BKAÄ: Teach me, if you can. Kom­men­tar Harald Mayer

15.07.2018 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Einig sind sich alle: Je bes­ser die ärzt­li­che Aus­bil­dung, desto grö­ßer die Qua­li­tät der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung. Ein Blick in Öster­reichs Spi­tä­ler und Lehr­pra­xen zeigt aller­dings, dass es nach wie vor an finan­zi­el­len und zeit­li­chen Res­sour­cen fehlt.
Bosko Skoko

Die Zukunft der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung hängt zu einem wesent­li­chen Teil von der Qualität der Aus­bil­dung ab. Die Reform der ärzt­li­chen Aus­bil­dung mit der Ein­füh­rung der Lehr­pra­xis war ein wich­ti­ger Schritt, um eine moderne und qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Aus­bil­dung auch in Zukunft sicher­zu­stel­len. Die Rück­mel­dun­gen der Aus­zu­bil­den­den, aber auch der Aus­bild­ner zeich­nen aller­dings noch ein ande­res Bild: War­te­zei­ten auf Aus­bil­dungs­plätze, Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten und Büro­kra­tie, feh­lende Kon­zepte und all­ge­mein zu wenig Zeit und Geld für die Aus­bil­dung. „Eine Ärz­tin, ein Arzt kann nur so gut sein, wie sie oder er aus­ge­bil­det wurde. Wir for­dern daher eine Aus­bil­dung, die pra­xis­re­le­vant ist, eine hohe Qualität wahrt und die gesetz­li­chen Vor­ga­ben einhält“, so Karl­heinz Korn­häusl, Tur­nus­ärz­te­ver­tre­ter und stell­ver­tre­ten­der Obmann der Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte. 

„Das Pro­blem an der Wur­zel packen“ 

So hat die Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte in ihrer letz­ten Bun­des­ku­ri­en­sit­zung eine Reso­lu­tion zum Pro­blem des Ärz­te­nach­wuch­ses beschlos­sen. Der Auf­hän­ger dafür: Ein­zelne Bun­des­län­der haben unter­schied­li­che För­de­run­gen für All­ge­mein­me­di­zi­ner ver­ge­ben, um diese zur Nie­der­las­sung im länd­li­chen Raum zu bewe­gen. Diese stel­len aller­dings Ein­zel­ak­tio­nen dar, es fehlt an struk­tu­rier­tem Vor­ge­hen und an Abstim­mung. Auch die geplante Struk­tur­re­form der Bun­des­re­gie­rung sieht eine Stär­kung des nie­der­ge­las­se­nen Berei­ches, ins­be­son­dere der Land­me­di­zin, vor. Dazu der Tur­nus­ärz­te­ver­te­ter: „Wir müs­sen das Pro­blem bei der Wur­zel packen und schon frü­her, näm­lich bei der Aus­bil­dung, anset­zen.“ Erst durch geeig­nete Anreize, das Sicher­stel­len aus­rei­chen­der Aus­bil­dungs­plätze, den Abbau von War­te­zei­ten sowie all­ge­mein eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Aus­bil­dung könne es gelin­gen, den Arzt­be­ruf attrak­tiv zu machen und zu ver­hin­dern, dass Ärzte ins Aus­land abwan­dern oder sich einem ande­ren Beruf zuwenden. 

War­te­zei­ten abbauen, Qua­li­tät erhöhen 

Die For­de­run­gen der Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte beinhal­ten unter ande­rem fle­xi­blere Arbeits­zeit­mo­delle, fami­li­en­freund­li­che Lösun­gen, den Abbau von Büro­kra­tie und admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben, das Erhö­hen der Aus­bil­dungs­qua­li­tät sowie einen Zugang zur Basis­aus­bil­dung ohne War­te­zei­ten. Län­der und Kran­­ken­an­stal­­ten-Trä­­ger müs­sen genü­gend Aus­bil­dungs­plätze zur Ver­fü­gung stel­len, hier sei die Poli­tik gefor­dert (siehe Kom­men­tar Harald Mayer, Kas­ten). „Län­der und Kran­­ken­an­stal­­ten-Trä­­ger müs­sen Aus­bil­dung als ihre Auf­gabe wahr­neh­men und die Aus­bil­dungs­tä­tig­keit in der Bedarfs­pla­nung abbil­den. Nur so kön­nen wir die Aus­bil­dungs­qua­li­tät erhö­hen und pra­xis­ori­en­tiert gestal­ten“, so Korn­häusl. Es gehe auch darum, das ärzt­li­che Berufs­bild schon wäh­rend des Stu­di­ums bes­ser zu ver­mit­teln, indem man zum Bei­spiel das Bild der All­ge­mein­me­di­zin attrak­ti­ver gestal­tet. Zehn Punkte für eine gute Aus­bil­dung Die Bun­des­ku­rie hat aus den Eva­lu­ie­run­gen, die seit 2011 lau­fen (siehe Kas­ten), zehn Kri­te­rien zusam­men­ge­fasst, anhand derer Aus­bil­dungs­qua­li­tät bewer­tet wer­den kann: Diese beinhal­ten die Qua­li­tät und Umset­zung eines guten Aus­bil­dungs­kon­zep­tes genauso wie Rota­ti­ons­mög­lich­kei­ten, oft­ma­li­ges Feed­back durch den Vor­ge­setz­ten sowie häu­fige Eva­lu­ie­rungs­ge­sprä­che. Es geht aber auch um die Rah­men­be­din­gun­gen für die Aus­bild­ner: Diese benö­ti­gen genü­gend Unter­stüt­zung durch die Lei­tung sowie aus­rei­chend Zeit für die Aus­bil­dungs­auf­gabe. „Es muss die oberste Prio­ri­tät der Poli­tik sein, Zeit- und Per­so­nal­res­sour­cen für eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Aus­bil­dung unse­rer künf­ti­gen Ärz­tin­nen und Ärzte sicher­zu­stel­len“, so Korn­häusl abschließend.

Mit­ma­chen und eva­lu­ie­ren!

Die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer (ÖÄK) führt seit 2011 regel­mä­ßige Eva­lu­ie­run­gen durch, um die Qua­li­tät der Aus­bil­dung lau­fend zu ver­bes­sern. Im Auf­trag der Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte befragt das Ärztliche Qualitätszentrum alle in Aus­bil­dung befind­li­chen Ärztinnen und Ärzte (Basis­aus­bil­dung, All­ge­mein­me­di­zin und Fach­arzt­aus­bil­dung) und ersucht diese, unter ande­rem die Qualität ihrer Aus­bil­dung, Arbeitsabläufe und Orga­ni­sa­tion, Arbeits­be­las­tung und Leis­tungs­dichte in den jewei­li­gen Aus­bil­dungs­ab­schnit­ten zu bewerten. 

Die Rück­mel­dun­gen der Jung­ärzte wer­den sehr ernst genom­men. So set­zen sich die Landesärztekammern sofort mit den Aus­bil­dungs­ein­rich­tun­gen in Ver­bin­dung, falls es Bean­stan­dun­gen zulas­ten der Qualität gibt. Die Bemühung, Bewusst­sein für die Aus­bil­dungs­ver­ant­wor­tung zu schaf­fen, ist groß. Die aktu­ells­ten Ergeb­nisse der Aus­bil­dungs­eva­lu­ie­rung der ÖÄK zei­gen: Das Niveau ist teil­weise sehr hoch – es gibt aber noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­zial (die Beur­tei­lun­gen nach Schul­no­ten­sys­tem lagen zwi­schen 1,56 und 3,38).

So hat sich im Laufe der Eva­lu­ie­run­gen die Qualität von 41 Abtei­lun­gen signi­fi­kant ver­bes­sert. Warum? Weil die ÖÄK auf­grund der Eva­lu­ie­rungs­er­geb­nisse Maß­nah­men setzt und diese Wir­kung zei­gen. Aber wenn es um Zeit- und Per­so­nal­res­sour­cen für die Aus­bil­den­den geht, ist noch viel Luft nach oben. Ähnliches gilt für Admi­­nis­­tra­­ti­ons- und Doku­men­ta­ti­ons­auf­ga­ben, wo die ÖÄK Ent­las­tung für die Ärztinnen und Ärzte einfordert. 

Um sich wei­ter­hin für eine hohe Qua­li­tät der Aus­bil­dung ein­zu­set­zen, braucht die ÖÄK die Rückmeldung derer, die sie durch­lau­fen. Daher der Appell an alle Ärztinnen und Ärzte in Aus­bil­dung: Jede Stimme zählt! Machen Sie bei der aktu­ell lau­fen­den Eva­lu­ie­rung mit. Bis Ende Juli 2018 läuft die nächste Eva­lu­ie­rungs­phase für die Fach­arzt­aus­bil­dung. Die Bewer­tung in der Basis­aus­bil­dung erfolgt kon­ti­nu­ier­lich (quar­tals­weise) und in der All­ge­mein­me­di­zin nach Abschluss einer Abteilung.

KOMMENTAR

Qua­li­tät kos­tet Zeit und Geld

Von Harald Mayer*

Qualität ist uns in allen Lebens­be­rei­chen wich­tig: Wir fah­ren nur qua­li­täts­ge­prüfte Autos, legen Wert auf hohe Qua­li­tät beim Essen und wol­len mit unse­rer Fami­lie Qua­lity Time ver­brin­gen. All das sollte auch beim Thema Gesund­heit selbst­ver­ständ­lich sein. Qua­li­tät im Gesund­heits­we­sen beginnt mit einer qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Aus­bil­dung, die gesetz­li­che Vor­ga­ben ein­hält und pra­xis­re­le­vant ist. Ein umfas­sen­des Basis­wis­sen ist dabei das Fun­da­ment: Im Spi­tal und in der Lehr­pra­xis müssen wir die Res­sour­cen zur Verfügung gestellt bekom­men, um das aus Büchern Gelernte auch in der Pra­xis auf Top-Niveau wei­ter­ge­ben zu können. 

Es geht darum, sich in der Aus­bil­dung auf aus­bil­dungs­re­le­vante medi­zi­ni­sche Inhalte zu kon­zen­trie­ren und die nöti­gen zeit­li­chen und finan­zi­el­len Res­sour­cen zur Ver­fü­gung gestellt zu bekom­men. So hat sich die Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte jah­re­lang für die ver­pflich­tende Lehr­pra­xis ein­ge­setzt, damit man als künf­tige nie­der­ge­las­sene Ärz­tin oder Arzt in der Pra­xis gelernt hat und nicht nur im Spi­tal. Die Frage der Finan­zie­rung war lange Zeit ein gro­ßes Fra­ge­zei­chen und wir haben nicht locker­ge­las­sen, bis diese geklärt und sicher­ge­stellt war. So weit, so gut. 

Wenn man sich nun die Aus­bil­dungs­si­tua­tion in den Spi­tä­lern anschaut – und das tun wir sowohl mit unse­ren Aus­bil­dungs­eva­lu­ie­run­gen als auch in täg­li­chen Gesprä­chen mit jun­gen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen – mer­ken wir, dass wir uns nicht zurück­leh­nen dür­fen. Auch wenn die Vor­aus­set­zun­gen für eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Aus­bil­dung gesetz­lich gere­gelt sind – Stich­wort: Aus­bil­dungs­ver­ant­wort­li­cher oder Aus­bil­dungs­plan –, zeigt die Pra­xis, dass es nicht immer so umge­setzt wird. So wer­den Jungärztinnen und ‑ärzte nach wie vor für Routinetätigkeiten ein­ge­setzt, die das diplo­mierte Pfle­ge­per­so­nal übernehmen könnte. Doku­men­ta­ti­ons­ar­bei­ten und Büro­kra­tie steh­len Zeit, die für die Pati­en­ten­be­treu­ung fehlt. 

Ich for­dere die Län­der daher auf, end­lich die not­wen­dige finan­zi­elle Aus­stat­tung zur Ver­fü­gung zu stel­len. Wir müs­sen die Spi­tä­ler mit Bud­gets aus­stat­ten, die es ermög­li­chen, best­mög­lich zu leh­ren und zu ler­nen. Die Poli­tik muss Bud­gets für Jun­g­ärzte-Dienst­­pos­­ten frei­ma­chen. Der Träger muss die best­qua­li­zie­rende Aus­bil­dung in kürzestmöglicher Zeit und Lehr­in­halte didak­tisch geord­net ver­mit­teln. Das kos­tet Zeit und Geld – für beide Berei­che muss die Poli­tik Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stel­len, wenn wir eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Aus­bil­dung als Basis für ein qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Gesund­heits­we­sen wollen. 

*) Harald Mayer ist Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer (ÖÄK) und Obmann der Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 13–14 /​15.07.2018