Kurz und informativ

10.09.2018 | Medi­zin

Kopf­bälle: weib­li­ches Gehirn mehr gefähr­det

US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche For­scher um Michael Lip­ton haben unter­sucht, wie sich Kopf­bälle auf das Gehirn aus­wir­ken. Mit Hilfe eines spe­zi­el­len MRT-Ver­­­fah­­rens wurde bei je 49 männ­li­chen und weib­li­chen Fuß­bal­lern zwi­schen 18 und 50 Jah­ren, die in den zwölf Mona­ten vor der Unter­su­chung eine unge­fähr gleich hohe Anzahl an Kopf­bäl­len auf­wie­sen, die weiße Sub­stanz des Hirns im Hin­blick auf die Was­ser­ver­tei­lung im Gewebe unter­sucht. Die MRT-Bil­­der zeig­ten, dass das Volu­men der beschä­dig­ten wei­ßen Hirn­sub­stanz bei Frauen fünf­mal grö­ßer war als bei Män­nern: Bei Frauen waren acht Hirn­re­gio­nen betrof­fen, bei Män­nern nur drei. Aller­dings waren die Schä­den nur gering, so die For­scher. APA/​Radiology


Ana­to­mie des Gehirns ist einzigartig 

Fast so ein­zig­ar­tig wie der mensch­li­che Fin­ger­ab­druck ist die Ana­to­mie des mensch­li­chen Gehirns. Erfah­run­gen, die sich auf das Gehirn aus­wir­ken, inter­agie­ren mit gene­ti­schen Ver­an­la­gun­gen, wodurch sich im Lauf der Jahre bei jedem Men­schen eine ganz indi­vi­du­elle Hirn­ana­to­mie ent­wi­ckelt – so die Hypo­these von Prof. Lutz Jäncke, Neu­ro­psy­cho­loge an der Uni­ver­si­tät Zürich. Um diese Ver­mu­tung zu über­prü­fen, unter­such­ten die Wis­sen­schaf­ter die Gehirne von 191 gesun­den älte­ren Per­so­nen. Inner­halb von zwei Jah­ren wurde ins­ge­samt je drei­mal eine MRT durch­ge­führt. 450 neu­ro­ana­to­mi­sche Merk­male wur­den berech­net. Dar­aus konn­ten die For­scher schließ­lich eine indi­vi­du­elle Kom­bi­na­tion von neu­ro­ana­to­mi­schen Kenn­wer­ten aus­ma­chen, wobei die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­ge­nau­ig­keit selbst bei den sehr all­ge­mei­nen neu­ro­ana­to­mi­schen Kenn­wer­ten – etwa bei der Dicke der Hirn­rinde – bei über 90 Pro­zent lag. Jäncke sieht in der Stu­die den Beweis, dass „das Gehirn des Men­schen sehr indi­vi­du­ell auf­ge­baut ist“. Die Kom­bi­na­tion von gene­ti­schen und nicht-gene­­ti­­schen Fak­to­ren beein­flusse offen­bar nicht nur die Funk­ti­ons­weise, son­dern auch die Ana­to­mie des Gehirns. APA/​Scientific Reports 

Um 5,4 Prozent

sinkt die Sterb­lich­keits­rate, wenn Frauen mit einem Myo­kard­in­farkt von Ärz­tin­nen behan­delt wer­den. Das ergab eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Har­vard, bei der die Daten von mehr als 500.000 Pati­en­ten ana­ly­siert wur­den. Sie wur­den zwi­schen 1991 und 2010 wegen eines Herz­in­farkts in Not­auf­nah­men im US-Bun­­­des­­staat Flo­rida behan­delt. APA/​Proceedings of the Natio­nal Aca­demy of Sciences 


Mög­li­cher Bio­mar­ker für M. Alz­hei­mer entdeckt 

Der Boten­stoff FGF21 könnte ein mög­li­cher Bio­mar­ker für die Ent­ste­hung von neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen sein – das haben Wis­sen­schaf­ter um Ste­phan Frank von der Uni­ver­si­tät Basel her­aus­ge­fun­den. FGF21 wird durch eine Fehl­funk­tion in den Mito­chon­drien aus­ge­schüt­tet, die in der Folge eine Stress­re­ak­tion in der Zelle aus­löst. Chro­ni­scher Stress in Neu­ro­nen wie­derum gilt als Angel­punkt von neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen. Die For­scher konn­ten FGF21 in Tier­mo­del­len von neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen nach­wei­sen, noch bevor die Ner­ven­zel­len abstar­ben. Damit könnte der Boten­stoff ein viel­ver­spre­chen­der Kan­di­dat für die Früh­erken­nung von M. Alz­hei­mer sowie von M. Par­kin­son sein. APA/​Cell Reports 

Neues Anti­bio­ti­kum auf Acker-Unkraut 

Mehr als 200 Bak­te­ri­en­stämme auf der Blatt­ober­flä­che der Acker-Schmal­­wand haben Julia Vor­holt und Jörn Piel vom Insti­tut für Mikro­bio­lo­gie der ETH Zürich unter­sucht. Deren Genome lagen zwar ent­schlüs­selt vor; sie wur­den aller­dings kaum gezielt ana­ly­siert. Die bei­den For­scher ent­deck­ten ins­ge­samt 725 anti­bio­ti­sche Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Stäm­men, die dazu führ­ten, dass sich bestimmte Bak­te­rien nicht mehr ver­meh­ren. Bei genaue­rer Unter­su­chung eines Bak­te­ri­en­stamms, der sich als beson­ders akti­ver Pro­du­zent erwies, zeigte sich, dass einer der Stoffe – Macrobre­vin benannt – eine abso­lut neu­ar­tige Struk­tur auf­weist. Nun soll geklärt wer­den, ob diese Sub­stanz auch gegen Bak­te­rien wirkt, die beim Men­schen Krank­hei­ten aus­lö­sen kön­nen. APA/​ETH Zürich 

Tro­pi­sche Zecken­art in Deutsch­land registriert 

Meh­rere Exem­plare der bis­her vor allem im Mit­tel­meer­raum vor­kom­men­den Zecken­art Hya­lomma haben Exper­ten der Uni­ver­si­tät Hohen­heim und des Insti­tuts für Mikro­bio­lo­gie der Bun­des­wehr in Deutsch­land ent­deckt. Auch in ande­ren euro­päi­schen Län­dern wie Ita­lien, Frank­reich, Spa­nien, Rumä­nien und Ukraine wurde diese Art bei Nutz­tie­ren und Pfer­den nach­ge­wie­sen; auch der Mensch ist ein poten­ti­el­ler Wirt. Ein in Deutsch­land gefun­de­nes Exem­plar wies Rickett­sia aeschli­man­nii auf, einen Erre­ger des Zecken- Fleck­fie­bers. Hya­­lomma-Arten gel­ten auch als Über­trä­ger des Krim-Kongo-Fie­­bers, das in Deutsch­land und Öster­reich bis­her nicht auf­ge­tre­ten ist. Die Wis­sen­schaf­ter füh­ren das Auf­tre­ten von Hya­­lomma- Zecken in Deutsch­land auf den hei­ßen, tro­cke­nen Som­mer zurück, wobei offen ist, ob es sich um ein­zelne ein­ge­schleppte Exem­plare han­delt oder ob sich die Hya­­lomma- Arten bereits in Deutsch­land eta­bliert haben. APA

Künst­li­che Pla­zenta aus dem 3D-Drucker 

Ein lebens­na­hes Pla­­zenta-Modell haben Wis­sen­schaf­ter um Alek­sandr Ovsia­ni­kov von der TU Wien mit­hilfe eines spe­zi­el­len 3D-Druck-Ver­­­fah­­rens her­ge­stellt. Aus Hydro-Gelen wer­den durch Laser­strah­len Ober­flä­chen mit klei­nen, gewun­de­nen Zot­ten her­ge­stellt, die mit Pla­­zenta-Zel­­len besie­delt wer­den. Ziel ist es, eine künst­li­che Pla­zen­ta­bar­riere auf einem soge­nann­ten „Chip“ mit zwei Berei­chen her­zu­stel­len: einer reprä­sen­tiert den Fötus, der andere die Mut­ter. Dazwi­schen wird im 3D-Druck-Ver­­­fah­­ren eine künst­li­che Pla­zen­ta­mem­bran her­ge­stellt. Dadurch kön­nen Bedin­gun­gen wie Druck, Tem­pe­ra­tur und Nähr­stoff­ver­sor­gung kon­trol­liert wer­den und abge­le­sen wer­den, wie die Pla­zenta auf die Gabe von Medi­ka­men­ten reagiert. So las­sen sich etwa mög­li­che Krank­heits­ver­läufe ana­ly­sie­ren. Erste Tests haben gezeigt, dass sich die Pla­zenta aus dem 3D-Dru­­cker am Chip ähn­lich wie eine echte Pla­zenta ver­hält. Nun wol­len die For­scher damit wich­tige Aspekte des Nähr­stoff­trans­ports von der Mut­ter zum Fötus unter­su­chen. APA/​International Jour­nal of Bioprinting 

Nano­par­ti­kel gegen Arthrose 

In Stu­dien an Mäu­sen haben Wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­tät Genf mit der Injek­tion von Kar­to­ge­nin bei Art­hose Erfolge erzielt. Kar­to­ge­nin wird als Nano­kris­tall in Mikro­par­ti­kel, die aus bio­lo­gisch abbau­ba­rem Poly­mer bestehen, ein­ge­schlos­sen. Diese Mikro­par­ti­kel wie­derum kön­nen direkt ins Gelenk inji­ziert wer­den, wo sie meh­rere Monate blei­ben und suk­zes­sive Kar­to­ge­nin abge­ben. Die­ses kann Knor­pel­ge­webe wie­der auf­bauen. Dazu Pierre Mau­dens von der Abtei­lung für phar­ma­zeu­ti­sche Tech­no­lo­gie der Uni Genf: „Das Ziel dabei ist es nicht nur, das Gelenk zu sta­bi­li­sie­ren, son­dern es wie­der voll­stän­dig funk­tio­nal zu machen.“ Kar­to­ge­nin war zuvor schon in kli­ni­schen Stu­dien bei ora­ler Ver­ab­rei­chung getes­tet wor­den. Aller­dings wirkte nur ein gerin­ger Teil der Sub­stanz tat­säch­lich im betrof­fe­nen Gelenk. APA 

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2018