Ärz­teaus­bil­dung: Jung­ärzte: bitte warten!

25.03.2018 | Aktuelles aus der ÖÄK


Medi­zin­ab­sol­ven­ten war­ten aktu­ell ein Jahr und län­ger auf einen Basis­aus­bil­dungs­platz in Spi­tä­lern. Die ÖÄK sieht die Poli­tik gefor­dert. Es braucht drin­gend finan­zi­elle Mit­tel für die Schaf­fung von Aus­bil­dungs­stel­len.
Mar­gret Handler

Für Ärzte in Aus­bil­dung heißt es der­zeit wie­der „Bitte war­ten!“. Denn Spi­tals­stel­len sind Man­gel­ware. „Bei den Ver­ant­wort­li­chen müss­ten da ange­sichts der hohen Dro­pout-Quote von 38 Pro­zent schon längst die Alarm­glo­cken schril­len“, kri­ti­sierte Harald Mayer, Vize­prä­si­dent der ÖÄK und Obmann der Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte, kürz­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Wien. Von den 1.218 Medi­zin­ab­sol­ven­ten des Jahr­gangs 2015/​16 haben sich 460 Uni-Abgän­ger bis Anfang des heu­ri­gen Jah­res nicht in der Ärz­te­liste der ÖÄK ein­tra­gen las­sen – oder taten dies nur vor­über­ge­hend – und sind somit heute nicht in Öster­reich ärzt­lich tätig. Der volks­wirt­schaft­li­che Scha­den ist enorm. Mayer rech­net vor: „Rund 227 Mil­lio­nen Euro kos­tet dem Staat die Aus­bil­dung der 460 Medi­zin­ab­sol­ven­ten, die dem Sys­tem spä­ter nicht mehr zur Ver­fü­gung stehen.“ 

Laut Schät­zun­gen der Ärz­te­kam­mer feh­len rund 300 Aus­bil­dungs­stel­len. „Die Län­der müs­sen ent­spre­chende Gel­der zur Ver­fü­gung stel­len“, for­dert Mayer. Die dafür benö­tig­ten jähr­li­chen Bud­get­mit­tel wären im Ver­gleich zu den Kos­ten, die Medi­zin­ab­sol­ven­ten ver­ur­sa­chen, die dem Sys­tem spä­ter nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, in jedem Fall gerin­ger, betonte der Stan­des­ver­tre­ter. Der Nut­zen für das Land wäre ein dop­pel­ter: Absol­ven­ten könn­ten ihre Aus­bil­dung zeit­nah abschlie­ßen und stün­den gleich­zei­tig dem öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tem zur Ver­fü­gung. Ange­sichts eines sich abzeich­nen­den Ärz­te­man­gels werfe das kein gutes Licht auf die Ver­ant­wort­li­chen. „Die Jun­gen war­ten nicht. Sie gehen. Gerade die Enga­gier­ten, die wir gerne in unse­rem Gesund­heits­sys­tem hät­ten, scheuen sich nicht davor, das Land zu ver­las­sen“, sagt Karl­heinz Korn­häusl, Obmann der Bun­des­sek­tion Tur­nus­ärzte. „Der Ansatz der Poli­tik, das Pro­blem zu lösen, indem man zusätz­li­che Stu­di­en­plätze zukauft, ist zu kurz gedacht. Wir brau­chen in ers­ter Linie nicht mehr Absol­ven­ten, son­dern Rah­men­be­din­gun­gen, die für Nach­wuchs­me­di­zi­ner so attrak­tiv sind, dass sie auch in Öster­reich tätig wer­den wol­len.“ Eine Erhe­bung der ÖÄK in den Lan­des­ärz­te­kam­mern hat erge­ben: Es gibt War­te­zei­ten auf einen Basis­aus­bil­dungs­platz von bis zu einem Jahr, ver­ein­zelt auch län­ger. Aber auch nach der Basis­aus­bil­dung heißt es erneut „bitte war­ten“, wenn es um die Bewer­bung für eine Fach­arzt­stelle geht. Die Umfrage- Ergeb­nisse dif­fe­rie­ren sehr stark nach Bun­des­län­dern und auch nach Kran­ken­an­stal­ten­trä­gern. Gene­rell ist die Situa­tion für Jung­ärzte sehr undurch­sich­tig. „Und das kön­nen wir nicht akzep­tie­ren“, betont Korn­häusl. „Wir for­dern ein trans­pa­ren­tes Sys­tem bei der Ver­wal­tung der Ausbildungsstellen.“ 

Die Poli­tik sei gefor­dert, Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die den Fach­ärz­ten im Spi­tal mehr Zeit zur Ver­fü­gung stellt, um Jung­ärzte aus­zu­bil­den. Der hohe Abgang des medi­zi­ni­schen Nach­wuch­ses ins Aus­land habe nicht zuletzt damit zu tun, dass er dort bes­sere Aus­bil­dungs- und Rah­men­be­din­gun­gen vorfindet.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 6 /​25.03.2018

Die mit „Aktu­el­les aus der ÖÄK“ gekenn­zeich­ne­ten Sei­ten ste­hen unter der redak­tio­nel­len Ver­ant­wor­tung von Mag. Mar­gret Hand­ler von der Öffent­lich­keits­ar­beit der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer.