Steuer: Das Auto im Steuerrecht

25.04.2017 | Ser­vice

Ob und wie ein PKW als Betriebs­aus­gabe ver­wert­bar ist, hängt vom jewei­li­gen per­sön­li­chen Nut­zungs­ver­hal­ten ab. Je nach­dem, ob der betrieb­li­che oder pri­vate Ein­satz über­wiegt, erfolgt die Zuord­nung zum Betriebs- oder Pri­vat­ver­mö­gen. Von Mar­kus Metzl*

Ein Kraft­fahr­zeug zählt dann zum Betriebs­ver­mö­gen, wenn es im Eigen­tum des Unter­neh­mers steht und zu mehr als 50 Pro­zent betrieb­lich genutzt wird, wobei die Beur­tei­lung nach der Jah­res­ki­lo­me­ter­leis­tung erfolgt. Im Umkehr­schluss bedeu­tet das: Wird das Kraft­fahr­zeug weni­ger als 50 Pro­zent betrieb­lich genutzt, zählt es zum Pri­vat­ver­mö­gen. Alle lau­fen­den Auf­wen­dun­gen sowie die Abschrei­bung sind in der Ein­­nah­­men- und Aus­ga­ben­rech­nung bezie­hungs­weise Gewinn- und Ver­lust­rech­nung zu erfas­sen – aller­dings nur im Aus­maß der betrieb­li­chen Nut­zung. Das heißt, dass der auf die pri­vate Nut­zung ent­fal­lende Kos­ten­an­teil aus­zu­schei­den ist.

Bei­spiel: Ein Pkw wird zu 60 Pro­zent betrieb­lich genutzt. Es fal­len jähr­li­che Kos­ten (Treib­stoff, Ver­si­che­rung, Repa­ra­tu­ren, Par­ken und Rei­ni­gung etc.) in der Höhe von 6.000 Euro an. Zusätz­lich beträgt die jähr­li­che Abschrei­bung 3.500 Euro.

Die Betriebs­aus­ga­ben für die­ses Jahr betra­gen:
(6.000 + 3.500) x 60% = 5.700 Euro

  • Tipps: Der betrieb­li­che Anteil der Fahr­ten sollte durch ein Fahr­ten­buch nach­ge­wie­sen wer­den. Liegt dies nicht vor, so muss der betrieb­li­che Anteil geschätzt wer­den. Die Schät­zung führt aber in den meis­ten Fäl­len bei einer Betriebs­prü­fung zu Nach­zah­lun­gen und ist daher nicht zu empfehlen.
  • Beim Ver­kauf des KFZ ist, unge­ach­tet der unter­schied­li­chen Pri­vat­nut­zung in den ein­zel­nen Jah­ren davor, der gesamte Ver­äu­ße­rungs­ge­winn (Ent­nah­me­wert) steu­er­pflich­tig. Aller­dings kann ein noch ver­blei­ben­der Rest­buch­wert in vol­ler Höhe vom Ver­kaufs­er­lös in Abzug gebracht werden.

Pri­vat­ver­mö­gen

Wenn die pri­vat gefah­re­nen Kilo­me­ter über­wie­gen, stellt das Kraft­fahr­zeug zur Gänze Pri­vat­ver­mö­gen dar. In die­sem Fall kön­nen die auf die betrieb­li­che Nut­zung ent­fal­len­den Betriebs­kos­ten sowie die antei­lige Abschrei­bung als Betriebs­aus­gabe abge­setzt wer­den. Bei einem spä­te­ren Ver­kauf (nach einem Jahr, da ansons­ten ein Spe­ku­la­ti­ons­tat­be­stand vor­liegt) unter­liegt der Ver­kaufs­er­lös nicht mehr der Einkommensteuer.

Wahl­recht: Kilometergeld-Verrechnung

Liegt eine betrieb­li­che Nut­zung des KFZ vor, so kann der Steu­er­pflich­tige an Stelle der antei­li­gen lau­fen­den Kos­ten auch das amt­li­che Kilo­me­ter­geld von der­zeit 0,42 Cent pro Kilo­me­ter gel­tend machen. Für jede mit­be­för­derte Per­son ste­hen zusätz­lich fünf Cent pro Kilo­me­ter zu. Neben dem Kilo­me­ter­geld kön­nen nur noch Kos­ten für ein Auto­te­le­fon, Unfall­schä­den oder Kos­ten eines Total­scha­dens gel­tend gemacht werden.

  • Tipps: Bei hohen Anschaf­fungs­kos­ten für ein Fahr­zeug ist der Ansatz der tat­säch­li­chen Kos­ten zu empfehlen.
  • Der Ansatz von Kilo­me­ter­geld darf nur bis zu einer jähr­li­chen, betrieb­lich gefah­re­nen Kilo­­me­­ter-Leis­­tung von 30.000 erfol­gen. Sind die betrieb­li­chen Fahr­ten höher, sind die Aus­ga­ben mit maximal 30.000 Kilo­me­ter mul­ti­pli­ziert mit 42 Cent = 12.600 Euro begrenzt oder es ist auf die tat­säch­li­chen betrieb­li­chen Kos­ten umzustellen.

Lea­sing

Beim Abschluss eines Lea­sing­ver­trags ist im Vor­feld zu klä­ren, ob der Ver­trag als Kauf oder als Miete zu qua­li­fi­zie­ren ist. Bei einem Kauf wird das KFZ beim Lea­sing­neh­mer als Anla­ge­ver­mö­gen (im Wege der Abschrei­bung) behan­delt, wäh­rend­des­sen bei einer Miete die Lea­sing­ra­ten gänz­lich als Betriebs­aus­gabe absetz­bar sind. Bei Finan­zie­rungs­lea­sing­ver­trä­gen unter­schei­det man zwei Formen:

Voll­amor­ti­sa­ti­ons­ver­trag: Die Lea­sing­ra­ten beinhal­ten die vol­len KFZ-Kos­­ten und einen Gewinn­auf­schlag wäh­rend der Grund­miet­zeit. Das ist der Fall, wenn die Grund­miet­zeit mehr als 90 Pro­zent oder weni­ger als 40 Pro­zent der KFZ-Nut­­zungs­­­dauer ent­spricht und/​oder die Mög­lich­keit besteht, nach der Grund­miet­zeit das KFZ für einen unwe­sent­li­chen Betrag zu erwerben.

Teilamor­ti­sa­ti­ons­ver­trag: Wäh­rend der Grund­miet­zeit wer­den nicht die gesam­ten Anschaf­fungs­kos­ten bezahlt. Der nicht bezahlte Teil wird in einen Rest­wert einkalkuliert.

Als Nut­zungs­dauer ist beim PKW eine steu­er­li­che Min­dest­dauer (Abschrei­bungs­dauer) von acht Jah­ren anzu­set­zen. Bei bei­den Lea­sing­ar­ten liegt Miete nur dann vor, wenn der Kauf­preis am Ende der Lauf­zeit min­des­tens 80 Pro­zent des steu­er­li­chen Buch­wer­tes, nach Abzug der Gan­z­­jah­­res- bezie­hungs­weise Hal­b­­jah­­res-Abschrei­­bung, beträgt.

Die Unter­schei­dung der bei­den Finan­zie­rungs­for­men ist des­halb so wich­tig, da es beim Finan­zie­rungs­lea­sing einen Aktiv­pos­ten zu berech­nen gilt. Die­ser soll ver­hin­dern, dass die Min­dest­nut­zungs­dauer für den PKW durch das Lea­sing umgan­gen wird.

Schließt man bei­spiels­weise einen Lea­sing­ver­trag auf vier Jahre ab, könnte ohne Aktiv­pos­ten das Kraft­fahr­zeug auf vier Jahre, anstelle wie beim Kauf auf acht Jahre, abge­schrie­ben wer­den. Im Aus­maß des Aktiv­pos­tens sind die Lea­sing­ra­ten steu­er­lich nicht absetzbar.

Anschaf­fungs­kos­ten des PKWs
abzüg­lich Rest­wert am Lea­singende
= Zwi­schen­summe
divi­diert durch die Monate des Lea­sing­ver­trags
= Til­gungs­kom­po­nente
Til­gungs­kom­po­nente mul­ti­pli­ziert mit der Anzahl der Monate des Lea­sing­ver­trags
abzüg­lich der fik­ti­ven Abschrei­bung im Falle des Kau­fes
= steu­er­li­che jähr­li­che Aktivposten

Ange­mes­sen­heits­prü­fung

Bei neuen PKWs (bis zum fünf­ten Jahr) ist zu beach­ten, dass das Finanz­amt maxi­male Anschaf­fungs­kos­ten von 40.000 Euro für ange­mes­sen erach­tet. Diese Anschaf­fungs­kos­ten umfas­sen auch Auf­zah­lun­gen für eine zusätz­li­che Son­der­aus­stat­tung. Über­stei­gende Anschaf­fungs­kos­ten kön­nen steu­er­lich nicht als Betriebs­aus­gabe abge­setzt werden.

  • Tipp: Bei Gebraucht­wa­gen (ursprüng­li­che Anschaf­fungs­kos­ten > 40.000 Euro), die min­des­tens fünf Jahre alt sind, ent­fällt die Ange­mes­sen­heits­prü­fung. Es zählt nicht mehr der his­to­ri­sche Lis­ten­preis, son­dern die tat­säch­li­chen Anschaffungskosten.

Bei­spiel: Ermitt­lung der jähr­li­chen PKW Betriebsausgaben

Anschaf­fungs­kos­ten laut Lea­­sing-Ver­­­trag: 50.000 Euro
Monat­li­che Lea­sing­rate: 1.200 Euro
Betrieb­li­cher Anteil der Fahr­ten: 70 %
Anschaf­fungs­kos­ten: 50.000 Euro
Ange­mes­sen­heit: 40.000 Euro
Ver­hält­nis (40.000 Euro/50.000 Euro): 80 %
Mtl. Lea­sing­rate: 1.200 Euro
Jähr­li­cher Lea­sing­auf­wand (1.200 Euro x 80% x 12): 11.520 Euro
Betrieb­li­ches Aus­maß: 70 %
Betriebs­aus­gabe (11.520 Euro x 70%): 8.064 Euro

Zusätz­lich sind diese Betriebs­aus­ga­ben noch um den zu ermit­teln­den Aktiv­pos­ten zu kürzen.

  • Tipp: Um die Lea­sing­ra­ten maximal als Betriebs­aus­ga­ben abset­zen zu kön­nen, sollte bei der Lea­sing­ge­stal­tung eine „Miet­va­ri­ante“ ange­strebt wer­den, da bei die­ser Form der Aktiv­pos­ten und somit eine Ver­tei­lung auf acht Jahre entfällt.

Eine grund­sätz­li­che Emp­feh­lung, wel­che Vari­ante (Kauf, Miete, Lea­sing oder Kilo­me­ter­geld) die güns­tigste ist, gibt es nicht, da neben steu­er­li­chen Aspek­ten auch die per­sön­li­che finan­zi­elle Situa­tion eine maß­geb­li­che Rolle spielt. Die Ent­schei­dung über den opti­mals­ten Ansatz sollte mit dem Steu­er­be­ra­ter bespro­chen werden.

*) Dr. Mar­kus Metzl ist Bereichs­lei­ter Finan­zen in der ÖÄK

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 8 /​25.04.2017