ver­hin­dert, ohne dass er die Ver­hin­de­rung vor­sätz­lich oder durch grobe Fahr­läs­sig­keit her­bei­ge­führt hat, so behält er sei­nen Anspruch auf das Ent­gelt bis zur Dauer von:
• 1 Jahr = sechs Wochen, >1 Jahr = acht Wochen, >15 Jahre = zehn Wochen, >25 Jahre = zwölf Wochen




© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 13–14 /​15.07.2018