Stand­punkt – Präs. Tho­mas Sze­ke­res: Fakten-Check

25.09.2017 | Stand­punkt

© Bernhard Noll

Auch wenn die Vali­di­tät von Sta­tis­ti­ken immer wie­der in Frage gestellt wird, soll­ten doch zumin­dest jene von inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen wie der OECD über jeden Ver­dacht­er­ha­ben sein. Aus dem von der Orga­ni­sa­tion für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Bericht „Health at a Glance 2016“ über die Gesund­heits­sys­teme in den EU Län­dern möchte ich zwei Aspekte her­aus­grei­fen: die Gesund­heits­aus­ga­ben und die Ärztezahlen.

Dem­nach wer­den in Öster­reich laut OECD – öffent­li­che und pri­vate Aus­ga­ben zusam­men­ge­zählt – pro Kopf jähr­lich 3.789 Euro für die Gesund­heit aus­ge­ge­ben. Damit lie­gen wir hin­ter Deutsch­land, wo es 4.003 Euro pro Kopf sind. Zum Ver­gleich: In der Schweiz sind es 5.354 Euro, in Luxem­burg knapp über 6.000 Euro.

Zu den Ärz­te­zah­len: Hier kommt die OECD zu einer Zahl von 5,1 Ärz­ten auf 1.000 Ein­woh­ner; der EU 28-Schnitt liegt bei 3,5. Was dabei aller­dings außer Acht gelas­sen wurde: In Öster­reich wer­den im Ver­gleich zu den ande­ren Län­dern auch die Tur­nus­ärzte erfasst. Rech­net man diese – um unsere Ärz­te­zah­len über­haupt mit ande­ren ver­gleich­bar zu machen – her­aus, ergibt sich ein völ­lig ande­res Bild: Plötz­lich befin­den wir uns mit einer Ärz­te­dichte von 4,32 auf 1.000 Ein­woh­ner im unte­ren Mit­tel­feld. Ein paar Ver­gleichs­zah­len: Für Deutsch­land wird ein Wert von 5,92 aus­ge­wie­sen, für Grie­chen­land 6,32, für Groß­bri­tan­nien 3,67.

Und dass wir in Öster­reich einem veri­ta­blen Ärz­te­man­gel ent­ge­gen­steu­ern, wis­sen nicht nur die Pati­en­ten, die auf dem Land, in den Städ­ten und auch in den Spi­tä­lern die Aus­wir­kun­gen des­sen zu spü­ren bekom­men, dass Ärz­te­pos­ten nicht mehr nach­be­setzt wer­den kön­nen, son­dern das ist auch ganz nüch­tern an den Zah­len ersicht­lich. So waren etwa von den Absol­ven­ten der drei Medi­zin­uni­ver­si­tä­ten sowie der PMU Salz­burg im Jahr 2014/​2015 über­haupt nur 885 jemals in die Ärz­te­liste ein­ge­tra­gen; von die­sen waren zum Zeit­punkt der Erhe­bung im August 2016 nur 807 ärzt­lich tätig. Und rund ein Drit­tel der­je­ni­gen, die in Öster­reich pro­mo­viert haben, ste­hen mit­­­tel- bis lang­fris­tig dem öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tem nicht zur Verfügung.

Für uns als Stan­des­ver­tre­tung ist natür­lich ent­schei­dend – auch ange­sichts der Ärz­tin­nen und Ärzte, die für den kom­men­den Natio­nal­rat kan­di­die­ren – in wel­cher Weise und mit wel­chen Posi­tio­nen die aktu­ell im Natio­nal­rat ver­tre­te­nen Par­teien in den nächs­ten Jah­ren die Gesund­heits­po­li­tik in Öster­reich gestal­ten wol­len. Die ÖÄK wird hier mit Nach­druck ein­for­dern, dass die Rah­men­be­din­gun­gen sowohl für künf­tige nie­der­ge­las­sene Ärz­tin­nen und Ärzte und auch für Spi­tals­ärzte, die das auch wei­ter­hin gerne blei­ben wol­len, so gestal­tet sind, dass sie sich wie­der ihrer ärzt­li­chen Tätig­keit wid­men kön­nen – und ihre Zeit nicht mit Büro­kra­tie und Admi­nis­tra­tion zubrin­gen müssen.

ao. Univ.- Prof. Tho­mas Sze­ke­res
Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2017